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Welche Struktur, wessen Tugend? Realistische Prämissen von Menschen und Macht

Which Structure, Whose Virtue? Realism´s Premises on Men and Power

Jodok Troy (ORCID: 0000-0002-9755-8144)
  • Grant-DOI 10.55776/P25198
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.02.2013
  • Projektende 31.07.2016
  • Bewilligungssumme 218.967 €

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Sozialwissenschaften (10%); Philosophie, Ethik, Religion (10%); Politikwissenschaften (80%)

Keywords

    Political Science, International Relations, Ethics, Religion, Power, History

Abstract Endbericht

Welche Struktur und welche Tugenden sind relevant in den Internationalen Beziehungen? Das ist eine Frage, die meist zugunsten des ersteren beantwortet wird: es sind die strukturellen Faktoren (z.B. die Anarchie des internationalen Systems, verschiedene Akteure etc.) die internationale Politik beeinflussen, werden die meisten Soziwalwissenschaftler/innen antworten. Es gibt aber auch gute Gründe Alternativen in Betracht zu ziehen: es sind auch die Tugenden von Staatsmännern- und Frauen, die relationale Natur menschlicher Gebarung und normative Rahmen, die Struktur definieren. Klassischer Realismus basiert nicht auf der Hobbes`schen Tradition von Macht als ein Mittel der Selbsterhaltung. Für Hans Morgenthau etwa, ist Macht eine psychologische Verfassung, die auf intersubjektiven Beziehungen beruht. Realismus betont daher auch die Bedeutung der Stellung von Menschen unter seinen Mitmenschen. Dieses Projekt argumentiert für eine Vertiefung der Diskussion zwischen dem Französischen Philosophen, Anthropologen, Literaturwissenschaftler und Vordenker der Mimetischen Theorie René Girard und der Tradition des Realismus, wie sie sich im 20. Jahrhundert entwickelt hat. Girards Mimetische Theorie wird als Brücke zwischen den beiden Polen der Frage "welche Struktur und wessen Tugend" genutzt. Das Hauptziel ist es, der Frage nachzuspüren, welche Strukturen und wessen Tugenden helfen können, neues Licht auf die Internationalen Beziehungen zu werfen und ob beide kombiniert werden können. Drei Hypothesen bahnen den Weg, um dies zu erreichen: (1) Macht entsteht aus einem Dialog zwischen Akteuren. (2) Das Verlangen nach Macht ist ein Verlangen nach Ansehen. (3) Die mimetische Theorie bietet Einsichten in das Wechselspiel des Entstehens von Macht und ihrer Natur. Diese Hypothesen illustrieren die Notwendigkeit, Internationale Beziehungen zu überdenken. Das kann man am besten am Beispiel des bedeutendsten Postulats der Mimetischen Theorie erkennen: nicht Unterschiedlichkeit, sondern Gleichheit erweist sich als die Problematik in der sozialen Sphäre. Weil wir als Menschen alle gleich sind, streben wir auch mimetisch nach denselben Gütern. Diese sind aber nicht primär die unerreichbaren, sondern die die am nächsten liegenden die unserer Nachbarn. Erst wenn wir in einen Dialog eintreten und Macht entsteht, erhält das Politische seine Ausformung im Grad seiner Intensität der Verbindung zwischen Subjekten und Objekten. Auf der empirischen Ebene untersucht das Projekt bedeutende aber sehr unterschiedliche Institutionen, die einige der wichtigsten Akteure in der internationalen Gemeinschaft hervorbringen: Diplomaten. Kultur und Religion erhalten Ordnung. Wie werden Diplomaten in den Zentren der "säkularen" (USA) und "religiösen" (Heiliger Stuhl) Ordnung ausgebildet? Ist ihre Ausbildung beeinflußt durch die unterschiedlichen Dialoge, die Macht ausformen? Wie kommen sie mit dem egalitären Dogma von Demokratie und den dadurch erwachsenden Spannungen zurecht? Und schließlich, wie können die unabhängigen Variablen "Kultur" und "Religion" die unterschiedlichen Verstehensweisen internationaler Beziehungen erklären?

Das Fehlen einer Alternative zum anarchischen Charakter des internationalen Systems wird häufig als Tragik in der internationalen Politik gesehen. Für die Gründungsfiguren der Disziplin der Internationalen Beziehungen und der Tradition des Realismus hingegen spiegelt der tragische Charakter internationaler Politik den tragischen Charakter von politischer Wahlmöglichkeit wider. Diese grundlegende Annahme des Realismus wirft etliche epistemologische Fragestellungen auf. Die Projektergebnisse argumentieren, dass die zentrale Frage die ist, ob Annahmen über die Fähigkeit zu handeln (agency) und Macht, angesichts der Komplexität und tragischen Kondition menschlicher und internationaler Natur mit der Annahme der Autonomie des Individuums mithalten können. Die Projektergebnisse verneinen dies. Was die Fähigkeit zu handeln antreibt und begründet, ist nicht die individuelle Autonomie, sondern menschliches Verlangen. Dies ist nicht nur eine epistemologische, sondern auch eine ontologische Fragestellung. Menschliche Identitätsbedürfnisse basieren auch auf der Imitation des Begehrens von anderen. Da der Realismus sich dieser menschlichen Kondition implizit bewusst ist, überwindet er die strikte analytische Separierung von unterschiedlichen Kategorien der Analyse (Individuum; Gesellschaft; System) wie es andere theoretische Ansätze machen. Mimetische Theorie bietet ein Muster, um diese Konditionen ernst zu nehmen, wie es der klassische Realismus macht und in jüngster Vergangenheit nur unzulänglich von theoretischen Ansätzen internationaler Politik beachtet wurde. Um eine tiefere Einsicht in die ideal-typischen Gesetzte die die menschliche Natur reglen (Hans Morgenthau) zu erlangen, argumentieren die Projektergebnisse für eine Synopsis der Gedanken von Hans Morgenthau und dem Französischen Philosoph, Anthropologen und Literaturtheoretiker René Girard. Dies ist insbesondere deshalb interessant, weil Morgenthau die Lücke zwischen der Annahme von Menschen als politische Tiere von Natur aus und Menschen als grundsätzlich moralische Tiere aufzeigt. Gegenwärtige Strömungen der theoretischen Auseinandersetzung mit internationaler Politik vernachlässigen diese Herangehensweise es macht in der Tat einen Unterschied, welche Struktur und wessen Tugend in der internationalen Politik analysiert werden und auf was für einer Grundlage diese Unterscheidung und analytische Herangehensweise beruht.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Franz Kernic, The Swedish National Defence College - Schweden
  • Michael Kirwan, University of London - Vereinigtes Königreich

Research Output

  • 36 Zitationen
  • 22 Publikationen
Publikationen
  • 2016
    Titel 'After the fact' - Harry S. Truman - Spiritualität und Staatskunst.
    Typ Journal Article
    Autor Troy J
    Journal Zeitschrift für Katholische
  • 2016
    Titel Mehr Hydra als Janus: Religion und Gewalt in Politikwissenschaft und Internationalen Beziehungen
    DOI 10.15203/ozp.1039.vol44iss4
    Typ Journal Article
    Autor Troy J
    Journal Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft
    Seiten 1-12
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Desire for power or the power of desire? Mimetic theory and the heart of twentieth-century realism
    DOI 10.1177/1755088214555456
    Typ Journal Article
    Autor Troy J
    Journal Journal of International Political Theory
    Seiten 26-41
  • 2017
    Titel The transformation of targeted killing and international order
    DOI 10.1080/13523260.2017.1336604
    Typ Journal Article
    Autor Senn M
    Journal Contemporary Security Policy
    Seiten 175-211
    Link Publikation
  • 2017
    Titel The Power of the Political in an Urbanizing International
    DOI 10.1177/0304375418762048
    Typ Journal Article
    Autor Troy J
    Journal Alternatives: Global, Local, Political
    Seiten 211-226
    Link Publikation
  • 2017
    Titel International society’s challenge of targeted killing by drones
    DOI 10.1057/s41311-017-0112-2
    Typ Journal Article
    Autor Troy J
    Journal International Politics
    Seiten 712-726
  • 2017
    Titel International Society's Challenge of Targeted Killing by Drones
    DOI 10.2139/ssrn.2977419
    Typ Preprint
    Autor Troy J
  • 2017
    Titel The Power of the Political in an Urbanizing International
    DOI 10.2139/ssrn.3034363
    Typ Preprint
    Autor Troy J
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Rationalist state, revolutionist EU and realist war: Austria in international society
    DOI 10.1080/09557571.2014.931931
    Typ Journal Article
    Autor Troy J
    Journal Cambridge Review of International Affairs
    Seiten 641-656
  • 2014
    Titel Friedenssicherung als Weltaufgabe: Die Vereinten Nationen, ihre Aufgabe und Möglichkeiten bei Dag Hammarskjöld und heute.
    Typ Book Chapter
    Autor Siegfried Karl And Hans-Georg Burger Ed.
  • 2014
    Titel Religion, the Public, and International Order
    DOI 10.1111/misr.12116
    Typ Journal Article
    Autor Troy J
    Journal International Studies Review
    Seiten 298-302
  • 2016
    Titel The Catholic Church and International Relation
    DOI 10.1093/oxfordhb/9780199935307.013.2
    Typ Book Chapter
    Autor Troy J
    Verlag Oxford University Press (OUP)
  • 2015
    Titel 'Little do they know' How (not) to theorize Religion and International Relations.
    Typ Book Chapter
    Autor Luke M. Herrington
  • 2015
    Titel Dag Hammarskjöld und Hans Morgenthau: Der Macht den Spiegel der Wahrheit vorhalten
    DOI 10.5771/0044-3360-2015-2-159
    Typ Journal Article
    Autor Troy J
    Journal Zeitschrift für Politik
    Seiten 159-176
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Das Staatsverständnis Hans J. Morgenthaus im Spiegel neuester europäischer Forschung.
    Typ Book Chapter
    Autor Christoph Rohde & Jodok Troy Ed.
  • 2013
    Titel Religion and Foreign Affairs: Essential Readings
    DOI 10.1080/21567689.2013.838472
    Typ Journal Article
    Autor Troy J
    Journal Politics, Religion & Ideology
    Seiten 583-584
  • 2013
    Titel The Power of the Zealots: Religion, Violence, and International Relations
    DOI 10.5840/jrv20131213
    Typ Journal Article
    Autor Troy J
    Journal Journal of Religion and Violence
    Seiten 216-233
  • 2013
    Titel Die »Macht« des Realismus in den Internationalen Beziehungen: Morgenthau wieder lesen
    DOI 10.5771/0044-3360-2013-4-414
    Typ Journal Article
    Autor Troy J
    Journal Zeitschrift für Politik
    Seiten 414-429
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Die Wette mit der Vernunft – ein „Wechsel ohne Barzahlung“. Die Perspektive von Raymond Aron
    DOI 10.5771/9783845265858-81
    Typ Book Chapter
    Autor Troy J
    Verlag Nomos Verlag
    Seiten 81-98
  • 2015
    Titel Morgenthau, der Funktionalismus und die Fundamente der Europäischen Union
    DOI 10.5771/9783845252049-237
    Typ Book Chapter
    Autor Troy J
    Verlag Nomos Verlag
    Seiten 237-247
  • 0
    Titel Invisible Legions: The Pope and International Relations.
    Typ Other
    Autor Troy J
  • 0
    Titel Macht, Recht, Demokratie: Zum Staatsverständnis Hans J. Morgenthaus.
    Typ Other
    Autor Rohde C

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