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Irrtumslehren in der indischen Philosophie des Mittelalters

Theories of Error in Medieval Indian Philosophy

Marion Rastelli (ORCID: 0000-0003-4823-3914)
  • Grant-DOI 10.55776/PAT2153325
  • Bewilligungs­summe Einzelprojekte
  • Status laufend
  • Projekt­beginn 01.04.2026
  • Projektende 31.03.2030
  • Bewilligungs­summe 449.141 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Philosophie, Ethik, Religion (40%); Sprach- und Literaturwissenschaften (60%)

Keywords

  • Theories Of Error,
  • Mandana Misra,
  • Brahmasiddhi,
  • Jitari,
  • Sahopalambhaniyamasamarthana,
  • Indian epistemology
Abstract

Dieses Projekt widmet sich der Untersuchung der Irrtumslehren mittelalterlicher indischer Philosophen. Auf der Alltagsebene befassen sich diese Lehren mit einfachen irrtümlichen Wahrnehmungen, etwa wenn man ein Seil sieht und es irrtümlich für eine Schlange hält. Auf der metaphysischen Ebene dienen sie dazu zu erklären, wie es durch Unwissenheit zu grundlegenden Missverständnissen über das Wesen der Wirklichkeit kommt. Irrtumslehren bilden einen zentralen Bestandteil der indischen Erkenntnistheorien und wurden in nahezu allen philosophischen Schulen und religiösen Traditionen Indiens über Jahrhunderte hinweg lebhaft diskutiert. Frühe Diskussionen waren noch wenig systematisch. Es war der Philosoph Maana Misra (ca. 660720), der erstmals für Klarheit sorgte, indem er eine umfassende Übersicht über die zu seiner Zeit bestehenden Ansätze erstellte. Eines seiner Werke, der Vibhramaviveka, widmet sich genau diesem Thema. Leider ist dieser Text nur schlecht erhalten, weshalb die Möglichkeiten, ihn gründlich zu untersuchen, begrenzt sind. Maanas vermutlich letztes Werk, die Brahmasiddhi, widmet sich aber ebenfalls dieser Thematik und enthält Argumente, die parallel zu denen des Vibhramaviveka verlaufen und darauf aufbauen. Durch den Vergleich der Ideen und Argumente im Vibhramaviveka und in der Brahmasiddhi einerseits und den Vergleich von diesen mit denen in einschlägigen Werken früherer und zeitgenössischer Autoren andererseits soll das Projekt rekonstruieren, wie Maana seine Irrtumslehre vermutlich im intensiven Austausch mit anderen Gelehrten entwickelte und wie sie sich in sein umfassenderes philosophisches Denken einfügt. Im Mittelpunkt stehen dabei vier Themen: (1) die Identität von zwei von Maana beschriebenen, buddhistischen Denkern zugeschriebenen Irrtumslehren, (2) Maanas eigener philosophischer Standpunkt und seine Traditionsangehörigkeit, (3) die Beziehung der Irrtumslehren zur Auslegung der heiligen Schriften der brahmanischen Tradition, (4) die frühe Geschichte der Vorstellung eines grundlegenden, durch Unwissenheit verursachten Irrtums, der den Menschen daran hindert, die Wirklichkeit zu erkennen. Da die frühen Irrtumslehren stark durch buddhistische Philosophen besonders jene in der Tradition Dharmakirtis geprägt waren, untersucht das Projekt außerdem das Sahopalambhaniyamasamarthana des buddhistischen Gelehrten Jitari (10. Jh.). Dadurch soll der buddhistische Beitrag zur Entwicklung der Irrtumslehren deutlicher werden. Das Ziel des Projekts ist es, möglichst klar herauszuarbeiten, welche Denker bzw. welche Werke Maana beeinflussten. Auf Basis seiner Irrtumslehre soll aufgezeigt werden, welche Ideen er übernahm und wodurch sich seine eigene Position besonders auszeichnet. Diese Studie wird auch ermöglichen, einzelne Denker innerhalb spezifischer philosophischer Traditionen einzuordnen, und dazu beitragen, die Entwicklung philosophischer Schulen in der mittelalterlichen indischen Geistesgeschichte besser zu verstehen.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Hugo David, Ecole francaise d Extreme-Orient - Frankreich
  • Elliot M. Stern, Privat, Ausland - Vereinigte Staaten von Amerika
  • Diwakar Acharya, University of Oxford - Vereinigtes Königreich

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