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Das UN Schadenersatzrecht für Friedensmissionen

UN Tort Law for Peacekeeping Missions

Kirsten Schmalenbach (ORCID: 0000-0002-8538-7077)
  • Grant-DOI 10.55776/P33732
  • Bewilligungs­summe Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projekt­beginn 01.01.2021
  • Projektende 31.12.2025
  • Bewilligungs­summe 370.776 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Rechtswissenschaften (100%)

Keywords

  • International Organizations,
  • United Nations,
  • Peacekeeping,
  • Tort,
  • Third Party Claims,
  • Claims Settlement Practice
Abstract Zusammenfassung

Die Vereinten Nationen unterhalten derzeit dreizehn Friedensmissionen (englisch: Peacekeeping Missions), unter anderem in Mali, der Demokratischen Republik Kongo, der Zentralafrikanischen Republik, dem Südsudan und Darfur. Diese Missionen operieren in prekären Sicherheitslagen und setzen so naturgemäß das uniformierte und zivile Personal der Vereinten Nationen einer Vielzahl von Risiken aus. Aber auch die lokale Bevölkerung am Einsatzort erleidet Schäden und bringt Opfer. Ein keineswegs unerheblicher Teil dieser Schäden an Leib, Leben und Eigentum ist dabei der jeweiligen UN-Friedensmission und damit letztlich der Organisation zuzurechnen. Die UN-interne Bearbeitung dieser deliktischen Ansprüche aus der Zivilbevölkerung findet in der Praxis außerhalb der innerstaatlichen Gerichtssysteme und abgeschirmt von der Öffentlichkeit statt. Ziel des Projektes zum Schadenersatzrecht der Vereinten Nationen ist es, Transparenz in dieses System zu bringen, in dem die Rechtsnormen identifiziert werden, die die Vereinten Nationen sowohl bei der Feststellung als auch bei der Bewertung deliktischer Schadenersatzansprüche anwenden. Mit dieser Zielrichtung wird das Projekt einen wichtigen Beitrag zum Recht der Internationalen Organisationen leisten: Zum einen wird es zum besseren Verständnis des UN-Schadenersatzrechts und des Verfahrens zur Abwicklung der Ansprüche beitragen. Zum anderen wird durch die Identifizierung und Kontextualisierung der materiellen Schadenregeln Rechtsklarheit und Rechtssicherheit geschaffen. Und schließlich haben die Ergebnisse des Projekts das Potential, Auswirkungen auf die Schadenregulierungspraxis anderer internationaler Organisationen mit militärischen Missionen zu haben (z.B. NATO, ECOWAS, Afrikanische Union).

Das Projekt untersucht, wie die Vereinten Nationen mit Schäden umgehen, die im Rahmen von Friedenseinsätzen entstehen, und erarbeitet umsetzbare Vorschläge, um Betroffenen schneller, gerechter und transparenter Abhilfe zu verschaffen. Von 2021 bis 2025 lag der Schwerpunkt darauf, eine kohärente Bestandsaufnahme der UNPraxis zur Drittshaftung zu erstellen und auszuwerten. Pandemiebedingte Zugangsbeschränkungen verhinderten zunächst Archivbesuche; der geplante Termin wurde verschoben, da die UNArchive nur eingeschränkt arbeiteten und Einreisebeschränkungen in die USA galten. Das Projekt wurde kostenneutral verlängert; ein Dienstvertrag wurde ausgesetzt, ein weiterer in den Stunden reduziert. Als Reaktion ließ das Team nicht digitalisierte Akten scannen, nutzte alternative Quellen und führte Interviews mit früheren UNMitarbeitenden und Praktikerinnen. Ein angebotener eintägiger Archivtermin erwies sich als unzureichend und wurde bis zu verbesserten Bedingungen aufgeschoben. Ab 2022 wurden Aktenanfragen und Interviews parallel vorangetrieben; Gespräche mit Expertinnen und Experten von CIVIC sowie einem ehemaligen UNAssistantSecretaryGeneral vertieften das Verständnis rechtlicher Kontexte und institutioneller Praxis. Ein Buchvorschlag wurde von Edward Elgar angenommen; frühe Kapitelentwürfe dienten der Identifikation von Diskussionspunkten. Ergebnisse wurden u. a. auf der 20. Konferenz zum Europäischen Deliktsrecht und während der UN Arbitration Week vorgestellt und in einem ESILWorkshop zu Fairness und Doppelstandards in der UNSchadensbearbeitung weiter diskutiert. Im Juli 2023 erfolgte die Auswertung vor Ort in den UNArchiven; ergänzend wurden Interviews mit militärischen und missionserfahrenen Rechtsberaterinnen geführt. Ein Fachworkshop in Salzburg im September 2023 beleuchtete Regelungslücken und praktische Lösungswege. Im Jahr 2024 konsolidierte das Team Archivmaterialien, Interviewtranskripte und Literatur, präsentierte das Projekt am HIAS und baute eine recherchierbare Datenbank auf. Ein Fallgespräch mit einem haitianischen Menschenrechtsverteidiger verdeutlichte Hürden für Zivilpersonen bei der Rechtsdurchsetzung. 2025 stand die Fertigstellung der Monografie United Nations Tortious Liability in Peacekeeping Missions (Edward Elgar, geplant 2026) im Zentrum, flankiert von Aufsätzen zu Anspruchspraxis und allgemeinen Rechtsgrundsätzen, Vorträgen in Hamburg, Durham und Cambridge, zwei thematischen Workshops sowie dem Abschluss einer einschlägigen Dissertation. Erwartet werden bessere Zugangsmöglichkeiten zu Abhilfe, mehr Vertrauen in Friedenseinsätze und eine konsistentere, transparentere Praxis innerhalb der UN.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Salzburg - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Monika Hinteregger, Universität Graz , nationale:r Kooperationspartner:in
  • Bernhard Koch, Universität Innsbruck , nationale:r Kooperationspartner:in
  • August Reinisch, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Heike Krieger, Freie Universität Berlin - Deutschland
  • Jean-Sébastien Borghetti, Université Panthéon Assas-Paris II - Frankreich
  • Niels Blokker, Universiteit Leiden - Niederlande
  • Catherine Brölmann, Universiteit van Amsterdam - Niederlande
  • Piotr Machnikowski, Uniwersyta Wroclawski - Polen
  • Miodrag Jovanovic, University of Belgrade - Serbien
  • Miquel Martin Casals, Universitat de Girona - Spanien
  • Rachael Mulheron, Queen Mary University of London - Vereinigtes Königreich
  • Carla Ferstman, University of Essex - Vereinigtes Königreich

Research Output

  • 6 Publikationen
  • 2 Weitere Förderungen
Publikationen
  • 2026
    Titel United Nations' Tortious Liability. Third-Party Claims Arising from Peacekeeping Missions (forthcoming)
    Typ Book
    Autor Schmalenbach K
    Verlag Edward Elgar Publishing
  • 2025
    Titel The creation of intertemporality : unearthing a general principle of international law
    Typ PhD Thesis
    Autor Sara Wissmann
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Verhaltenssteuerung durch Vertrag : unter besonderer Berücksichtigung der Vertragsstrafe
    Typ PhD Thesis
    Autor Magdalena Hiebl-Fuchs
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Die Ausübung von funktionalem Schutz durch Internationale Organisationen zugunsten ihrer Bediensteten
    Typ PhD Thesis
    Autor Melissa Rudigier
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Can International Organizations Turn 'Rogue'? The Many Facets of Institutional Capture
    DOI 10.1163/15723747-21030007
    Typ Journal Article
    Autor Schmalenbach K
    Journal International Organizations Law Review
  • 2025
    Titel The Great Unknown; In: Unity in Diversity: Perspectives on the Law of International Organizations - Liber Amicorum for Niels M. Blokker
    DOI 10.1163/9789004699939_033
    Typ Book Chapter
    Verlag Brill | Nijhoff
Weitere Förderungen
  • 2024
    Titel HIAS (Hamburg Institute for Advanced Study) Fellowship 2024/25
    Typ Fellowship
    Förderbeginn 2024
    Geldgeber HIAS - Hamburg Institute for Advanced Study HIAS - Hamburg Institute for Advanced Study
  • 2021
    Titel Senior Research Fellowship at the Berlin Postdam Research Group
    Typ Fellowship
    Förderbeginn 2021
    Geldgeber Free University of Berlin

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