HIEROTOPOI
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (50%); Philosophie, Ethik, Religion (50%)
Keywords
- Religion,
- Landscape,
- Ecology,
- Ritual,
- Space,
- Antiquity
Berge, Quellen und Küstenlandschaften waren für die Menschen im antiken Griechenland und Rom nicht nur bloße Kulisse. Viele dieser Orte galten als Wohnstätten von Göttern und mythischen Wesen oder als Schauplätze wichtiger Rituale. Dieses Forschungsprojekt untersucht, wie religiöse Vorstellungen und Praktiken die Landschaften im antiken Mittelmeerraum prägten und wie diese Landschaften wiederum das Leben und die Vorstellungen der Menschen beeinflussten. Das Projekt geht drei Hauptfragen nach. Erstens: Wie verwandelten Gemeinschaften der Antike scheinbar gewöhnliche Orte einen Hügel, eine Höhle, einen Fluss in heilige Räume? Zweitens: Wie erlebten die Menschen diese Orte in ihrem Alltag durch ihre Bewegungen im Raum, durch Mythen und durch rituelle Praktiken? Drittens: Können diese alten Formen der Beziehung zur natürlichen Umwelt uns heute helfen, anders über unser eigenes Verhältnis zur Natur in Zeiten einer ökologischen Krise nachzudenken? Um diese Fragen zu beantworten, verbindet das Projekt verschiedene Arten von Quellen und disziplinärem Fachwissen. Die Forscher:innen analysieren antike Texte, Inschriften und Bilder und untersuchen archäologische Funde sowie die räumliche Organisation von Heiligtümern und Prozessionswegen. Dabei greifen sie auf Ansätze aus der Geschichte, der Archäologie, den Gender Studies und der Religionswissenschaft zurück. Im Laufe des Projekts arbeitet das Team in regelmäßigen Workshops und Diskussionen eng zusammen, um einzelne Fallstudien zu vergleichen und einen gemeinsamen Interpretationsrahmen zu entwickeln. Das Projekt ist am Österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI) in Wien angesiedelt und bringt Fachleute aus Österreich, Griechenland, Italien, den Niederlanden und Spanien zusammen. Diese internationale Zusammenarbeit stärkt die Rolle Österreichs als Zentrum für die Erforschung des antiken Mittelmeerraums und öffnet das Projekt zugleich für den Dialog mit breiteren Debatten in den Geistes- und Umweltwissenschaften. Zusammenfassend lässt sich sagen: Indem das Projekt konkrete Orte etwa Bergheiligtümer, Heilquellen oder Küstenheiligtümer genau untersucht und miteinander vergleicht, entwickelt es einen neuen, ganzheitlicheren Blick auf die Religion der Antike. Gleichzeitig greift es Fragen auf, die uns heute beschäftigen: wie menschliche Gemeinschaften ihrer Umwelt Bedeutung verleihen, wie heilige Orte das soziale und politische Leben prägen können und wie frühere Vorstellungen von der natürlichen Welt zu nachhaltigeren Formen des Zusammenlebens mit unseren Landschaften anregen könnten.
- Anna-Katharina Rieger, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Nirvana Silnovic, Österreichische Akademie der Wissenschaften , nationale:r Kooperationspartner:in
- Nickolas P. Roubekas, Aristotle University of Thessaloniki - Griechenland
- Orietta D. Cordovana, Università di Calabria - Italien
- Christina G. Williamson, University of Groningen - Niederlande
- María Cruz Cardete Del Olmo, Universidad Complutense de Madrid - Spanien
- David Sierra Rodriguez, University of Granada - Spanien