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Das altalbanische Verb im balkanischen Kontext

The Old Albanian verb in the Balkan context

Stefan Schumacher (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P19164
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2006
  • Projektende 31.12.2010
  • Bewilligungssumme 350.028 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)

Keywords

    Albanologie, Balkanologie, Allgemeine Sprachwissenschaft, Areallinguistik, Historische Sprachwissenschaft

Abstract Endbericht

Ziel des Projekts ist eine umfassende synchrone und diachrone Analyse des altalbanischen Verbalsystems im Hinblick auf die Hypothese, gemäß der das Albanische als zentrale Sprache des Balkansprachbundes zu betrachten ist. Ausgangsbasis des Projekts ist ein digitalisiertes Korpus aller altgegischen Autoren - Buzuku (1555), Budi (um 1620), Bardhi/Blanchus (1635), Bogdani (1685) - sowie der beiden alttoskischen Autoren Matrnga (1592) und Variboba (1762). Dieses Textkorpus entspricht ungefähr 1.500 Druckseiten. Das Projekt umfasst folgende Arbeitsschritte: (1) Erstellung eines Lexikons aller altalbanischen Verben mit einer umfassenden Dokumentation ihrer spezifischen Eigenschaften wie Erstbeleg sowie vollständige Belegangabe im gesamten altalbanischen Korpus, Semantik, Diathese, Verbvalenz, Verbalsyntax, Stammbildung usw. Wo dies möglich ist, erfolgen Angaben zu Etymologie und zur historischen Erklärung der Morphologie (vor allem zu Präsens- vs. Aoriststammbildung). (2) Eine Untersuchung des gesamten Tempus- und Modussystems des Altalbanischen im Hinblick auf die Frage, welche Kategorien ererbt sind und welche dagegen erst neu entwickelt wurden. Im Zuge dieser Untersuchung wird besonderes Augenmerk auf jene neuentwickelten Kategorien gerichtet werden, die typisch für den Balkansprachbund sind. (3) Eine systematische und gezielte Untersuchung des gesamten altalbanischen Verballexikons nach Entlehnungen, Lehnübersetzungen und anderen Kontaktphänomenen, die sich aus dem engen Kontakt des Albanischen mit den benachbarten Balkansprachen ergeben (z.B. typisch balkanische Phraseologien). In diesem Zusammenhang werden komponierte Verben besonders eingehend untersucht werden, da unter ihnen mit hoher Wahrscheinlichkeit Lehnübersetzungen und typisch balkansprachliche Verbalkonzepte anzutreffen sind. (4) Das Projekt soll auch dazu dienen, groben Missständen der Philologie des Altalbanischen - eines stark vernachlässigten Bereichs der albanischen Sprachwissenschaft wie der Balkanologie insgesamt - abzuhelfen.

Hauptaufgabe dieses Projekts war die Zusammenstellung eines Wörterbuchs der Verben im Altalbanischen. Zu diesem Zweck haben die Projektmitarbeiter Dr. Stefan Schumacher (Projektleiter) und Dr. Joachim Matzinger (Mitarbeiter) alle Verbalformen aus den ältesten Quellen des Albanischen (Bücher aus der Zeit vom 16.-18. Jh., insgesamt rund 2.000 Druckseiten) exzerpiert. Diese Verbalformen wurden vollständig analysiert, und die Ergebnisse werden 2012 als Wörterbuch publiziert werden. Dieses Buch wird nicht nur alle Verbalformen in analysierter Form enthalten, sondern auch eine Einleitung, die das albanische Verbalsystem und dessen Vorgeschichte behandelt. Die primäre Aufgabenstellung des Projekts war also Grundlagenforschung, das Wörterbuch wird daher als wertvolle Basis für die weitere linguistische Erforschung der Vorgeschichte und Geschichte des Albanischen dienen. Da es umfassende Informationen über das Verb im Altalbanischen enthält, wird es nützlich für die historische und die allgemeine Sprachwissenschaft sein, für die Balkanlinguistik sowie für die Albanologie. Albanisch ist eine indogermanische Sprache. Es ist somit verwandt mit Latein, Griechisch, den germanischen Sprachen wie Deutsch und Englisch und einer Anzahl weiterer Sprachen und Sprachfamilien. Alle diese Sprachen und Sprachfamilien beruhen auf einer einzigen Sprache, der sog. indogermanischen Grundsprache, die im 5. Jahrtausend v.Chr. im westlichen Eurasien gesprochen wurde und sich dann aufspaltete. Diese Sprache wurde nicht geschrieben, lässt sich aber rekonstruieren durch den Vergleich zwischen den früh bezeugten Tochtersprachen, wie Griechisch, Latein und Altindisch, deren schriftliche Bezeugung vor mehr als 2.500 Jahren einsetzte. In der indogermanischen Sprachenfamilie ist Albanisch spät bezeugt, da es nicht vor dem 15. Jh. n.Chr niedergeschrieben wurde. Eines der interessantesten Kennzeichen des Albanischen ist sein Verbalsystem, das ein komplexes System von Tempora und Modi enthält. Ein wesentlicher Teil davon besteht aus Kategorien, die das Albanische mit den früh bezeugten indogermanischen Sprachen teilt. Erstaunlicherweise hat das Albanische einen großen Teil dieses Systems bewahrt, während dieses in anderen indogermanische Sprachen, speziell im Englischen, drastisch reduziert wurde. Der andere Teil des Verbalsystems besteht aus neuentwickelten Kategorien, die nicht nur neue Tempora, sondern auch neue Modi umfassen. Die Entwicklung dieser Kategorien steht unmittelbar im Zusammenhang damit, dass die Sprecher des Albanischen bis zum 20. Jh. intensive Kontakte mit Sprechern der Nachbarsprachen hatten (Mittel- und Neugriechisch, Rumänisch, Bulgarisch/Makedonisch und Türkisch). Obwohl sich die Entwicklung dieser verbalen Kategorien (sowohl der ererbten als auch der neugebildeten) nur dann verstehen lässt, wenn die ältesten Quellen genau untersucht werden, sind genau diese Quellen bis jetzt weitgehend ignoriert worden. Es war daher die ausdrückliche Absicht der Projektmitarbeiter, die gesamte Evidenz der Verbalformen in diesen Quellen zu analysieren und der Linguistik zugänglich zu machen, damit diese Evidenz in Zukunft nicht mehr ignoriert werden kann.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Emil Lafe, Sonstige Forschungs- oder Entwicklungseinrichtungen - Albanien
  • Christina Leluda-Voß, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg - Deutschland
  • Monica Genesin, Universita degli Studi di Lecce - Italien
  • Francesco Altimari, Universita della Calabria - Italien

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