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Schloss Kleßheim als "Gästehaus des Führers" 1938-1945

Klessheim Castle as "The Fuehrer´s Guesthouse" 1838-1945

Imma Walderdorff (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P25211
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.04.2013
  • Projektende 31.03.2016
  • Bewilligungssumme 190.596 €

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (5%); Geschichte, Archäologie (15%); Kunstwissenschaften (80%)

Keywords

    Castle Klessheim, National socialistic Art Market, Adolf Hitlers Guesthouse, Provenance and looted art research, National socialistic aesthtic, Restitution

Abstract Endbericht

Schloss Kleßheim wurde auf Wunsch Adolf Hitlers 1940 durch extensive Umbaumaßnahmen und eine dem nationalsozialistischen Stil entsprechende Ausstattung einer neuen Funktion als "Gästehaus des Führers" zugeführt. Trotz der schier unermesslichen Fülle an Dokumentationsmaterialien wurden Bau und Ausstattung, Funktion und kulturpolitische Bedeutung dieses für die NS-Zeit durch seine Sonderstellung herausragenden Schlosskomplexes bis heute nicht wissenschaftlichen bearbeitet. Daraus leitet sich die Gliederung des Forschungsprojektes in zwei Teilbereiche ab: 1) Rekonstruktion der Umbauten des von J. B. Fischer von Erlach als Jagdschloss entworfenen Kulturjuwels, sowie Rekonstruktion der Gesamteinrichtung (zeitgenössische Ausstattung bzw. Antiquitäten) mit Hauptaugenmerk auf die Kriegsankäufe aus dem "internationalen" Kunsthandel und der Einbindung von Objekten aus Wiener Museumsbeständen. 2) Analyse des Stellenwerts von Schloss Kleßheim im Kontext der Repräsentationsbauten der NS-Politspitze, wobei neben den für Hitler errichteten Regierungsbauten in Berlin und München bzw. des in unmittelbarer Nähe zu Kleßheim gelegenen Obersalzbergs, insbesondere die Bau- und Sammeltätigkeit Hermann Görings sowie die der Gauleitung in Salzburg und Wien im Fokus stehen werden. Hitlers Intentionen, das prunkvolle Ambiente des Barockschlosses Kleßheim als Repräsentationsbau zum Empfang seiner Staatsgäste zu nutzen, entsprach die Immobilie in geradezu idealer Weise. Abgesehen von dem Fakt, dass der barocke Stil nicht den persönlichen Geschmack Hitlers traf, entsprach das Areal allen infrastrukturellen Strukturen. Als ersten Staatsgast empfing Hitler 1942 Benito Mussolini. Von besonderem Interesse ist, ob sich neben jenen Geschmacks-Kriterien, die dem Zeitgeist geschuldet sind bei einem Vergleich mit Mussolinis Repräsentationsbauten persönliche stilistische Vorlieben der beiden Diktatoren einander gegenüberstellen lassen und/oder ob sich Hitler von seinen Besuchen bei Mussolini in Italien inspirieren ließ bzw. in Konkurrenz zu letzterem agierte. Ziel des Forschungsprojektes ist es, durch eine fundamentale Quellenbearbeitung erstmalig Funktion und Nutzung von Schloss Kleßheim während der NS-Zeit umfassend zu dokumentieren. Die kunsthistorische und historische Grundlagenforschung ermöglicht in weiterer Folge eine qualitative Bewertung des Schlosses als bedeutenden NS- Repräsentationsbau im internationalen Kontext durchzuführen. Die vorliegende Forschung stellt eine Grundlagenforschung zur nationalsozialistischen Ästhetik dar. Ein wesentlicher Aspekt des Projektes stellt die Recherche zu den für Kleßheim getätigten Kunstankäufen der NS-Zeit dar; damit leistet das Projekt in Hinblick auf den NS-Kunstraub einen wesentlichen Beitrag zum Desiderat einer Untersuchung des Netzwerks österreichischer Kunsthändler während der Zeit des NS-Regimes anhand der Gesamtausstattung eines bis dato vollkommen unbearbeiteten NS-Repräsentationsbaus.

Schloss Kleßheim wurde auf Wunsch Adolf Hitlers 1940 durch extensive Umbaumaßnahmen und eine dem nationalsozialistischen (NS) Stil entsprechende Ausstattung einer neuen Funktion als Gästehaus des Führers zugeführt. Aus einer schier unermesslichen Fülle an Dokumentationsmaterialien wurden Bau und Ausstattung, Funktion und kulturpolitische Bedeutung dieses für die NS-Zeit durch seine Sonderstellung herausragenden Schlosskomplexes erstmals wissenschaftlichen bearbeitet. Daraus leitet sich die Gliederung der 2017 erscheinenden Publikation in zwei Teilbereiche ab:1) Rekonstruktion der Umbauten des von J. B. Fischer von Erlach als Jagdschloss entworfenen Kulturjuwels, sowie Rekonstruktion der Gesamteinrichtung (zeitgenössische Ausstattung und Antiquitäten) mit Hauptaugenmerk auf die Provenienzforschung der Kriegsankäufe aus dem internationalen Kunsthandel und der Einbindung von Objekten aus Wiener Museumsbeständen.2) Analyse des Stellenwerts von Schloss Kleßheim im Kontext der Repräsentationsbauten der NS-Politspitze, wobei neben den für Hitler errichteten Regierungsbauten in Berlin und München bzw. des in unmittelbarer Nähe zu Kleßheim gelegenen Obersalzbergs, insbesondere die Bau- und Sammeltätigkeit Hermann Görings sowie die der Gauleitung in Salzburg im Fokus standen. Verglichen wird der Bau zudem mit den Bauten der politischen Elite in Europa.Es konnte nachgewiesen werden, dass Adolf Hitler auch in Kriegszeiten keine Kosten scheute, das Schloss Kleßheim um- und auszubauen und prunkvoll auszustatten, das Bauvorhaben war als kriegswichtig mit der Dringlichkeitsstufe I eingestuft. Ein wesentlicher Aspekt des Projektes war die Recherche zu den für Kleßheim getätigten Kunstankäufen der NS-Zeit. Die Ausstattung lieferte nicht ausschließlich, wie zu Beginn des Projekts angenommen, der Salzburger Kunsthändler Friedrich Welz (19031980), sondern ein Berliner Unternehmer namens Arthur Heinrich Kreiser (18891958), der bis dato in der Provenienzforschung vollkommen unbekannt war. Insgesamt konnten in den Beständen des Landes Salzburg 19 Gemälde als Kriegsankäufe identifiziert werden, 18 von Arthur H. Kreiser und eines von Friedrich Welz. Damit leistet das Projekt in Hinblick auf den NS-Kunstraub und -handel einen wesentlichen Beitrag zur Provenienzforschung.Ein weiteres Ziel des Forschungsprojektes war es, durch eine fundamentale Quellenbearbeitung erstmalig Funktion und Nutzung von Schloss Kleßheim während der NS-Zeit umfassend zu dokumentieren. Die kunsthistorische und historische Grundlagenforschung ermöglichte in Folge eine qualitative Bewertung des Schlosses als bedeutenden NS-Repräsentationsbau im internationalen Kontext durchzuführen und stieß bereits während der Bearbeitung auf reges wissenschaftliches und nicht wissenschaftliches Interesse und leistet somit einen bedeutenden Beitrag zur Ästhetik in der NS Zeit.

Forschungsstätte(n)
  • Bundesland Niederösterreich - 100%

Research Output

  • 3 Publikationen
Publikationen
  • 2015
    Titel Schloss Kleßheim als "Gästehaus des Führers" 1938-1945: Vom Barockschloss zum NS-Repräsentationssitz.
    Typ Journal Article
    Autor Walderdorff I
    Journal Kunstchronik
  • 2015
    Titel Verschollene Miniaturen aus der Czerninschen Gemäldegalerie; In: Bergung von Kulturgut im Nationalsozialismus - Mythen - Hintergründe - Auswirkungen
    DOI 10.7767/9783205201564-019
    Typ Book Chapter
    Verlag Böhlau Verlag
  • 2015
    Titel Czernin Verzeichnis der Gemälde.
    Typ Book
    Autor Juffinger R

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