Thinking with Things
Wissenschaftsdisziplinen
Informatik (100%)
Keywords
- Human-Computer Interaction,
- Interaction Design,
- New Materialism,
- Posthumanism,
- Methodologie,
- Intergenerational Relationships
Angesichts wachsender ökologischer und gesellschaftlicher Herausforderungen wird es zunehmend notwendig, die komplexen und wechselseitigen Beziehungen zwischen Menschen und nichtmenschlichen Akteuren Technologien, Materialien, Tiere und Pflanzen neu zu denken. Das Forschungsprojekt Thinking with Things widmet sich dieser Herausforderung aus Sicht der Disziplinen Human-Computer Interaction (HCI) und Interaction Design (IxD), die erforschen, wie Menschen Technologien gestalten und nutzen. Das Projekt stellt eine einfache, aber tiefgreifende Frage: Was wäre, wenn wir anfangen würden, mit Dingen zu denken nicht nur über sie? Es orientiert sich an der philosophischen Strömung des Neuen Materialismus, die Technologien und Materialien nicht als passive Werkzeuge, sondern als aktive Mitgestalter der Welt versteht. Diese Perspektive bietet reichhaltige theoretische und methodologische Ansätze; entscheidend ist jedoch, praktikable Wege zu finden, die diese theoretische Tiefe aufnehmen und zugleich anwendbar, nachvollziehbar und verständlich machen. Ziel ist es, eine neue Forschungsmethodik namens Thinking with Things zu entwickeln. Sie stellt Fragen wie: Wie kann der Neue Materialismus unser Verständnis und unsere Methoden in der Erforschung und Gestaltung von Technologien leiten? Welche Haltungen und Sensibilitäten sind nötig, um nichtmenschliche Akteure Objekte, Technologien oder natürliche Akteure besser einzubeziehen? Wie können wir praktisch mit Dingen denken, wenn wir digitale Systeme entwerfen oder analysieren? Um theoriebasierte empirische und gestalterische Forschungsmethoden zu erkunden, wird ein Fallbeispiel aus dem Alltag herangezogen, ein Beispiel, das die Komplexität und Verflechtung verschiedener menschlicher und nichtmenschlicher Akteure zeigt: die Beziehungen zwischen Großeltern und Enkelkindern, die räumlich voneinander getrennt leben. Im Mittelpunkt stehen dabei gemeinsame Aktivitäten auf Distanz, die sich um die Natur drehen Vögel, Pflanzen, Wälder, Seen, Berge. Einerseits sind diese oft typisch für solche Beziehungen, etwa beim Draußensein, beim Blättersammeln zusammen oder einem gemeinsamen Interesse an Tieren. Andererseits verdeutlichen sie die Verflechtung von Menschen und anderen Spezies sowie von belebten und unbelebten Akteuren. Anhand dieser Beispiele experimentiert das Projekt mit Methoden, die Menschen und nichtmenschliche Akteure gleichermaßen berücksichtigen. Die Ergebnisse sollen Designer*innen und Forscher*innen dazu anregen, inklusive und nachhaltige digital- physische Zukünfte zu entwerfen. Letztlich möchte dieses Projekt dazu einladen, Zukünfte zu entwickeln, die nicht nur menschliche Bedürfnisse, sondern auch die materiellen und ökologischen Welten einbeziehen, deren Teil wir sind. Thinking with Things erinnert uns daran, dass es in unserer Beziehung zur Technologie nicht nur darum geht, was wir damit tun sondern wie wir gemeinsam mit den Dingen, die uns umgeben, leben und denken.
- Universität Salzburg - 100%