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Kristallaggregation in Magmen: Mechanismen und Bedeutung

Crystal clustering in magmas: mechanisms and significance

Thomas Alister Griffiths (ORCID: 0000-0003-4801-6776)
  • Grant-DOI 10.55776/P33227
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 06.07.2020
  • Projektende 05.07.2025
  • Bewilligungssumme 194.675 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Geowissenschaften (100%)

Keywords

    Crystal Clustering, Magmatic Petrology, Magnetite, Mt. Etna, Crystallographic Orientation Relationships, Clinopyroxene

Abstract Endbericht

Während der Kristallisation von Magma, einem Gemenge aus Gesteinsschmelze und Kristallen, bilden die neu wachsenden Kristalle häufig Aggregate, sogenannte Cluster. Diese Kristallcluster können im Magma aus großer Tiefe an die Erdoberfläche gelangen, und tragen Information über die Bildungsbedingungen und Bildungsprozesse, wie eine Flaschenpost aus dem Inneren eines Vulkans. Zudem beeinflusst das Vorhandensein von Kristallclustern das Fließverhalten eines Magmas, sowie die Trennung von Schmelze und Kristallen und damit die chemische Entwicklung des Magmas. In diesem Projekt wird die Entstehung von Kristallclustern in Schmelzen experimentell untersucht, und die Ergebnisse mit natürlichen magmatischen Gesteinen, das sind aus Schmelzen entstandene Gesteine, verglichen. Insbesondere werden Cluster aus Klinopyroxen und Magnetit bearbeitet, die in Basalt, dem häufigsten magmatische Gestein der Erde, typisch sind. Dazu wird Glas mit basaltischer Zusammensetzung in Platinkapseln (3 x 3 x 6 mm) eingeschlossen und unter einen Druck entsprechend einer Tiefe von 12km bis über seine Schmelztemperatur von ca. 1200C aufgeheizt und eine synthetische Gesteinsschmelze erzeugt. Die Proben werden danach bis unter die Schmelztemperatur abgekühlt und für unterschiedlich lange Zeiten bei unterschiedlichen Temperaturen gehalten, um Kristalle und Kristallcluster zu bilden. Schließlich werden die Proben abgeschreckt und eine Momentaufnahme ihres Zustands bei hoher Temperatur eingefroren. Mit diesem Vorgehen untersuchen wir den Einfluss der Haltetemperatur, der Haltezeit bei konstanter Temperatur und des Wassergehaltes der Schmelze auf die gebildeten Cluster. Dabei sollen einerseits die Orientierungsbeziehungen von Kristallgittern an den Grenzflächen zwischen aggregierten Kristallen und andererseits die zwei- und dreidimensionalen Formen und Verteilungen der Kristalle erfasst werden. Kristalle wachsen oft auf anderen Kristallen auf und richten dabei ihr Kristallgitter an dem Gitter des bereits vorhandenen Kristalls aus. Es ist zu erwarten, dass sich die Orientierungsbeziehungen zwischen den Gittern zweier auf dieses Art verbundenen Kristalle in Abhängigkeit von den Bildungsbedingungen verändern. Für die Analyse der Orientierungsbeziehungen zwischen Kristallen werden wir eine Elektronenbeugungstechnik am Rasterelektronenmikroskop einsetzen. Für die dreidimensionale Analyse der Internstruktur der Proben werden wir Röntgen-Computertomographie - ähnlich der medizinischen Computertomographie aber mit höher energetischer Röntgenstrahlung - verwenden. Mit diesem experimentell-analytischen Ansatz werden wir lernen, die Prozesse und Bedingungen der Bildung von Kristallclustern besser zu verstehen. Schließlich werden wir die Ergebnisse aus den Experimenten mit Basaltproben vom Ätna (Sizilien) vergleichen, wo Kristallaggregate aus Klinopyroxen und Magnetit häufig auftreten. Damit soll ein verbessertes Verständnis der Dynamic des Magmenaufstiegs unter dem Ätna erzielt werden.

Dieses Projekt hat unser Verständnis über die Entstehung von "Kristallclustern" ( Kristallaggregate) in magmatischen Gesteinen und Experimenten deutlich verbessert, indem wir die Kristallcluster direkt untersuchten. Wir haben gezeigt, wie zweidimensionale (durch Elektronenmikroskopie) und dreidimensionale (durch Röntgenstrahlen) Beobachtungen der Form und Verteilung von Kristallen in Cluster mit Information über die räumliche Variation des Mineralchemismus und die Übereinstimmung der kristallographischen Orientierungen von benachbarten Mineralkörnern kombiniert werden kann, um herauszufinden, ob ein Mineralkorn durch "heterogene Nukleation" auf einem anderen entstanden ist (d.h. die Entstehung eines neuen Mineralkorns an einer bestehenden Kristalloberfläche). Mittels dieser Erkenntnisse konnten wir bestätigen, dass gewisse Anordnungen zwischen den Kristallstrukturen von benachbarten Klinopyroxen- und Titanomagnetit-Mineralkörnern besonders gute Indikatoren für die Aktivität der heterogenen Nukleation sind, da diese "kristallographische Orientierungsbeziehungen" ("CORs") nicht gebildet wurden, wenn andere Clusterentstehungsmechanismen aktiv waren. Wir haben unsere neuen Kriterien für die Erkennung der heterogenen Nukleation angewendet, um die Kristallisationsabfolge in unseren Experimenten genau zu rekonstruieren. Ein Schlüsselerkenntnis war, dass die Verfügbarkeit von "Kernen" für eine heterogene Nukleation für die Verteilung und Morphologie der Kristalle in unseren Experimenten wichtiger war, als die Temperatur der Experimente. Weiter haben wir herausgefunden, dass die bestimmte COR, die zwischen Klinopyroxen und Titanomagnetit entstanden ist, von dem Unterschied zwischen der Temperatur im Experiment und der Temperatur, bei der in dem System Kristalle zuerst entstehen sollten, abhängig ist, wobei weitere Forschung notwendig sein wird, um diese Erkenntnis auf natürlichen Proben anwenden zu können. Darüber hinaus haben wir in manchen Experimenten beobachtet, dass Titanomagnetitkörner, die mit Klinopyroxenkörnern assoziiert waren, je nach Größe, Form, und Orientierungsbeziehungen in 3 Gruppen eingeteilt werden konnten, weil der Mechanismus und/oder Zeitpunkt der Clusterbildung sich zwischen den Gruppen unterschieden hat. Diese Erkenntnis war überraschend, weil in unseren Experimenten nur ein einziger Abkühlungsschritt angewendet wurde. Daher ist es möglich, dass magmatische Gesteine, die mehrere unterschiedliche Kristallclustertypen aufweisen, während eines einzigen Abkühlereignisses entstanden sind. Früher hätte man eventuell aufgrund des Vorhandenseins von mehreren Clustertypen argumentiert, dass die Abkühlgeschichte eines Gesteins sehr komplex gewesen sein muss. Durch heterogene Nukleation kristallisierten unsere Experimente sehr rasch, ein Kristallanteil von > 50% wurde innerhalb von 5 Minuten erreicht. Sollte ein magmatisches System so rasch kristallisieren, würde sich der Magmenfluss rasch verlangsamen oder überhaupt stehenbleiben, was möglicherweise eine Eruption verhindern könnte, oder stattdessen die Gefahr einer explosiven Eruption erhöhen könnte. Daher haben wir auch die Auswirkungen der schnellen Kristallisation untersucht. Wir fanden heraus, dass die Kristallgitter der Klinopyroxenkörner, die schnell gewachsen sind, eine charakteristische Verbiegung aufweisen, die bei unterschiedlichen kristallographischen Wachstumsrichtungen und Kristallisationsbedingungen verschieden ist und daher nützlich sein könnte, um Information über rasche Kristallisationsprozesse zu extrahieren. Schlussendlich haben wir in dem Projekt mehrfach gezeigt, dass die räumlich aufgelöste kristallographische Orientierungsbestimmung im Rasterelektronenmikroskop (durch "Rückstreueelektronenbeugung") ein mächtiges Werkzeug für die Untersuchung von Kristallisationsvorgängen ist.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Pier Paolo Giacomoni, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Florian Heidelbach, Universität Bayreuth - Deutschland
  • Matteo Masotta, Università di Pisa - Italien

Research Output

  • 4 Zitationen
  • 12 Publikationen
  • 1 Datasets & Models
  • 2 Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 1 Weitere Förderungen
Publikationen
  • 2024
    Titel Identifying crystal nucleation mechanisms in a synthetic trachybasalt: a multimodal approach
    DOI 10.1007/s00410-024-02161-w
    Typ Journal Article
    Autor Peres S
    Journal Contributions to Mineralogy and Petrology
    Seiten 84
    Link Publikation
  • 2025
    Titel On the effect of Cr2O3 addition on the crystallization of trachybasaltic melt
    DOI 10.5194/egusphere-egu24-17296
    Typ Other
    Autor Griffiths T
  • 2025
    Titel Tracing the pre- to post-eruptive crystallization of trachybasaltic melts: insights into the 1651-1654CE lavas of Mount Etna (Sicily, Italy)
    DOI 10.1016/j.jvolgeores.2025.108416
    Typ Journal Article
    Autor Lanzafame G
    Journal Journal of Volcanology and Geothermal Research
  • 2025
    Titel The quantification of microstructural parameters of glass-bearing samples: electron backscatter diffraction mapping versus backscatter electron imaging 
    DOI 10.5194/egusphere-egu25-16781
    Typ Other
    Autor Griffiths T
  • 2023
    Titel Homogeneous and heterogeneous nucleation in synthetic trachybasalts: microstructural evidence from Titanomagnetite crystals of different populations
    DOI 10.5194/egusphere-egu23-15129
    Typ Other
    Autor Griffiths T
  • 2023
    Titel What is the cause of lattice rotation in clinopyroxene dendrites?
    DOI 10.5194/egusphere-egu23-9162
    Typ Other
    Autor Griffiths T
  • 2023
    Titel Effect of undercooling on clinopyroxene crystallization in a high K basalt: Implications for magma dynamics at Stromboli volcano
    DOI 10.1016/j.lithos.2023.107327
    Typ Journal Article
    Autor Colle F
    Journal Lithos
  • 2022
    Titel The Origin of Lattice Rotation during Dendritic Crystallization of Clinopyroxene
    DOI 10.1093/petrology/egac125
    Typ Journal Article
    Autor Griffiths T
    Journal Journal of Petrology
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Re-equilibration of clinopyroxene-titanomagnetite clusters: the effect of isothermal annealing time and melt water content
    DOI 10.5194/egusphere-egu22-12189
    Typ Other
    Autor Griffiths T
  • 2022
    Titel Kinetic crystallization of a high-K basalt melt undercooled in laboratory: Implications for modeling open conduit dynamics at Stromboli volcano
    DOI 10.5194/egusphere-egu22-5786
    Typ Other
    Autor Colle F
  • 2022
    Titel Titanomagnetite-clinopyroxene clustering in synthetic trachybasalts: Insight into nucleation mechanisms from new experimental samples 
    DOI 10.5194/egusphere-egu22-7750
    Typ Other
    Autor Griffiths T
  • 2020
    Titel The origin of clinopyroxene - titanomagnetite clustering during crystallisation of synthetic trachybasalt
    DOI 10.5194/egusphere-egu2020-10336
    Typ Other
    Autor Griffiths T
Datasets & Models
  • 2023 Link
    Titel Supplementary EBSD data for paper "The origin of lattice rotation during dendritic crystallization of clinopyroxene"
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2024
    Titel Invited keynote speaker Freiberg MTEX workshop 2024
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2023
    Titel Senior research fellow (2 years Swiss Science National Science Foundation Project)
    Typ Attracted visiting staff or user to your research group
    Bekanntheitsgrad National (any country)
Weitere Förderungen
  • 2025
    Titel Syn-eruptive quantitative petrology: new frontiers in volcanic monitoring and eruptive phenomena evolution
    Typ Fellowship
    Förderbeginn 2025
    Geldgeber Swiss National Science Foundation

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