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Wiener Genesis: Materialanalyse und Konservierung

Vienna Genesis: Material analysis and conservation

Christa Hofmann (ORCID: 0000-0003-3851-2629)
  • Grant-DOI 10.55776/P28898
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.04.2016
  • Projektende 31.03.2019
  • Bewilligungssumme 147.306 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Chemie (10%); Kunstwissenschaften (90%)

Keywords

    Late Antique Purple Manuscript, Silver Ink, Parchment Conservation, Parchment Storage, Dye And Pigment Analysis, Purple Dyes

Abstract Endbericht

Die Wiener Genesis ist eine fragmentarisch erhaltene griechische Handschrift des Buches Genesis in Silbertinte auf purpurgefärbtem Pergament. Die 24 erhaltenen Seiten werden in das 6. Jahrhundert datiert und dem Entstehungsort Antiochia im heutigen Syrien zugeordnet. Die Wiener Genesis ist berühmt für ihren biblischen Buchmalereizyklus, der reichste aus der Übergangszeit zwischen Antike und Mittelalter. Die Korrosion der Silbertinte, die zu schweren Schäden am Pergament geführt hat, wurde schon 1664 bei der Eingliederung der Handschrift in die damalige Hofbibliothek beobachtet. Von 1895 bis 1975 lagerte man die 24 beidseitig beschriebenen Seiten einzeln zwischen Glasplatten. 1975 erfolgte eine Restaurierung der Handschrift, bei der Pergamentleim, der Essigsäure enthält, zum Einsatz kam. Die einzelnen Seiten werden seither zwischen Acrylglasplatten in der Österreichischen Nationalbibliothek aufbewahrt. Ziel des Projektes ist zu klären, ob die derzeitige Aufbewahrung, ein Risiko darstellt und wie durch Stabilisierung der Fehlstellen im Pergament und die Entwicklung eines neuen Montierungssystems die Erhaltung der Handschrift verbessert werden kann. Es gilt die optimalen Aufbewahrungsbedingungen zu finden, unter denen es zu keiner weiteren Korrosion der Silbertinte kommt. Eine eingehende Analyse des Pergaments, der Purpurfärbung, der Tinten und der Farben der Miniaturen ist die Grundlage für Entscheidungen zur bestmöglichen Konservierung der Wiener Genesis. Die dringend notwendige Stabilisierung von Fehlstellen im ungewöhnlich dünnen Pergament kann auf kürzlich an der Österreichischen Nationalbibliothek entwickelten Methoden aufbauen. Die Beantwortung der Frage, ob das Pergament mit Schneckenpurpur oder mit anderen organischen Farbstoffen gefärbt wurde, hat Konsequenzen für die Aufbewahrung der Handschrift. Von der antike Pergamentherstellung und der Purpurfärbung von Pergament sind keine schriftlichen Informationen überliefert. Die Untersuchung der Wiener Genesis kann darüber Aufschluss geben und helfen zu verstehen, wie Wissen und Technologie in der Übergangszeit von der Antike zum Mittelalter weitergegeben wurden. Die genaue Analyse der Farben bietet neue Einsichten in die Frage, wie viele Künstler an der Gestaltung der Miniaturen beteiligt waren und ob es zu späteren Überarbeitungen kam. Als eines der am besten erhaltenen Zeugnisse spätantiker Buchkunst ermöglichen Erkenntnisse zur Herstellung der Wiener Genesis Rückschlüsse auf antike, jüdische und frühchristliche Kulturgeschichte.

Die Wiener Genesis ist eine fragmentarisch erhaltene griechische Handschrift des Buches Genesis in Silbertinte auf purpurgefärbtem Pergament. Die 24 erhaltenen Seiten werden in das 6. Jahrhundert datiert und sind vermutlich im Nahen Osten entstanden. Die Wiener Genesis ist berühmt für ihren biblischen Buchmalereizyklus aus der Übergangszeit zwischen Antike und Mittelalter. Die Korrosion der Silbertinte, die zu schweren Schäden am Pergament geführt hat, wurde schon 1664 bei der Eingliederung der Handschrift in die damalige Hofbibliothek beobachtet. Von 1895 bis 1975 lagerte man die 24 beidseitig beschriebenen Seiten einzeln zwischen Glasplatten. 1975 erfolgte eine Restaurierung der Handschrift, bei der Pergamentleim, der Essigsäure enthält, zum Einsatz kam. Die einzelnen Seiten wurden seither zwischen Acrylglasplatten in der Österreichischen Nationalbibliothek aufbewahrt. Einer neuerlichen Konservierung der Handschrift ging eine Untersuchung der Materialien und der Herstellungsweise voraus. Die Anfertigung von Pergament in der Spätantike konnte rekonstruierte werden. Der Purpurfarbstoff des Pergaments, ein sehr lichtempfindlicher Flechtenfarbstoff, wurde identifiziert. Schneckenpurpur konnte eindeutig ausgeschlossen werden. Die Silbertinte besteht aus Silber und enthält als Nebenbestandteil Kupfer. Durch die Verwendung von Salz bei der Herstellung der Tinte sowie durch die äußere Einwirkung von salzhaltigen Substanzen, wie feuchter Meeresluft, wurde das Silber zu Silberchlorid korrodiert. Dies führte auf dem dünnen Pergament zu den schweren Schäden und Verlusten im Text. Die erstmalige Identifizierung der verwendeten Pigmente ermöglichte es die Paletten von sieben verschiedenen Malern der 48 Miniaturen zu unterscheiden. Auf Basis der Materialanalyse konnte ein neues Konzept für Konservierung und Aufbewahrung der bedeutenden Handschrift entwickelt werden. Die fragile Tinte wurde mit beschichteten Japanpapierbrücken lokal stabilisiert. Die Farbschichten der Miniaturen mussten stellenweise gefestigt werden. Die Aufbewahrung in Mappen aus Japanpapier und in versenkten Passepartouts bei kontrolliertem Klima gewährleistet den langfristigen Erhalt der Wiener Genesis. Materialanalyse und die Rekonstruktion der Herstellung erweiterten das Wissen um die Buchkunst in der Spätantike.

Forschungsstätte(n)
  • KHM-Museumsverband - 5%
  • Österreichische Nationalbibliothek - 95%
Nationale Projektbeteiligte
  • Martina Griesser, KHM-Museumsverband , assoziierte:r Forschungspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Jiri Vnoucek, The Royal Library - Dänemark
  • Matthew James Collins, University of Copenhagen - Dänemark
  • Maurizio Aceto, University of Piemonte Orientale - Italien
  • Maria Joao Seixas De Melo, New University of Lisbon - Portugal
  • Abigali Quandt, The Wolters Art Museum - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 36 Zitationen
  • 3 Publikationen
  • 1 Künstlerischer Output
  • 6 Disseminationen
Publikationen
  • 2019
    Titel Towards the identification of the lichen species in historical orchil dyes by HPLC-MS/MS
    DOI 10.1016/j.microc.2019.104140
    Typ Journal Article
    Autor Calà E
    Journal Microchemical Journal
    Seiten 104140
  • 2019
    Titel Mythic dyes or mythic colour? New insight into the use of purple dyes on codices
    DOI 10.1016/j.saa.2019.01.091
    Typ Journal Article
    Autor Aceto M
    Journal Spectrochimica Acta Part A: Molecular and Biomolecular Spectroscopy
    Seiten 133-141
  • 2022
    Titel The Vienna Genesis: An Example of Late Antique Purple Parchment
    DOI 10.1515/res-2021-0019
    Typ Journal Article
    Autor Hofmann C
    Journal Restaurator. International Journal for the Preservation of Library and Archival Material
    Seiten 3-33
    Link Publikation
Künstlerischer Output
  • 2018
    Titel Re-creation of artistic techniques used in Late Antiquity
    Typ Artefact (including digital)
Disseminationen
  • 2017
    Titel Research conferences of Austrian National Library and Kunsthistorisches Museum Wien
    Typ A talk or presentation
  • 2019
    Titel Talk at the Interim Meeting of the ICOM-CC Working Group Graphic Documents
    Typ A talk or presentation
  • 2018
    Titel Presentations at the pavilion on heritage science at the Be Open - Science and Society Festival of the FWF
    Typ Participation in an open day or visit at my research institution
  • 2017
    Titel Articles in the research section of two daily newspapers
    Typ A magazine, newsletter or online publication
  • 2017
    Titel Working group meeting with partners, experts and guests
    Typ A formal working group, expert panel or dialogue
  • 2016
    Titel Tours at the Institute of Conservation of the Austrian National Library
    Typ Participation in an open day or visit at my research institution

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