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Illuminierte Handschriften aus Italien, Frankreich, Böhmen

Illuminated Manuscripts from Italy, France, Bohemia, Moravia

Christine Beier (ORCID: 0000-0001-5404-1025)
  • Grant-DOI 10.55776/P28767
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2016
  • Projektende 31.12.2020
  • Bewilligungssumme 128.558 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (10%); Kunstwissenschaften (80%)

Keywords

    Manuscript Illumination in the 14th Century, Medieval Art in Austria, Manuscript Illumination in Italy and France, Manuscript Illumination in Bohemia and Moravia, The medieval Book

Abstract Endbericht

Der Wissens- und Kulturtransfer im Mittelalter, sein Anteil am Entstehen des modernen Europa, an dessen wissenschaftlich-technischem Aufschwung und an der Ausbildung von kultureller Identität und Diversität ist ein aktuelles Thema in den Humanwissenschaften. Wichtige Träger der Informationsvermittlung waren Bücher, mit deren Hilfe komplexe Inhalte über weite Distanzen transportiert und, dank der fast durchgängigen Verwendung von Latein, europaweit verstanden werden konnten. Das Projekt ist zwei Gruppen von illuminierten Handschriften des 14. Jahrhunderts in der Universitätsbibliothek Graz gewidmet, die einen Eindruck von der materiellen Seite dieses Transfer vermitteln können: Die eine setzt sich aus Büchern zusammen, die in Italien, Frankreich, Böhmen und Mähren entstanden sind und über verschiedene Klöster der Steiermark und Kärntens nach Graz gelangten. Bei der zweiten Gruppe handelt es sich um vor Ort hergestellte Handschriften, die im Stil der importierten Bücher ausgestattet wurden. Beide Gruppen sollen nach dem Schema erschlossen werden, das für die Katalogisierung der illuminierten Handschriften in Österreich üblich ist: Die physischen Merkmale und der Inhalt werden beschrieben, wobei der künstlerischen Ausstattung und ihrer Platzierung im Text besondere Aufmerksamkeit gilt. Im Abschnitt "Stil und Einordnung" wird vor allem mit Hilfe des kunsthistorischen Vergleichs ein wissenschaftlich begründeter Vorschlag für Entstehungsort und -zeit gemacht. Für eine besseres Verständnis der stilistischen Tendenzen in der Buchmalerei dieser Zeit und der Position der Grazer Handschriften in dieser Entwicklung soll auch danach gefragt werden, wann diese Bücher importiert wurden und welche Auswirkungen sie auf die einheimische Buchmalerei hatten. Neben der allgegenwärtigen Übernahme einzelner Motive und bestimmter Strukturen der Ornamentsysteme, die an sich schon einen permanenten Austausch belegt, zeigt die zweite Gruppe der untersuchten Handschriften, dass lokale Künstler sich bemühten, das fremde Ausstattungssystem in seiner Gesamtheit nachzuahmen. Es ist zu fragen, ob sich die Maler an Arbeiten aus bestimmten Regionen orientierten, ob es eine zeitliche Korrelation zu den Importen gibt und ob für bestimmte Texte oder Textgattungen derartige Übernahmen besonders häufig nachzuweisen sind. Ziel des Projektes ist es unter anderem, mit Hilfe von Handschriften, deren Herkunft und Geschichte mit kunsthistorischen Methoden gut zu eruieren ist, Modelle zu schaffen, die einen Eindruck von den überregionalen Verflechtungen in der Buchkultur des 14. Jahrhunderts vermitteln. Auf diese Weise kann eine Grundlage für weitere, auch nicht-kunsthistorische Untersuchungen geschaffen werden, die sich mit dem Buch als Medium für den Transfer kultureller Entwicklungen, wissenschaftlicher Erkenntnisse oder religiöser Vorstellungen im mittelalterlichen Europa befassen.

Der Wissens- und Kulturtransfer im Mittelalter und sein Anteil am Entstehen des modernen Europa ist ein aktuelles Thema in den Humanwissenschaften. Das Projekt hat sich zwei kaum oder gar nicht bekannten Gruppen illuminierter Handschriften des 14. Jahrhunderts in der Universitätsbibliothek Graz gewidmet, die für eine Untersuchung der materiellen Seite des Phänomens geeignet erscheinen: Bei der einen handelt es sich um Bücher aus Klosterbibliotheken der Steiermark und Kärntens, die in Italien, Frankreich, Böhmen und Mähren hergestellt wurden. Die zweite Gruppe besteht aus Handschriften, die in Österreich entstanden sind und für deren buchmalerische Ausstattung man Elemente der importierten Werke aufgriff. Für die erste Gruppe wurde danach gefragt, wo, wann und für wen sie angefertigt wurden, wann sie in die jeweilige Klosterbibliothek gelangten und ob sich eine inhaltliche Gewichtung erkennen lässt. Es ging darum, etwas über das Profil des mit diesen Büchern verbundenen Transfers zu erfahren. Für die zweite Gruppe lag der Fokus auf der Feststellung von Zeitraum und Charakter der Übernahmen und auf der Frage, ob diese im Zusammenhang mit bestimmten Textgattungen besonders häufig anzutreffen sind. Auf der Grundlage genauerer Datierungen und Herkunftsbestimmungen wurde festgestellt, dass der Import aus Italien (überwiegend juristische Texte) und Frankreich (theologische Texte) seinen Höhepunkt zu Beginn des Jahrhunderts erreichte und dass die Bücher in der Regel zumindest bis in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts in Privatbesitz verblieben. Die Beispiele mit böhmischer oder mährischer Ausstattung hingegen waren vor allem für Liturgie und Andacht bestimmt und entstanden mehrheitlich im zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts. Diese stärker regional ausgerichteten Texte gelangten auf unterschiedlichen Wegen in die Steiermark und nach Kärnten, und es tauchten Hinweise auf, dass zumindest einige keine Importe sind, sondern von wandernden Künstlern vor Ort angefertigt wurden. Das Auftreten von Buchmalereien, für die Ausstattungsideen der importierten Handschriften verarbeitet wurden, fällt mit dem Höhepunkt des Importes zusammen, und Niederösterreich konnte, soweit es den Grazer Bestand betrifft, als produktivste Region für die Integration von künstlerischen Ideen aus unterschiedlichen Ländern festgestellt werden. Die Erkenntnisse zu den Zusammenhängen der stilistischen Entwicklung mit Blick auf den überregionalen Transfer haben zu einer Verbesserung der Methoden und Möglichkeiten bei der Einschätzung, Datierung und Lokalisierung von Buchmalereien im 14. Jahrhundert beigetragen. Dies hat seinen Niederschlag im Katalog der illuminierten Handschriften des 14. Jahrhunderts in der Universitätsbibliothek Graz gefunden, der in Druckvorbereitung ist und die wichtigste Publikation der Projektergebnisse sein wird. Er enthält neben der stilistischen Einordnung auch Informationen zu Kodikologie, Inhalt, Provenienz sowie Umfang und Platzierung des Buchschmuckes für jede der Handschriften. Mit der Erschließung von bisher kaum oder gar nicht kunsthistorisch erfassten Objekten wurde ein Beitrag für eine bessere Einschätzung ihres historischen und gesellschaftlichen Wertes geleistet und eine solide Grundlage für weitere Forschungen geschaffen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

Research Output

  • 3 Publikationen
Publikationen
  • 2024
    Titel Illuminierte Handschriften aus Italien in Kärnten
    DOI 10.57088/978-3-7329-8991-1_4
    Typ Book Chapter
    Autor Dieberger S
    Verlag Frank & Timme
    Seiten 123-177
  • 2022
    Titel Fleuronnée von Jaquet Maci, ein Autorenbild im Pucelle-Stil und die mitteleuropäische Konkurrenz für Pariser Buchausstatter in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts
    Typ Journal Article
    Autor Beier
    Journal Codices Manuscripti & Impressi
    Seiten 1-12
  • 2020
    Titel Encounters in Books. Superregional Collaboration in Illuminated Manuscripts Around 1300
    DOI 10.7767/9783205211938.93
    Typ Book Chapter
    Autor Schuller-Juckes M
    Verlag Brill Osterreich
    Seiten 93-116
    Link Publikation

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