Demografische Diversität in Gruppen
How gender-dissimilarity affects performance and well-being
Wissenschaftsdisziplinen
Psychologie (100%)
Keywords
-
Gender Dissimilarity,
Self-Monitoring,
Cultural Mismatch,
Social Inclusion,
Identity
Viele Organisationen setzen sich für eine ausgewogene Geschlechterverteilung ein nicht nur aus Gründen der Fairness, sondern auch, um talentierte Fachkräfte zu gewinnen und die Leistung von Teams zu steigern. Dennoch sind historisch weniger einbezogene Gruppen in bestimmten Bereichen weiterhin unterrepräsentiert etwa Frauen und Männer in traditionell männlich beziehungsweise weiblich geprägten Berufen und Rollen. Umso wichtiger ist es zu verstehen, warum Unterrepräsentanz in einer Gruppe mit besonderen Herausforderungen verbunden ist. Betroffene erleben häufig versteckte Nachteile: Sie fühlen sich weniger zugehörig und haben es schwerer, ihre Leistungsfähigkeit voll zu entfalten. Lange Zeit wurden solche Effekte vor allem mit negativen Stereotypen erklärt. Neuere Forschung zeigt jedoch, dass Unähnlichkeit zur Mehrheit einer Gruppe hinsichtlich demografischer Merkmale als solche das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen kann. Dabei sind manche Menschen stärker beeinträchtigt als andere, wenn ihr Geschlecht in der Minderheit ist. Um zu verstehen, warum das so ist, betrachten wir ein Persönlichkeitsmerkmal, das Teil unserer Identität ist: Jeder Mensch hat ein individuelles Bedürfnis danach, wie sehr er sich von anderen abheben oder ihnen ähneln möchten. Manche Menschen definieren sich eher durch persönliche Eigenschaften, die sie von anderen abheben. Andere definieren sich stärker über Gemeinsamkeiten und streben nach Angleichung an ihr soziales Umfeld. Unsere Forschung untersucht, ob und wie dieses Merkmal der Persönlichkeit erklären kann, dass Gruppenmitglieder unterschiedlich reagieren, wenn sie sich sichtbar von anderen unterscheiden. Zudem möchten wir aufdecken, welche psychologischen Prozesse zugrundeliegen. Zu diesem Zweck untersuchen wir Strategien des Self-Monitoring; -- worunter man die bewusste Steuerung der eigenen Selbstdarstellung versteht. Wir postulieren, dass die Wahrnehmung, übermäßig unähnlich oder differenziert zu sein, protektives Self-Monitoring fördert. Während akquisitives Self-Monitoring darauf abzielt, einen positiven Eindruck zu erwecken und Einfluss in der Gruppe zu gewinnen, dient protektives Self-Monitoring dem Selbstschutz. Betroffene achten vermehrt darauf, wie sie wirken, um negative Bewertungen zu vermeiden und ihr Verhalten an das anderer anzugleichen. Dies kann zwar die Bedrohung der eigenen Bedürnisse mindern, ist aber mental anstrengend. Denn wer ständig auf die Reaktionen anderer achtet, ist innerlich angespannt und handelt weniger authentisch. Beides kann das Wohlbefinden und die Leistung beeinträchtigen und erschwert es, sich der Gruppe zugehörig zu fühlen. Das vorliegende Forschungsprojekt möchte diese psychologischen Prozesse sichtbar machen. Damit wird nicht nur ein theoretischer Beitrag zur Gruppenpsychologie geleistet, sondern auch eine Grundlage für gezielte Maßnahmen zur Unterstützung unterrepräsentierter Gruppen geschaffen.
- Karl Landsteiner Priv.-Univ. - 100%
- Stefan Stieger, Karl Landsteiner Priv.-Univ. , nationale:r Kooperationspartner:in
- Anja S. Göritz, Universität Augsburg - Deutschland
- Sabine Otten, University of Groningen - Niederlande