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Die Opernbibliothek von Kurfürst Maximilian Franz (1780-1794)

The Operatic Library of Elector Maximilian Franz (1780-1794)

Birgit Lodes (ORCID: 0000-0001-6064-1430)
  • Grant-DOI 10.55776/P25274
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2013
  • Projektende 30.06.2017
  • Bewilligungssumme 337.710 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (20%); Kunstwissenschaften (80%)

Keywords

    Beethoven, Cultural Transfer/Histoire Croisee, Music Library At Bonn Court, Maximilian Franz, Elector of Cologne, Opera, Modena

Abstract Endbericht

Mit diesem philologischen Projekt sollen musikdramatische Quellen, die ursprünglich im Besitz von Maximilian Franz (1756-1801), dem jüngsten Sohn der Habsburger Kaiserin Maria Theresia und dem letzten Kurfürsten von Köln, waren, identifiziert, in ihrer Herkunft bestimmt und analysiert werden, letzteres mit dem Ziel, konkrete Fragen zur Aufführungspraxis am Bonner Hof zu beantworten. Max Franz ist der Musikgeschichte insbesondere in zweifacher Hinsicht bekannt: als Verehrer von Wolfgang Amadeus Mozart und als erster Arbeitgeber von Ludwig van Beethoven. Diese, seine zweite Funktion soll der Fokus des beantragten Projektes sein, da das im Zeitraum von 1780-1794 in Bonn ganz besonders pulsierende musikalische Leben mit den prägenden Entwicklungsjahren des Komponisten zusammenfällt. Der Nutzen des Projekts geht gleichzeitig über die Beethovenforschung hinaus, da ein genaueres Bild des Musiklebens an diesem Hof ganz allgemein auch Rückschlüsse auf die Aufführungspraxis an kleineren deutschen Höfen zuließe. Außerdem stellen in diesem Zusammenhang sowohl die geographische Nähe von Bonn zu bedeutenden musikalischen Zentren wie Paris, Berlin und Mannheim als auch die politischen Verbindungen zu Wien eine ideale Fallstudie eines Kulturtransfers bzw. einer histoire croisée dar, was oft als Charakteristikum für die Internationalisierung des Musikstils dieser Zeit angesehen wird. Die Voraussetzungen für eine Vertiefung unserer Kenntnis der musikalischen Praxis am Hofe des Kurfürsten Max Franz sind derzeit besser denn je: Sieghard Brandenburg und Juliane Riepe haben einige der Quellen in Modena aufgefunden, wobei eine Detailstudie zu diesen Quellen noch aussteht. Sie ist wahrhaft ein Desideratum: Dieser Zeitraum zählt zu einer der größten biographischen Lücken in der Beethovenforschung. Somit würde ein genaueres Bild des damaligen musikalischen Lebens in Bonn einen notwendigen ersten Schritt in Richtung einer modernen Neubewertung von Beethovens frühesten musikalischen Erfahrungen bedeuten. Darüber hinaus war der Hof von Kurfürst Max Franz Heimstätte zahlreicher herausragender Musikerpersönlichkeiten, deren Biographien auch aus den Ergebnissen des vorliegenden Projektes ergänzt werden könnten: u.a. Christian Gottlob Neefe, Andrea Lucchesi, Nicholas Simrock und Anton Reicha. In der ersten Projektphase sollen die Quellen in Modena systematisch erfasst und klar aufbereitet in Art und Umfang der Öffentlichkeit in Form einer Open-Access-Datenbank zugänglich gemacht werden. Nach Abschluß dieses Schrittes zielt eine zweite Phase insbesondere darauf, weitergehende Fragen zur Aufführungspraxis von Opern am Kurfürstenhof zu thematisieren: unter anderem die musikalischen Möglichkeiten der Bonner Hofkapelle zu analysieren, Informationen zur Bearbeitungspraxis bzw. zu Einlagearien am Hof zu sammeln und zu interpretieren sowie die Frage nach der Aufführungssprache der Opern zu klären. Außerdem besteht die Hoffnung, dass nach Abschluß der Arbeiten der ersten Phase weitere der sicherlich quer durch Europa verstreuten Bonner Quellen (die sich mutmaßlich unter anderem auch in Wien oder im Nachlaß von Christian Gottlob Neefe befinden) identifiziert werden können.

Erzherzog und Kurfürst Maximilian Franz von Habsburg-Lothringen (17561801) genoss den Ruf eines anspruchsvollen Musikmäzens mit einer umfangreichen Musikaliensammlung, die er sowohl für Aufführungen am Hof als auch für den Gebrauch durch seine Hofmusiker zugänglich machte. In der Musikgeschichte kennt man Maximilian vor allem als ersten Arbeitgeber und Förderer von Ludwig van Beethoven: Seine Regierungszeit umfasste eine Periode pulsierenden Musiklebens am Bonner Hof, was wiederum zusammenfällt mit Beethovens prägenden Dienstjahren als Mitglied der Hofmusik. Kurz vor der Besetzung Bonns durch französische Truppen wurde die Musikbibliothek des Kurfürsten mit mehr als 3.500 Werken im Jahr 1794 in Sicherheit gebracht. Nach Maximilians Tod wurden die verbliebenen Reste der Sammlung im 19. Jahrhundert aufgrund dynastischer Beziehungen nach Modena überstellt, wo sie noch heute in der Biblioteca Estense Universitaria aufbewahrt werden. Die Provenienz dieser Quellen war bis vor kurzem niemals systematisch geprüft oder untersucht worden. Die zentrale Aufgabe des Projekts war es, zunächst die erhaltenen musikdramatischen Notenbestände der kurfürstlichen Sammlung aufgrund kodikologischer Merkmale zu identifizieren. Dadurch konnten nicht nur große Teile der Bibliothek rekonstruiert und zahlreiche Handschriften Bonner Provenienz zugeordnet, sondern ebenso Erkenntnisse über Bearbeitungs- und Aufführungspraxis von Oper in Bonn gewonnen werden. Darüber hinaus widmete sich das Projekt weiterführenden Fragen, etwa nach der Entstehung der Sammlung, nach den in diesem Prozess relevanten Personen, nach der Bedeutung des Kurfürsten im Wiener und Bonner Musikleben, sowie generell nach der institutionellen Entwicklung des Bonner Hoftheaters und seiner Kontextualisierung. Dadurch konnte ein abgerundetes Gesamtbild des Opernlebens in Bonn im späten 18. Jahrhundert erbarbeitet werden. Sowohl hinsichtlich der Materialerschließung als auch der wissenschaftlichen Methodik konnten außerdem Grundlagen geschaffen werden, auf denen eine umfassende Erschließung der kirchenmusikalischen Bestände der kurfürstlichen Sammlung im Rahmen eines Folgeprojekt (Die Kirchenmusikbibliothek von Kurfürst Maximilian Franz, P28895) möglich wurde.Einen Überblick über die Ergebnisse des Projekts gibt die Website: http://www.univie.ac.at/operaticlibrary. Dort ist auch eine Quellen-/Aufführungsdatenbank recherchierbar. Außerdem werden mehrere Bände in der eigens gegründeten Reihe Musik am Bonner kurfürstlichen Hof beim Beethoven-Haus Verlag (Bonn) erscheinen: The Operatic Library of Elector Maximilian Franz. Reconstruction, Catalogue, Contexts wird einen ausführlichen Quellenkatalog und weiterführende Beiträge zur Kontextualisierung des Materials umfassen. Weiter werden in der Reihe ein Sammelband zu einer internationalen Tagung, die in Verbindung mit dem Beethoven-Haus im Dezember 2015 veranstaltet wurde, sowie die im Rahmen des Projekts verfertigte Dissertation von Elisabeth Reisinger veröffentlicht.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

Research Output

  • 18 Zitationen
  • 7 Publikationen
Publikationen
  • 2015
    Titel 'Wer ist ein freier Mann?' C Major as the Sublime Tabula Rasa, and its Shifting Meaning for Beethoven.
    Typ Book Chapter
    Autor Beethoven 6 Studien Und Interpretationen
  • 2013
    Titel Of Hunting, Horns, and Heroes: A Brief History of E? Major before the Eroica
    DOI 10.1080/01411896.2013.792037
    Typ Journal Article
    Autor Wilson J
    Journal Journal of Musicological Research
    Seiten 163-182
  • 2015
    Titel Beethoven, D minor, and Ombra: From Operatic Tradition to Instrumental Topos.
    Typ Book Chapter
    Autor Beethoven 6 Studien Und Interpretationen
  • 2015
    Titel Das Bonner Opernleben zur Zeit des jungen Beethoven / Operatic Lige in Bonn during Beethoven's Youth (Begleitpublikationen zu Ausstellungen 24).
    Typ Other
    Autor Wilson Jd
  • 2018
    Titel The Operatic Library of Elector Maximilian Franz: Reconstruction, Catalogue, Contexts
    Typ Book
    Autor Reisinger E
    Verlag Beethoven-Haus
  • 2018
    Titel Beethoven und andere Hofmusiker seiner Generation Bericht über den internationalen musikwissenschaftlichen Kongress Bonn, 3. bis 6. Dezember 2015
    Typ Book
    Autor Lodes B
    editors Lodes B, Reisinger E, WIlson JD
    Verlag Beethoven-Haus Bonn
    Link Publikation
  • 0
    Titel The Operatic Library of Elector Maximilian Franz.
    Typ Other
    Autor Reisinger E

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