Widerstandsfähigkeit historischer & moderner Gesellschaften
Assessing the resilience of historical and modern societies
Wissenschaftsdisziplinen
Informatik (30%); Mathematik (30%); Physik, Astronomie (40%)
Keywords
- Social Instablity,
- Polycrisis,
- Digital Humanities,
- Dynamical Systems,
- Chaotic Systems,
- Structural Demographic Theory
Gesellschaften weltweit sind und waren immer wieder schweren Krisen ausgesetzt, etwa durch den Klimawandel, Pandemien, (kriegsbedingte) Vertreibungen, Lieferkettenunterbrechungen, Inflation oder Rezessionen. Die Folgen solcher Krisen allerdings unterschieden sich im Verlauf der Menschheitsgeschichte stark. Ob eine Gesellschaft erfolgreich auf Krisen reagieren kann, es zu politischen Konflikten oder im schlimmsten Fall zum gesellschaftlichen Zusammenbruch kommt, hängt von der Resilienz der jeweiligen Gesellschaft ab also von ihrer Fähigkeit, sich anzupassen und effektiv gemeinsam zu handeln. In diesem Forschungsprojekt untersuchen wir eben jene Resilienz historischer und moderner Gesellschaften. Unser Ziel ist es, die Hauptfaktoren zu identifizieren, die Instabilität und Krisen verursachen und letztlich zu ihrem Zusammenbruch beitragen. Dabei ist eine große und bisher ungeklärte Frage, ob sich menschliche Gesellschaften insbesondere ihre Resilienz und Instabilität überhaupt quantitativ analysieren lassen. Unsere Forschung soll einen wesentlichen Beitrag zur Beantwortung dieser Frage leisten und Erkenntnisse liefern, die modernen Gesellschaften helfen, ihre Resilienz zu stärken, Instabilität abzumildern und Krisen zu vermeiden. Mit den Methoden der Komplexitätsforschung werden wir auf jüngsten Fortschritten in den Politik- und Sozialwissenschaften aufbauen, um zu verstehen, welche Faktoren zu soziopolitischen Unruhen und Zusammenbrüchen führen und dabei klar aufzeigen, wo die Grenzen dieses Verständnisses liegen. Wir werden uns insbesondere darauf konzentrieren, die grundlegenden Komponenten menschlichen Gruppenverhaltens zu identifizieren. Denn sie erklären emergente, systemische Effekte und können somit wiederum dazu beitragen, jene Faktoren zu bestimmen, die die Resilienz und Stabilität von Gesellschaften beeinflussen. Dazu betrachten wir Gruppen- und Einzelverhalten in mathematischen und statistischen Modellen und kombinieren diese mit den einzigartigen Daten und Erfahrungen, die unser Team im letzten Jahrzehnt gesammelt hat. Unser Ansatz ist historisch breit angelegt: Wir untersuchen die wichtigsten Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen historischen und modernen Gesellschaften. Dabei werden wir die Rolle von Industrialisierung und Deindustrialisierung, von demografischen Übergängen und sich wandelnden Geschlechterrollen, von Kommunikationstechnologien und zunehmender Vernetzung sowie die durch die Umwelt bedingten Einschränkungen bewerten. Für unsere Forschung nutzen wir einzigartige Datenquellen, darunter die umfangreichen Informationen der Seshat Historical Databank und deren spezifischere Erweiterung CrisisDB, die sich auf Krisen in modernen und historischen Kontexten konzentriert. Die entwickelten Modelle werden anhand dieser Daten validiert und anschließend zur Bewertung von Resilienz und Instabilität in verschiedenen zeitgenössischen Gesellschaften eingesetzt.
- Daniel Hoyer, Societal Dynamics - Vereinigte Staaten von Amerika
- James Bennett, University of Washington - Vereinigte Staaten von Amerika
- R. Maria Del Rio-Chanona, University College London - Vereinigtes Königreich
- Pieter Francois, University of Oxford - Vereinigtes Königreich