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Vermittler zwischen einem polyzentrischen Reich und globalen Märkten, 1713-1815

Connectors between a Polycentric Empire and Global Markets, 1713-1815

Klemens Kaps (ORCID: 0000-0002-0321-3891)
  • Grant-DOI 10.55776/P28612
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2016
  • Projektende 31.03.2023
  • Bewilligungssumme 233.656 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (100%)

Keywords

    Merchants, Trade, Networks, Habsburg Empire, Mediterranean, 18th century

Abstract Endbericht

Das Projekt untersucht die Einbindung Zentraleuropas unter habsburgischer Herrschaft in den globalen Handel zwischen dem Ende des Spanischen Erbfolgekriegs (1713) und dem Wiener Kongress (1815). Dieser Zeitraum brachte einen weitreichenden sozialen und wirtschaftlichen Wandel, beispielsweise die Ausweitung proto-industrieller Textilproduktion in den österreichischen und böhmischen Ländern und Rationalisierungsmaßnahmen in der Landwirtschaft. Diese Entwicklungen sind vom Warenaustausch nicht zu trennen. Dieser wurde bislang insbesondere anhand der Binnenmärkte untersucht, während der internationale Handel am Rande berücksichtigt wurde. Dieses Projekt nimmt die Verbindung zwischen Binnen- und Außenhandel in den Blick und erforscht Händler und ihre Netzwerke, die in den Mittelmeerhäfen Triest und Genua aktiv waren und als Vermittler zwischen den Handelszentren in der Habsburgermonarchie (wie Wien, Mailand, Bozen, Prag, Brody) und Märkten auf der iberischen Halbinsel, allen voran den Häfen Cdiz und Barcelona, agierten. Wesentlich waren dabei die politischen Veränderungen im Anschluss an den Spanischen und Polnischen Erbfolgekrieg: Die neu unter habsburgische Herrschaft gekommenen Territorien Lombardei, Flandern und Toskana verwandelten die Habsburgermonarchie in ein polyzentrisches Reich. Die Kaufleute dieser Gebiete agierten aufgrund ihrer starken Einbindung in den internationalen Handel als wichtige Vermittler für die Verbindung der habsburgischen Gebiete mit globalen Märkten. Ausgehend von diesem Rahmen werden drei Fragestellungen untersucht: An erster Stelle interessieren die Produkte, mit denen diese Kaufleute handelten und wie diese Netzwerke Detail- und Großhandel miteinander verknüpften und so die Warenvermittlung von lokalen und regionalen Marktplätzen bis hin zu globalen Märkten abwickelten. An zweiter Stelle wird die Zusammenarbeit in den polyzentrisch-habsburgischen Netzwerken von Flamen, Mailändern, Toskanern mit Österreichern untersucht. An dritter Stelle werden die Herausbildung österreichischen Handelskapitals und die Auswirkung dieser Händlernetzwerke auf den ökonomischen und sozialen Wandel untersucht, beispielsweise durch Kapitalakkumulation und Investitionen in die Protoindustrie. Das Projekt stützt sich auf Fallstudien von Kaufleuten in Triest und Genua. Dabei werden kulturell vielfältige Händlergruppen in Betracht gezogen, insbesondere jedoch Einwanderer aus Mailand, der Toskana und Flandern. An Quellen werden vorwiegend Notariatsakten in Triest, Genua und Wien herangezogen, die durch Gerichtsakten, Konsulatsberichte und Zollregister ergänzt werden. Die Informationen werden in einer Datenbank gesammelt und mittels der sozialen Netzwerkanalyse unter Verwendung der Programme Ucinet und GIS analysiert. Daneben werden Mechanismen von Kooperation und Vertrauen mittels qualitativer Methoden untersucht.

Das Projekt ging der Frage nach, inwiefern die Habsburgermonarchie in Globalisierungsprozesse in der Frühen Neuzeit eingebunden war und auf diese eingewirkt hat. Die traditionelle Sichtweise, wonach das habsburgisch regierte Zentraleuropa weitgehend vom maritimen Fernhandel, insbesondere im Atlantikraum, abgekoppelt war, wurde auf mehreren Ebenen widerlegt: Waren habsburgische Regionen bis zum frühen 18. Jahrhundert auf die Vermittlung durch Seehäfen wie Venedig, Danzig und Hamburg angewiesen, um Exporte auf globalen Märkten zu platzieren, so änderten die Verschiebungen der kommerziellen und politischen Geografie im Adriaraum sowie die neu entstehende Seehandelspolitik des Wiener Hofs nach dem Spanischen Erbfolgekrieg diese Konstellation allmählich. Spätestens ab der Jahrhundertmitte wurde die Hafenstadt Triest zu einem wichtigen Umschlagplatz für den Warenaustausch der habsburgisch-zentraleuropäischen Regionen mit spanisch-atlantischen Märkten. Bis zum Jahrhundertende nahm Triests Rolle im Direkthandel mit Spaniens Häfen zu, auch wenn die traditionellen Vermittlungskanäle, insbesondere über Genua, weiterhin Bedeutung behielten. Dieser Prozess zunehmend verdichteter Handelskontakte beruhte auf der Etablierung von Händlernetzwerken zwischen Triest und den spanischen Handelshäfen, vor allem mit der andalusischen Hafenstadt Cdiz, die bis Ende des 18. Jahrhunderts der dominante Knotenpunkt für den Handel mit Spaniens Kolonien war. Während vereinzelt Händler aus Triest und der unmittelbaren Umgebung nach Cdiz sowie auch in weitere Handelshäfen wie Barcelona, Mlaga oder Alicante auswanderten, so war es die Niederlassung von Kaufleuten aus Böhmen, Tirol und der habsburgisch regierten Lombardei weitaus umfangreicher und wichtiger für die Vernetzung des habsburgischen Zentraleuropas mit dem Spanischen Atlantik. Aus Cdiz entstanden Netzwerke mit Kaufleuten in den spanisch-amerikanischen Metropolen und Handelshäfen, wohin rechtlich nur spanische oder eingebürgerte Personen auswandern durften. Neben legal auswandernden Mailänder Händlern, nützten insbesondere böhmische, aber auch vereinzelte Triestiner Kaufleute Schlupflöcher, um sich in Spanisch-Amerika als Kaufleute niederzulassen. Diese Händlernetzwerke organisierten den Export der protoindustriellen Erzeugnisse aus dem habsburgisch regierten Zentraleuropa, unter denen Leinen, Stahl und Glas hervorstachen. Aber auch Rohstoffe wie Kupfer und Quecksilber wurden geliefert. In die Gegenrichtung versorgten dieselben Netzwerke die zentraleuropäischen Konsumenten mit Kolonialwaren, allen voran Zucker, Kaffee, Kakao und Tabak, aber auch den begehrten Farbstoffen. Durch den Handelsaustausch entstand somit ein komplexer Wirtschaftskreislauf, indem in überregionalen Güterketten protoindustrielle Produkte hergestellt wurden. Deren Export nach Hispanoamerika diente dort oft als Komponente in Produktionsprozessen der Plantagenökonomie (insbesondere das Leinen als Bekleidung afrikanischer Sklaven) sowie des Bergbaus (Werkzeuge). Die dadurch hergestellten Waren wurden nach Zentraleuropa zurückgesandt und waren Teil des Konsums in der Protoindustrie engagierten Haushalte. Händler und ihre Netzwerke agierten daher als Koordinatoren dieser Arbeitsteilung. Die Händlernetzwerke beruhten stark auf familiären Zusammenhängen, welche die Informationsgewinnung sowie die Akkumulation von Kapital erleichterte. Für letztere spielte auch die Mitgift von Ehefrauen eine entscheidende Rolle, wodurch auch Frauen in familiären Handelsunternehmen als Investorinnen, teilweise auch als eigenständige Händlerinnen eine bedeutende Rolle spielten. Dies lässt sich insbesondere bei Lombarden und Tirolern beobachten.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Linz - 100%

Research Output

  • 2 Zitationen
  • 14 Publikationen
  • 3 Disseminationen
  • 2 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 2023
    Titel Jesús Astigarraga. A Unifying Enlightenment. Institutions of Political Economy in Eighteenth-Century Spain (1700- 1808). Leiden, Boston, Brill, 2020, 321 pp.
    DOI 10.33231/j.ihe.2023.04.004
    Typ Journal Article
    Autor Kaps K
    Journal Investigaciones de Historia Económica
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Handelsverbindungen zwischen zentraleuropäischem Binnenmarkt, regionalem Warenaustausch und globalen Güterketten
    DOI 10.52035/noil.2021.19jh01.29
    Typ Book Chapter
    Autor Kaps K
    Verlag Niederosterreichisches Institut fur Landeskunde (NOIL)
    Seiten 713-742
  • 2020
    Titel A Gateway to the Spanish Atlantic?; In: Globalized Peripheries - Central Europe and the Atlantic World, 1680-1860
    DOI 10.2307/j.ctvxhrkbs.13
    Typ Book Chapter
    Verlag Boydell & Brewer
  • 2021
    Titel 8 Trade Connections between Eastern European Regions and the Spanish Atlantic during the Eighteenth Century
    DOI 10.1515/9783110680515-008
    Typ Book Chapter
    Autor Kaps K
    Verlag De Gruyter
    Seiten 217-258
  • 2022
    Titel Sixth European Congress on World and Global History - Double Panel: Mining and its Commodities as Wheels of the Early-Modern Global Economyonline, 18. Juni 2021 - Tagungsbericht
    Typ Journal Article
    Autor Kaps
    Journal Der Anschnitt
    Seiten 58-61
  • 2022
    Titel Mercados externos, diplomacia y redes de negocio en los suministros de armamento y avituallamiento de Europa central a la monarqua hispnica durante el siglo XVIII; In: Armamento y globalizacin en la Monarqua hispnica (siglos XVI-XVIII)
    Typ Book Chapter
    Autor Kaps
    Seiten 145-176
  • 2022
    Titel Vom Kaufmann zum Diplomaten? Selbstverständnis und Einflusssphären österreichischer Konsuln in italienischen Städten zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert; In: Das diplomatische Selbst in der Frühen Neuzeit
    Typ Book Chapter
    Autor Dotter
    Seiten 237-256
  • 2019
    Titel Conference Report: The Four Wings of Mercury
    DOI 10.7767/9783205209096.153
    Typ Book Chapter
    Autor Kaps K
    Verlag Brill Osterreich
    Seiten 153-166
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Cores and Peripheries Reconsidered: Economic Development, Trade and Cultural Images in the Eighteenth-Century Habsburg Monarchy
    Typ Journal Article
    Autor Kaps
    Journal Hungarian Historical Review
    Seiten 191-221
  • 2018
    Titel Connectors of a Poly-centric Empire: Merchants and Financiers as Integrative Force of the Habsburg Possessions in the 18th Century; In: Les Habsbourg en Europe. Circulations, échanges et regards croisés
    Typ Book Chapter
    Autor Kaps
    Seiten 281-291
  • 2017
    Titel Looking West: transnational merchant networks between Trieste and Barcelona, 1750-1820; In: Proceedings of the 4th Mediterranean Maritime History Network Conference. Barcelona, 7 - 9 May 2014
    Typ Book Chapter
    Autor Kaps
    Seiten 893-913
  • 2017
    Titel Redes de negociantes milaneses en la Monarqua hispnica entre el comercio trasatlntico y el mediterrneo, 1700-1815; In: Comercio, guerra y finanzas en una época en transicin (siglos XVII-XVIII)
    Typ Book Chapter
    Autor Kaps
    Verlag Castilla Ediciones
    Seiten 403-424
  • 2017
    Titel Mercantilism as private-public network: The Greppi Marliani company - a successful Habsburg Central European player in global trade (1769-1808); In: Mediterranean doubts. Trading Companies, Conflicts and Strategies in the Global Spaces
    Typ Book Chapter
    Autor Kaps
    Verlag New Digital Press
    Seiten 89-114
  • 2017
    Titel Zwischen Zentraleuropa und iberischem Atlantik: Mailänder Kaufleute in Cdiz im 18. Jahrhundert
    Typ Journal Article
    Autor Kaps
    Journal Annales Mercaturae
    Seiten 85-105
Disseminationen
  • 2017
    Titel Presentazione Eventi della mostra 'Maria Teresa e Trieste'", Magazzino delle Idee, Trieste. Lecture: Commercio, politica e scambi culturali: Mercanti tra Trieste e Spagna nel secolo XVIII
    Typ A talk or presentation
  • 2021
    Titel Science Holidays, Johannes Kepler Universität Linz. Workshop by Klemens Kaps: Süße Geschmäcker, exotische Düfte, leuchtende Farben
    Typ Participation in an open day or visit at my research institution
  • 2018
    Titel Wissenschaftliches Terzett: Globalisierung und Nationalismus in historischer Perspektive - organization by Klemens Kaps, participation as discussant
    Typ A talk or presentation
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2022
    Titel Österreichische Zeitschrift für Geschichtwissenschaft (ÖZG)
    Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2020
    Titel Zeitschrift für Weltgeschichte
    Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series
    Bekanntheitsgrad Continental/International

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