Wissenschaftsdisziplinen
Andere Naturwissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (70%)
Keywords
- Ägypten,
- Nildelta,
- Stadtentwicklung,
- Magnetometermessung,
- Auaris
Durch die jahrzehntelangen Ausgrabungen des Österreichischen Archäologischen Instituts und des Pelizäus Museums Hildesheim in Tell el Dabca und Qantir konnten wichtige Erkenntnisse über beide Grabungsplätze gewonnen werden. Viele Fragen, die die Stadtentwicklung und topographische Gegebenheiten betreffen, bleiben jedoch noch offen. Es soll im Rahmen dieses Projektes daran gearbeitet werden, die Stadt von Auaris in ihrer Gesamtheit durch verschiedene Methoden aufzuarbeiten, um Anschluss an die Surveyarbeiten in Qantir zu finden und auch den Untergrund, sowie die Fluss und Abflusssysteme von Auaris und Piramesse durch Bohrungen zu untersuchen. Ein Projekt, das vom Pionier der Umweltuntersuchungen im Delta, Josef Dorner, begonnen, jedoch nicht fertig gestellt werden konnte. Ein weiteres Ziel dieses Projektes ist es, in Zusammenarbeit mit Spezialisten der Universität Lyon, die berühmten Häfen von Auaris und Piramesse zu finden, bei denen es sich vermutlich um die bedeutendsten Häfen der Hyksoszeit und des Neuen Reiches handelte. Auch die Frage, ob sich im Gebiet von Tell el Dabca die große ägyptische Marinebasis Peru-nefer befunden hat oder im 120km entfernten Memphis flussaufwärts, soll im Rahmen diese Projektes durch geographische Untersuchungen geklärt werden. Weiters soll im Rahmen dieses Projektes die Stadtstruktur durch Magnetometer surveys untersucht werden, um festzustellen inwieweit die Position von Tempeln und Prozessionsstraßen die Stadtstruktur beeinflusst hat. Es ist auch ein Desiderat zu demographischen Schätzungen der verschiedenen Entwicklungsphasen zu kommen, um Struktur und Größe von Auaris mit anderen ägyptischen Ansiedlungen wie Tanis, Mendes, Buto und Tell-el Balamun vergleichen zu können, wo ebenfalls geomorphologische Untersuchungen durchgeführt wurden. Auch der wirtschaftliche Hintergrund einer solchen Hafenstadt soll untersucht werden. Importierte Keramik aus der Levante, Zypern und der Ägäis zeigt, dass internationaler Handel, wie erwartet, nicht nur in der Hyksoszeit relevant war, sondern auch später während des Neuen Reiches. Auch Importe aus der Kerma Kultur des Sudans fanden sich in Schichten der Hyksoszeit und der 18. Dynastie. Aus diesem Grund sollen keramische Studien fortgesetzt werden. Analysen der antiken Umwelt sollen im Rahmen des Projektes ebenfalls durchgeführt werden, vor allem der Frage, inwieweit eine so große Ansiedlung die Umwelt beeinflusste soll nachgegangen werden und wie man die antike Umwelt rekonstruieren könnte. Die Methoden, die angewandt werden sollen sind Magnetometer Surveys und Satelliten Image Surveys um große zusammenhängende Pläne der Stadtanlage zu gewinnen. Weiters sollen im östlichen Stadtgebiet Bohrungen vorgenommen werden, basierend auf den Methoden Josef Dorners, um die ursprüngliche Landschaft rekonstruieren zu können, die heute von Feldern und modernen Siedlungen überlagert ist. Sedimentologische Studien werden vom Team der Universität Lyon durchgeführt, um Aufschluss über die Hafenanlagen zu gewinnen.
Mit diesem Projekt wurde die Feststellung gemacht, dass sich die bedeutenden Städte Unterägyptens entlang einer O-W-Linie quer durch das Delta befinden, wo schließlich in der Kaiserzeit der Butische Kanal die 7 Nilarme verband. Es ist wahrscheinlich dass dies eben der Südrand der Zone war, in der noch im 3. und 2. Jt. v. Chr. während der Trockenzeit das Meer in die fast leeren Kanäle eindringen konnte und auf diese Weise eine ganzjährige Hafenfunktion sicherstellte. Das Projekt konzentrierte sich auf die alte Hafenstadt Avaris, Hauptstadt der Hyksos, später Peru-nefer, Flottenstation Tuthmosis III. und den Südteil der Ramsesstadt Pi-Ramesse. Hier gelang der Nachweis, dass sich die Besiedlung im Mittleren Reich, die mit einer rigorosen Kolonisationspolitik der 12. Dyn. einherging, nur beiderseits eines natürlichen Hafenbeckens konzentrierte. Die ägyptische Siedlung wurde am Übergang der 12. zur 13. Dyn. von einer Siedlung von zugewanderten Kanaanäern umringt, die später die Hyksosherrschaft über Ägypten errichteten. In dieser Zeit wurde das Becken erheblich erweitert. Bald entstand eine deutliche Abstufung in der Größe der Wohnhäuser, die etwa der Hierarchie anderer Städte wie Amarna entspricht. Die ägyptische Siedlung bei Ezbet Rushdi konnte sich jedoch kulturell bis Ende der Hyksoszeit behaupten. Das dominierende vorderasiatische Bevölkerungselement konnte sich kulturell auch noch nach der Eroberung von Avaris durch die 18. Dyn. erhalten wie anhand der weitergehenden Produktion der spezifischen Keramik und der Skarabäenmotivik nachgewiesen werden konnte. Kanaanäische Kulte setzten sich an diesem Ort in der 18. und der 19. Dynastie fort, wobei der syrische Wettergott mit seiner ägyptischen Entsprechung Seth identifiziert wurde. Das noch immer vorhandene Hafenbecken und Paläste königlichen Ausmaßes der 18.Dyn. sowie die Stratigraphie des Fundplatzes halfen, den berühmten Flottenstützpunkt Peru-nefer endgültig bei Tell el-Daba zu lokalisieren.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 68 Zitationen
- 49 Publikationen