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Bioaktive Peptide aus der Natur

Bioactive peptides from natural sources

Christian W. Gruber (ORCID: 0000-0001-6060-7048)
  • Grant-DOI 10.55776/P22889
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2010
  • Projektende 31.12.2013
  • Bewilligungssumme 162.204 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (20%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (80%)

Keywords

    Cyclotides, Uterotonic, Flowering plants, Conotoxins, Peptidomics, GPCR

Abstract Endbericht

Die Verwendung von Naturstoffen als Heil- und Arzneimittel ist so alt wie die Menschheit selbst. Vor allem durch die große Biodiversität von natürlich vorkommenden Stoffen, bilden sie auch heutzutage noch die Grundlage vieler Arzneistoffe der pharmazeutischen Industrie. Eine besondere Stoffklasse, nämlich bioaktive Peptide, sind in der Natur weit verbreitet. Peptidsammlungen (sog. -bibliotheken) aus Mikroorganismen, Pflanzen und Tieren, bilden einen einzigartigen Ausgangspunkt für die Suche nach neuen Zellrezeptor-Modulatoren, im Besonderen für G- Protein gekoppelte Rezeptoren (GPCRs, vom engl. "G-protein coupled receptor"). GPCRs zählen zu den am meisten genutzten pharmakologischen Wirkstoffzielen (~30-50% aller zugelassenen Arzneimittel), obwohl nur ein Bruchteil aller Rezeptoren (nämlich 60) genutzt werden. Naturstoffbibliotheken, und im Besonderen natürlich vorkommende Peptide, wie z.B. Conotoxine aus Marinen Schnecken und zyklische Peptide aus Pflanzen, werden künftig eine große Rolle in der Erforschung neuer Rezeptor-Wirkstoffziele spielen. Die uterotonische Wirkung von und die Blockierung des Neurotensin-Signalweges durch Pflanzenzyklotide sind hier von besonderem Interesse, da diese als erstes Beispiel gelten, welche eine Wirkung an GPCRs aufweisen könnten. Die genaue Wirkungsweise der Peptide ist noch nicht bekannt, jedoch besitzen einige Zyklotide Struktur- und Sequenzähnlichkeiten mit dem menschlichen Oxytozin Peptidhormon, und eine Interaktion mit dem Oxytozin- Rezeptor als Ursache derer biologischen Aktivität liegt somit Nahe. Des Weiteren gibt die kürzliche Entdeckung und Charakterisierung von Conopressin-T (einem Peptid aus Marinen Conus-Schnecken) Anlass zu weiteren Studien, vor allem im Hinblick auf Struktur-Wirkungsbeziehung und der möglichen Optimierung von Liganden für die humanen Oxytozin- und Vasopressin Rezeptoren. Das geplante Projekt beinhaltet die (i.) Isolierung und Analyse von natürlich vorkommenden Peptiden, (ii.) die pharmakologische Charakterisierung von Pflanzenzyklotiden und modifizierte Peptide der Conopressine und (iii.) neue Erkenntnisse über die molekulare Wirkungsweise von Pflanzenpeptiden zu gewinnen. Das Ziel ist es neue Peptidwirkstoffe für Oxytozin- und Vasopressin-Rezeptoren zu identifizieren und zu analysieren. Falls dies gelingt, stehen diese Peptide für weitere Wirkstoffoptimierungen und detaillierte in vivo Studien zur Verfügung. Nichts desto trotz werden wir im geplanten Projekt eine schnelle und robuste GPCR Analyseplattform für die pharmakologische Charakterisierung von natürlich vorkommenden und synthetisierten Peptiden und Peptidanaloga entwickeln. Darüber hinaus wird das Projekt zu neuen Erkenntnissen in der Biodiversität und der biologischen Aktivität von Pflanzenzyklotiden führen, und mit Hilfe der geplanten Analysemethode aus Extrakten werden künftige Studien zur Verbreitung und zum Vorkommen von Zyklotiden und anderen Peptiden im Pflanzenreich ermöglicht.

Peptide sind aus Aminosäuren aufgebaute, körpereigene Substanzen, die im menschlichen Organismus spezifische Reaktionen auslösen können und eine Vielzahl von Körperfunktionen beeinflussen. Auch zyklische Pflanzenpeptide, sogenannte Cyclotide, haben eine Wirkung auf den menschlichen Organismus. Bisher war aber nicht klar, ob und an welchem Rezeptor diese Peptide wirken und wie ihr molekularer Signalweg aussieht. Nun wurde die molekulare Wirkung von Peptiden aus einer afrikanischen Heilpflanze erstmals entschlüsselt.Cyclotide wurden ursprünglich als Inhaltsstoffe pflanzlicher Heilmittel entdeckt, die in der traditionellen Medizin bei afrikanischen Völkern zur Geburtseinleitung und zur Vermeidung von Komplikationen danach eingesetzt werden. Die Pflanzen werden als Tee zubereitet, um bei oraler Anwendung den Geburtsvorgang zu erleichtern und zu beschleunigen. Bis heute war aber unklar, ob es für diese Peptide einen bestimmten Rezeptor gibt, um eine Gebärmutterkontraktion auszulösen. Wir haben jetzt ein Peptid gefunden, das nicht nur isolierte Uterusmuskelzellen kontrahieren kann, sondern auch an zwei Rezeptoren, dem Oxytocin- und Vasopressin-1a Rezeptor, bindet und deren Wirkung reguliert. Mittels modernster Analytikmethoden wurde nachgewiesen, dass die Pflanzenpeptide eine dem menschlichen Oxytocin ähnliche Struktur besitzen. Oxytocin ist als Glückshormon bekannt es hat nicht nur eine wichtige Bedeutung beim Geburtsprozess, sondern beeinflusst auch die Bindung zwischen Mutter und Kind, und ganz allgemein zwischenmenschliches Verhalten.Nachdem der Wirkmechanismus für dieses Peptid aus der Pflanze gezeigt werden konnte haben wir basierend auf dessen natürlichem Bauplan synthetische Liganden hergestellt, welche bessere pharmakologische Eigenschaften aufweisen. Als Liganden bezeichnet man Stoffe, die an einen Rezeptor binden und eine Wirkung in der Zelle ausüben können. Wir wissen mittlerweile, dass diese zyklischen Peptide eine enorme Aminosäurevielfalt aufweisen, und weit verbreitet im Pflanzenreich vorkommen. Sie wurden mitunter in Veilchen-, Kürbis- und Nachtschattengewächsen, in Hülsenfrüchtlern und sogar in bestimmten Getreidesorten nachgewiesen. Basierend auf unseren Ergebnissen können wir nun Cyclotide aus vielen anderen Pflanzen isolieren und diese Peptid-Bibliothek auf verschiedenen Rezeptoren testen. Ziel ist es, mit den neuesten chemisch-biologischen Erkenntnissen Liganden für Peptid-Rezeptoren zu entwerfen und als Wirkstoff umzusetzen.

Forschungsstätte(n)
  • Medizinische Universität Wien - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Markus Muttenthaler, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • David J. Craik, University of Queensland - Australien
  • Margaret OBrien, National University of Ireland - Irland

Research Output

  • 1031 Zitationen
  • 25 Publikationen
Publikationen
  • 2013
    Titel Oxytocic plant cyclotides as templates for peptide G protein-coupled receptor ligand design
    DOI 10.13025/21643
    Typ Journal Article
    Autor O'Brien M
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Oxytocic plant cyclotides as templates for peptide g protein-coupled receptor ligand design
    DOI 10.13025/25649
    Typ Journal Article
    Autor Koehbach J
    Link Publikation
  • 2012
    Titel The Nonpeptide Oxytocin Receptor Agonist WAY 267,464: Receptor-Binding Profile, Prosocial Effects and Distribution of c-Fos Expression in Adolescent Rats
    DOI 10.1111/j.1365-2826.2012.02311.x
    Typ Journal Article
    Autor Hicks C
    Journal Journal of Neuroendocrinology
    Seiten 1012-1029
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Chapter Three Cyclotides in the Rubiaceae
    DOI 10.1016/bs.abr.2015.09.002
    Typ Book Chapter
    Autor Koehbach J
    Verlag Elsevier
    Seiten 51-78
  • 2016
    Titel Global map of oxytocin/vasopressin-like neuropeptide signalling in insects
    DOI 10.1038/srep39177
    Typ Journal Article
    Autor Liutkeviciute Z
    Journal Scientific Reports
    Seiten 39177
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Biosynthese und molekulare Wirkung von zyklischen Pflanzenpeptiden
    DOI 10.1007/s12268-014-0511-5
    Typ Journal Article
    Autor Koehbach J
    Journal BIOspektrum
    Seiten 741-743
  • 2012
    Titel Peptidomics screening for the discovery of uterotonic plant peptides
    DOI 10.1186/2050-6511-13-s1-a89
    Typ Journal Article
    Autor Koehbach J
    Journal BMC Pharmacology and Toxicology
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Uterine contractility of plants used to facilitate childbirth in nigerian ethnomedicine
    DOI 10.13025/25614
    Typ Journal Article
    Autor Attah A
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Uterine contractility of plants used to facilitate childbirth in Nigerian ethnomedicine
    DOI 10.1016/j.jep.2012.06.042
    Typ Journal Article
    Autor Attah A
    Journal Journal of Ethnopharmacology
    Seiten 377-382
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Do Plant Cyclotides Have Potential As Immunosuppressant Peptides?
    DOI 10.1021/np200722w
    Typ Journal Article
    Autor Gru¨Ndemann C
    Journal Journal of Natural Products
    Seiten 167-174
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Exploring bioactive peptides from natural sources for oxytocin and vasopressin drug discovery
    DOI 10.4155/fmc.12.108
    Typ Journal Article
    Autor Gruber C
    Journal Future medicinal chemistry
    Seiten 1791-1798
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Discovery of Defense- and Neuropeptides in Social Ants by Genome-Mining
    DOI 10.1371/journal.pone.0032559
    Typ Journal Article
    Autor Gruber C
    Journal PLoS ONE
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Characterizing circular peptides in mixtures: sequence fragment assembly of cyclotides from a violet plant by MALDI-TOF/TOF mass spectrometry
    DOI 10.1007/s00726-012-1376-x
    Typ Journal Article
    Autor Hashempour H
    Journal Amino Acids
    Seiten 581-595
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Pharmacological applications of natural peptide libraries
    DOI 10.1186/2050-6511-13-s1-a31
    Typ Journal Article
    Autor Koehbach J
    Journal BMC Pharmacology and Toxicology
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Circular plant peptides as templates for GPCR drug discovery?
    DOI 10.1186/1471-2210-11-s2-a16
    Typ Journal Article
    Autor Koehbach J
    Journal BMC Pharmacology
    Link Publikation
  • 2016
    Titel MALDI TOF/TOF-Based Approach for the Identification of d- Amino Acids in Biologically Active Peptides and Proteins
    DOI 10.1021/acs.jproteome.5b01067
    Typ Journal Article
    Autor Koehbach J
    Journal Journal of Proteome Research
    Seiten 1487-1496
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Physiology of invertebrate oxytocin and vasopressin neuropeptides
    DOI 10.1113/expphysiol.2013.072561
    Typ Journal Article
    Autor Gruber C
    Journal Experimental Physiology
    Seiten 55-61
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Insights into the molecular evolution of oxytocin receptor ligand binding
    DOI 10.1042/bst20120256
    Typ Journal Article
    Autor Koehbach J
    Journal Biochemical Society Transactions
    Seiten 197-204
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Cyclotide discovery in Gentianales revisited—identification and characterization of cyclic cystine-knot peptides and their phylogenetic distribution in Rubiaceae plants
    DOI 10.1002/bip.22328
    Typ Journal Article
    Autor Koehbach J
    Journal Peptide Science
    Seiten 438-452
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Cyclotides Suppress Human T-Lymphocyte Proliferation by an Interleukin 2-Dependent Mechanism
    DOI 10.1371/journal.pone.0068016
    Typ Journal Article
    Autor Gründemann C
    Journal PLoS ONE
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Oxytocic plant cyclotides as templates for peptide G protein-coupled receptor ligand design
    DOI 10.1073/pnas.1311183110
    Typ Journal Article
    Autor Koehbach J
    Journal Proceedings of the National Academy of Sciences
    Seiten 21183-21188
    Link Publikation
  • 2013
    Titel From ethnopharmacology to drug design
    DOI 10.4161/cib.27583
    Typ Journal Article
    Autor Koehbach J
    Journal Communicative & Integrative Biology
    Link Publikation
  • 2010
    Titel Global cyclotide adventure: A journey dedicated to the discovery of circular peptides from flowering plants
    DOI 10.1002/bip.21414
    Typ Journal Article
    Autor Gruber C
    Journal Peptide Science
    Seiten 565-572
    Link Publikation
  • 2010
    Titel Uterotonic Plants and their Bioactive Constituents
    DOI 10.1055/s-0030-1250317
    Typ Journal Article
    Autor Gruber C
    Journal Planta Medica
    Seiten 207-220
    Link Publikation
  • 2010
    Titel Uterotonic plants and their bioactive constituents
    DOI 10.13025/25526
    Typ Journal Article
    Autor Gruber C
    Link Publikation

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