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Vom Vorbild zum Abbild

From Object to Icon

Peter Janosi (ORCID: 0000-0001-5923-3536)
  • Grant-DOI 10.55776/P25958
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 15.11.2013
  • Projektende 14.02.2018
  • Bewilligungssumme 534.668 €

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (5%); Informatik (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (75%)

Keywords

    Iconography, Art History, Archaeology, Informatics, Philology, Citizen Science

Abstract Endbericht

Das Bildprogramm der Grabanlagen des Mittleren Reiches (MR) in Ägypten (ca. 2055 1650 v. Chr.) bietet eine Fülle an Themen und Szenen, die aus zahlreichen "Objekten" aufgebaut sind: Gegenstände wie Kleidung, Schmuck, Möbel, Geräte und Werkzeuge. "Vom Vorbild zum Abbild" setzt sich zum Ziel, diese Artefakte in drei verschiedenen Herangehensweisen zu untersuchen. a) Die zweidimensionalen Abbildungen (Ikonen) sollen im Bezug zu ihren dreidimensionalen Vorbildern (Objekte) untersucht werden, die sie wiedergeben. D.h. welche Objekte wurden wie dargestellt. Diese Umsetzung ist bedeutsam, denn sie vermittelt dem Betrachter den Sinngehalt und das Wesen eines Objekts (z.B. eine bestimmte Truhenform) oder eines bestimmten Schrittes in einem Arbeitsprozess (Handwerk). Darüber hinaus soll untersucht werden ob, wie und wann Veränderungen in der materiellen Kultur in der zeitgenössischen Kunst reflektiert wurden. Waren bestimmte Objekte und ihre Darstellungen spezifisch für eine Region oder gab es allgemeingültige ikonografische Darstellungsweisen in ganz Ägypten? b) Da viele Szenen und Abbildungen von Texten begleitet werden, die eine Handlung erläutern oder ein Objekt benennen, sollen diese Bezeichnungen mit eingehender Sorgfalt untersucht werden. Um zu einem umfassenden Verständnis zu gelangen, wird es daher unerlässlich sein, die kunsthistorische und archäologische Forschungsfrage mit einer tief greifenden philologischen Aufarbeitung der Begleittexte zu ergänzen. Die Bezeichnungen sollen lexikologisch und morphologisch untersucht werden, um weiterführende Informationen über das Wesen eines Gegenstandes und seiner Eigenschaften zu erhalten. Die Auswertung, was den Ägyptern im Zusammenhang mit einem Gegenstand wichtig erschien in Worte zu fassen bzw. wie sich Abbildung und Text zueinander verhalten, wird bedeutsam sein für das Verständnis der altägyptischen Denkweise. c) Für die umfassende Zusammenstellung der Abbildungen wird das MEKETREpository, das im MEKETRE Projekt (Die Entwicklung von Bildinhalt und Bedeutung der Reliefs und Malereien in den Gräbern des Mittleren Reiches, FWF Projekt 21571-G21) erfolgreich entwickelt wurde, grundlegend ausgebaut, indem Crowdsourcing-Technologien wie Citizen Science, Game with a Purpose, angewandt werden. Dies erlaubt Forschern anderer Institutionen und interessierten Laien gleichermaßen anhand einfach zu nutzender Oberflächen trivial anmutende Aufgaben durchzuführen, die jedoch in Summe gesehen eine wertvolle Ergänzung der Datenbasis darstellen. Dazu gehören etwa das Hochladen von Bildern mit relevantem Inhalt, das Bereitstellen von Kommentaren oder das Einbringen von neuen Schlagwörtern in den Thesaurus. Um diese komplexen ägyptologischen wie informationstechnischen Forschungsfragen zu bearbeiten und die Ergebnisse der Öffentlichkeit bereitzustellen, bedarf es hoch qualifizierter Wissenschafter mit ausgezeichneter Reputation: Frau Lubica Hudkov und Herr Roman Gundacker (PostDocs) sowie Frau Andrea Kahlbacher (PraeDoc) erfüllen aufgrund ihrer Ausbildung und Kompetenz diese Anforderung in höchstem Maße, um den spezifischen archäologischen, kunsthistorischen und philologischen Fragestellungen auf internationalem Niveau nachzukommen. Herr Christian Mader (PraeDoc) bringt exzellente Voraussetzungen mit, um das bewährte MEKETREpository auszubauen, weiterzuentwickeln und allseits nutzbar zu machen sowie eigenständige Recherchen im Bereich von kollaborativ erstellten Web-Vokabularen vorzunehmen.

From Object to Icon war ein Gemeinschaftsprojekt des Instituts für Ägyptologie und der Fakultät für Informatik der Universität Wien. Das Bildprogramm der Grabanlagen des Mittleren Reiches in Ägypten (ca. 20551650 v. Chr.) liefert eine Fülle an Themen und Szenen, die aus zahlreichen Gegenständen aufgebaut sind. Das Forschungsziel war, verschiedene ausgewählte Gegenstände anhand ihrer zweidimensionalen Abbildungen (Ikonen) im Vergleich zu ihren dreidimensionalen Vorbildern (Objekte) zu untersuchen (welche Objekte wurden wie dargestellt?). Diese Umsetzung ist bedeutsam, denn sie vermittelt dem Betrachter den Sinngehalt und das Wesen eines Objekts. Dr. Lubica Hudkov und Uta Siffert, M.A., zwei hochqualifizierte Wissenschafterinnen, bestritten den ägyptologischen Teil des Projekts. Als Ergebnis Ihrer Untersuchungen und Analysen ist festzuhalten, dass eine kombinierte Betrachtungsweise von Bild, textlicher Bildbeschreibung (Nomenklatur) und archäologischem Material, das auch Modelle einschließt, mehr und detailliertere Aussagen zu einem Objekt, dessen Identifizierung und Verwendung erlaubt. So haben sich bei landwirtschaftlichen Prozessen, Gartenbau und Erntedarstellungen nicht nur ägyptologischerseits, sondern auch fachübergreifend aus archaeobotanischer Sicht neue Ergebnisse eingestellt. Ferner wurden regionalen Abweichungenin den Darstellungen und künstlerischen Gestaltungsmöglichkeiten hinsichtlich Flechtwerk bzw. Korbwaren Beachtung geschenkt. Auch die Untersuchung des Bereiches funerärer Darstellungen erbrachte neue Erkenntnisse in Bezug auf sich wandelnde Toten- und Jenseitsvorstellungen. Dr.Claus Jurmanhat dieNomenklatur (Objektbezeichnungenbzw. Arbeitsprozessbeschreibungen) zu den Abbildungen gesammelt sowie eingehend lexikologisch und morphologisch analysiert. Hierzu wurde eine komplexe relationale Datenbank entwickelt. Die Auswertungen erbrachten weiterführende Hinweise und Ergebnisse, wie die alten Ägypter die ihnen erfahrbare materielle Welt kategorisierten. Zudem lieferte es ein zusätzliches Instrumentarium zur genaueren Erfassung des Verhältnisses von Bildern (icons) und ihren Begleittexten. Peter Kalchgruber, M.A., hat im gesamten Projektzeitraum als IT-Experte die Bilddatenbank MEKETREpository (meketre.org) erfolgreich weiterentwickelt und ausgebaut sowie eigenständige Recherchen im Bereich der kollaborativ erstellten Web-Vokabularien durchgeführt. Während des Projektverlaufs ist MEKETREpository im Zentralen Informatik Dienst (ZID) der Universität angesiedelt worden und wird nunmehr dort professionell gewartet, um auch zukünftig den ungehinderten Betrieb und Zugriff zu gewährleisten. Crowdsourcing-Technologien wie Citizen Science und Game with a Purpose erwiesen sich hingegen trotz regen Zuspruchs als nicht wirklich zielführend. Neben den wissenschaftlichen Erkenntnissen dieses Forschungsvorhabens und der weltweit anerkannten Datenbank mit positiver Resonanz sind auch personelle Entwicklungen und Karrierechancen zu verzeichnen, die sich auf die Qualität der Forschung ausgewirkt haben. Hierzu zählt nicht zuletzt die positive Bescheidung eines neuen Projektes (P 31390-G25) seitens des FWF, das 2019 beginnen wird.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

Research Output

  • 1 Zitationen
  • 1 Publikationen
Publikationen
  • 2016
    Titel Gardening at Deir el-Bersha in the Middle Kingdom: a unique representation of Cucurbitaceae cultivation
    DOI 10.1553/aeundl26s313
    Typ Journal Article
    Autor Hudáková L
    Journal Ägypten und Levante
    Seiten 313-328
    Link Publikation

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