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"Bewegte" Bilder zu Habsburgs letztem Krieg

Moving Images of Habsburg´s Final War

Hannes Leidinger (ORCID: 0000-0002-2685-3824)
  • Grant-DOI 10.55776/P25685
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.11.2013
  • Projektende 28.02.2018
  • Bewilligungssumme 278.656 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (20%); Geschichte, Archäologie (80%)

Keywords

    Film History, Filmography, World War One, Cultures of recollection, Austria-Hungary, Austria and its successor states in comparison

Abstract Endbericht

Das Forschungsvorhaben möchte unter Berücksichtigung von allen verfügbaren, thematisch relevanten visuellen und kontextbezogenen schriftlichen Quellen die filmische Darstellung Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg untersuchen. Die Dokumentation, inhaltliche Erschließung und Analyse knüpfen diesbezüglich einerseits bei vorhandenen regionalen wie internationalen Forschungsergebnissen an, die angesichts der historischen Relevanz und Brisanz des Themas vergleichsweise überschaubar sind. Andererseits soll aber, abseits der rein ästhetisch ausgerichteten historiographischen Pfade, eine sozialwissenschaftlich gewendete und archivgestützte Medienwissenschaft praktisch umgesetzt werden: Die diskursiv aufgewerteten Filmquellen erlauben somit ein gänzlich neues Denken des Verhältnisses der Begriffstrias Film-Geschichte-Österreich. Innerhalb des gut beforschten Gebiets der filmischen Propaganda nimmt der Erste Weltkrieg aufgrund seiner medialen Neuorientierung und gleichzeitigen komplexen Quellenlage eine Sonderposition ein. Insbesondere die österreichischen und verwandten Filmquellen erlauben hier einen Zugang, der Film als eigengesetzliche Medienform versteht und untersucht, anhand derer wiederum Erinnerung diskursiviert und exemplifiziert werden kann. Das eingeschriebene zyklische Abhängigkeitsverhältnis von vereinbarter Wirklichkeit und politisch überformter Medialisierung macht es notwendig, fiktionale wie nicht-fiktionale Materialien zu berücksichtigen ein Umstand, dem das Projekt in vollem Ausmaß Rechnung trägt. Mit der erstmaligen Zugriffsmöglichkeit auf die dahingehend weltweit einzigartigen, heterogenen Bestände des Filmarchiv Austria können hier die besten Partner und die gewinnbringendsten Fragen im Rahmen einer konzentrierten Auseinandersetzung sinnvoll gebündelt werden. Über die sich ergebende, im Konzept detailliert beschriebene neue Typologie wird nicht nur ein innovativer Reflexionsraster des Materials aufgebaut. Vielmehr können dadurch auch partikulare Aspekte wie etwa die genuin österreichischen Elemente in der filmischen Verhandlung des Konflikts beschrieben und erschlossen werden. Neben Quellen aus dem Konfliktzeitraum 1914 bis 1918 werden auch themenrelevante Filmproduktionen nationaler und internationaler Provenienz nach 1918 entsprechend eines abgestimmten Fragenkatalogs bearbeitet werden. Die klaren Leitlinien der Untersuchung zielen dabei auf ein fakten- wie quellenorientiertes Forschen, das sich bewusst und vorsätzlich von einem neopositivistischen Quellenverständnis absetzt. Die in enger Abstimmung mit ausgewiesenen internationalen Kapazitäten durchgeführte Arbeit im Rahmen des in Wien ideal angesiedelten Forschungsprojekts wird dabei gleichermaßen weiterführende Implikationen für mehrere Fachdisziplinen zeitigen wie auch Impulse im Rahmen europäischer Forschungstrends etwa im Bereich der smart specialisation setzen.

Das Forschungsprojekt zielte darauf ab, den letzten Krieg der Donaumonarchie aus grundsätzlich zwei verschiedenen filmhistorischen Blickwinkeln zu betrachten. A. Unter dem Titel Visuelle Fronten. Film in Österreich-Ungarn 1914-1918 wird erstmals für das Habsburgerreich im 1. Weltkrieg eine ausführliche filmgeschichtliche Darstellung in deutscher Sprache auf einer bislang nicht gekannten Quellenbasis vorgelegt. Diese Arbeit, die nun für die Veröffentlichung vorbereitet wird, füllt eine große Forschungslücke und ist für künftige Untersuchungen eine unverzichtbare Grundlage: Eine rund 1.500 Produktionen verzeichnende Filmographie präsentiert Spielfilme, Aktualitäten, Kultur-, Kurz-, Animations- und Werbefilme, Propagandastreifen und Wochenschauausgaben aus den Studios in Wien, Prag, Budapest und Kolozsvr. Dabei wurden unerwartet viele Detailinformationen über die Filmteams,Studios,Vertriebsfirmen,Drehorte, Premieren, Inhalteund Zensurentscheidungen gesammelt. Diese Filmographie Die österreichisch-ungarische Produktion 1914-1918 bildete zugleich die Voraussetzung, um mit Hilfe von zahlreichen Schriftquellen - speziell Zeitungen, Fachmagazinen, Büchern und verfügbaren Archivalien - den Horizont zu erweitern. Konkret bedeutete das auch, die in der Donaumonarchie gezeigte internationale Produktion mit einzubeziehen, und zwar sowohl aus den neutralen und verbündeten Ländern als auch aus den Feindstaaten, deren Angebot in überraschend großer Zahl am österreichisch- ungarischen Markt präsent war. In einer quellennahen Darstellung werden schließlich verschiedene sach- und zeitspezifische Aspekte und Phänomene behandelt: Unter anderem die Haltung der (Militär-)Behörden, der Ausbau einer professionellen staatlichen Filmpropaganda, Strategien zur Verbreitung des Materials im In- und Ausland, in Front- und Okkupationsräumen, die Entwicklung der Kino- und Filmbranche in den einzelnen Gebieten bzw. Kronländern der Monarchie, Programmgestaltung, thematische Schwerpunkte, Publikumswünsche und -reaktionen sowie die Einordnung Österreich-Ungarns in einen internationalen Kontext bzw. in längerfristige Entwicklungen der Kino-Film-Geschichte. B. In einem zweiten Arbeitsschwerpunkt fassten der Projektleiter und seine österreichischen MitarbeiterInnen in enger Kooperation mit ExpertInnen aus den Nachbarländern bzw. Nachfolgestaaten des Habsburgerreiches die Zeit nach 1918 ins Auge. Im Zentrum der Betrachtung stand die Frage: Wie wurden in den jeweiligen nationalen Filmproduktionen die letzten Jahre der Donaumonarchie dargestellt? Die einzelnen Beiträge fokussieren bestimmte Filmproduktionen oder Epochen, bieten bisweilen aber auch historische Längsschnitte über die Zäsuren des 20. Jahrhunderts hinweg, mitunter bis in die Gegenwart. Der in Zusammenarbeit mit der Universität New Orleans entstandene, bereits erschienene englischsprachige Sammelband bettet dabei das betreffende Filmschaffen auch in unterschiedliche europäische Erinnerungskulturen seit dem Ende des Ersten Weltkrieges und der revolutionären Umbruchsphase von 1917/18 ein.

Forschungsstätte(n)
  • Filmarchiv Austria - 100%

Research Output

  • 3 Zitationen
  • 3 Publikationen
Publikationen
  • 2016
    Titel Der Erste Weltkrieg
    DOI 10.1007/978-3-658-11008-6_11
    Typ Book Chapter
    Autor Leidinger H
    Verlag Springer Nature
    Seiten 223-250
  • 2017
    Titel Die Italienfront im österreichischen Film 1915–1918
    DOI 10.7767/9783205208297.139
    Typ Book Chapter
    Autor Leidinger H
    Verlag Brill Osterreich
    Seiten 139-150
  • 2018
    Titel Habsburg's Last War
    DOI 10.2307/j.ctt22zmb1c
    Typ Book
    Verlag JSTOR
    Link Publikation

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