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Verzerrtes Ohr

BIASED EAR

David Meijer (ORCID: 0000-0002-7484-2783)
  • Grant-DOI 10.55776/PAT1267925
  • Bewilligungs­summe Einzelprojekte
  • Status laufend
  • Projekt­beginn 01.02.2026
  • Projektende 31.12.2029
  • Bewilligungs­summe 449.975 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Psychologie (100%)

Keywords

  • Perceptual biases,
  • Sensory adaptation,
  • Bayesian inference,
  • Spatial hearing,
  • Psychophysics,
  • Computational modelling
Abstract

Präzise Schalllokalisation ist eine wichtige Fähigkeit: Sie informiert Hörer:innen über ihre Umgebung, ohne die Augen verwenden zu müssen, und sie dient dazu, die Augen auf relevante Ereignisse zu lenken; sie funktioniert sogar im Dunkeln oder wenn die direkte Sicht versperrt ist. Wird die menschliche Schalllokalisation jedoch im Labor getestet zumeist mit vielen Lautsprechern in einem Halbkreis vor den Teilnehmenden angeordnet , so zeigen sich häufig systematische Fehler, d. h. die Position der Schallquelle wird verzerrt wahrgenommen. Zum Beispiel lokalisieren Personen Schallquellen konsistent näher zur oder weiter von der frontalen Mittellinie entfernt als die tatsächlichen Lautsprecherpositionen. Verwirrenderweise zeigen solche Verzerrungen bei unterschiedlichen Versuchspersonen und unter verschiedenen Versuchsbedingungen manchmal entgegengesetzte Richtungen. Zudem scheint die Position vorhergehender Schallereignisse die wahrgenommene Position des aktuellen Schalls zu beeinflussen, wobei diese je nach genauer Situation entweder zu den vorherigen Schallpositionen hingezogen oder von ihnen abgestoßen werden kann. Während solche Lokalisationsverzerrungen häufig als bloße Unvollkommenheiten des Hörsinns betrachtet wurden, betrachtet sie dieses Projekt als Epiphänomene zweier grundlegender Mechanismen, die normalerweise das Richtungshören in unsicheren und dynamischen Hörumgebungen unterstützen. Erstens passt sich das sensorische System an, um die räumliche Präzision in dem Bereich zu verbessern, in dem es kürzlich Schallreize erfahren hat, was zu lokalen Kontrastverstärkungen, aber auch zu unbeabsichtigten räumlichen Verzerrungen führen kann. Zweitens wird zeitliche Wahrnehmungsstabilität dadurch erreicht, dass Schallsignale mit bestehenden Annahmen über Schallquellen integriert werden dies kann jedoch dazu führen, dass kognitive Erwartungen räumliche Schätzungen verzerren. Die Folgen dieser beiden Prozesse interagieren miteinander, was potenziell die komplexen und teils gegensätzlichen Muster von Antwortverzerrungen erklären kann, die in Lokalisationsstudien beobachtet werden. Aufbauend auf neueren Forschungsergebnissen aus der visuellen Wahrnehmungsforschung werden verschiedene Umsetzungen dieser beiden Prozesse in einer Vielzahl von Computermodellen mit individualisierten Parameterwerten simuliert. Ziel ist es, die Lokalisationsvorhersagen der Modelle mit den tatsächlichen Lokalisationsantworten menschlicher Versuchspersonen zu vergleichen, die in sorgfältig durchgeführten Laborstudien unter verschiedenen Hörbedingungen erhoben werden. Durch die Auswahl jener Computermodelle, deren systematische Fehlermuster denjenigen menschlicher Hörer:innen am ähnlichsten sind, gewinnen wir Einblicke in die neuronalen Berechnungsmechanismen des Gehirns, die dem allgemein präzisen dynamischen Richtungshören zugrunde liegen, aber unter bestimmten Bedingungen zu auffälligen Verzerrungen führen. Das Projekt trägt somit zu einem grundlegenden Verständnis darüber bei, wann und warum systematische Fehler in der Schalllokalisation auftreten, und zielt darauf ab, eine wachsende Zahl scheinbar widersprüchlicher Forschungsergebnisse, die Verzerrungen in entgegengesetzte Richtungen zeigen, zu erklären und miteinander in Einklang zu bringen.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Marc Van Wanrooij - Niederlande
  • John Van Opstal, University of Nijmegen - Niederlande
  • Norbert Kopco, Safarik University Kosice - Slowakei

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