Verhaltensmodelle in Ökonomie und Finanz
Behavioural Models in Economics and Finance
Wissenschaftsdisziplinen
Mathematik (30%); Wirtschaftswissenschaften (70%)
Keywords
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AGENT BEHAVIOUR,
BOUNDED RATIONALITY,
EVOLUTIONARY GAMES,
SOCIAL LEARNING,
BEHAVIOURAL FINANCE
Eine zentrale Annahme der traditionellen neoklassischen ökonomischen Theorie ist, dass sich die Wirtschaftssubjekte (Haushalte, Unternehmen, Investoren, usw.) immer vollkommen rational verhalten, sogar in sehr komplexen ökonomischen Umfeldern (z.B. auf Aktienmärkten). In der Realität finden wir allerdings oft nur "beschränkt rationales Verhalten" (ein Ausdruck, der von dem Nobelpreisträger H. Simon geprägt wurde): viele Wirtschaftssubjekte haben nur sehr unvollständige oder falsche Vorstellungen über ihre Umgebung, oder sind nicht in der Lage, die Information, die sie haben, richtig zu verarbeiten, oder lassen sich von "irrationalen" Faktoren wie Altruismus, Konformismus, Hoffnung, Enttäuschung, Laune, etc. leiten. Dies wird auch durch zahlreiche psychologische Experimente bestätigt. Die Frage, wie eine ökonomische Theorie des individuellen Verhaltens bei beschränkter Rationalität aussehen sollte, ist ein derzeit sehr actives Forschungsgebiet. Es gibt dazu (mindestens) zwei Ansätze. Der erste - axiomatische - besteht darin, die Annahme volllkommener Rationalität durch schwächere Annahmen zu ersetzen und die klassischen Modelle der Entscheidungs- und Spieltheorie so zu modifizieren, dass sie beschränkte Rationaltät berücksichtigen können. Der zweite - verhaltenstheoretische Ansatz - leitet das beobachtbare Verhalten nicht aus einem statischen Kalkül ab, sondern betrachtet es als Ergebnis eines dynamischen evolutionären Prozesses, in dessen Verlauf dieWirtschaftssubjekte auf verschiedene Weisen lernen (z.B. durch Versuch und Irrtum, Nachahmung, etc.). Das geplante Netz vereint eine Reihe von europäischen Forschern aus Salamanca (Spanien), Wien (Österreich) und Zürich (Schweiz), deren gemeinsames Interesse, von verschiedenen Ansätzen ausgehend, der genannten Frage gilt: wie kann man das Verhalten beschränkt rationaler Wirtschaftssubjekte in ökonomischen Situationen (von Konsumentscheidungen und Oligopolen bis zu Finanzmärkten) erklären? Synergien in der Forschung entstehen hierbei z.B. dann, wenn evolutionäre Modelle dazu dienen können, unter mehreren Lösungen der klassischen Theorie eine bestimmte auszuwählen, oder Aussagen über die Stabilität solcher Lösungen zu treffen.
Eines der Hauptziele des Projektes war es, die Implikationen beschränkt rationalen Verhaltens in ökonomischen Zusammenhängen zu studieren, und die Resultate mit denen der traditionellen ökonomischen Theorie, die von vollkommener Rationalität ausgeht, zu vergleichen. "Beschränkte Rationalität" wird hier modelliert als Verhalten, das auf der Imitation erfolgreicherer Konkurrenten beruht (eine Form des "Lernens"), ergänzt durch gelegentliches Experimentieren mit neuen Strategien. Dies erzeugt einen dynamischen stochastischen Prozess, dessen langfristiges Ergebnis, die so genannten evolutionär stabilen Zustände (ESS), die Vorhersage der Theorie bilden. Dies wird in Bezug gesetzt zu dem Ergebnis perfekt rationalen Verhaltens, modelliert durch ein spieltheoretisches Gleichgewicht (Nash-Gleichgewicht). Ein wichtiger Unterschied zwischen den beiden Konzepten ist, dass das Nash- Gleichgewicht auf der Maximierung absoluter Auszahlungen beruht, aber die ESS auf relativen Auszahlungen beruhen (man imitiert andere, deren Auszahlung relativ höher ist als die eigene). Eine zentrale Frage war, einerseits ökonomische Probleme zu identifizieren, wo beide Gleichgewichtskonzepte dieselbe Vorhersage liefern, und anderseits die ESS in einer möglichst großen Klasse von Problemen zu charakterisieren, wo die beiden Konzepte verschieden sind (insbesondere Probleme mit strategischen Komplementaritäten bzw. Substituten). Ein Hauptergebnis ist, dass die Evolution Verhaltensweisen selektiert, die die individuelle Auszahlung maximieren, ohne dabei externe Effekte auf aggregierte Elemente des Problems zu berücksichtigen. Dies ist eine Verallgemeinerung des klassischen vollkommen kompetitivem Verhaltens (auch hier ignorieren die Wirtschaftssubjekte Externalitäten). Als ein Beispiel kann die optimale Nutzung einer gemeinsamen Ressource dienen, wo die laufende Ausschöpfung die Möglichkeiten zukünftiger Nutzung beeinträchtigt. Unser Resultat besagt, dass die Evolution solche Individuen selektiert, die ihren individuellen Gewinn maximieren, ohne Rücksicht auf die Gesamtnutzung. Dies ist ein negatives Beispiel, in dem evolutionäre Kräfte zu einem besonders ineffizienten Ergebnis führen. Anderseits, wenn man die gleichen Ideen auf einen Finanzmarkt anwendet, in dem Geldströme mit größerer Wahrscheinlichkeit in Fonds fließen, welche in der Vergangenheit bessere Ergebnisse erzielt haben, erhält man "langfristige Effizienz" in dem Sinne, dass die Preise gegen die "fundamentals" konvergieren, obwohl kurzfristige "Bubbles" nicht ausgeschlossen sind.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 51 Zitationen
- 1 Publikationen
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2004
Titel Cournot versus Walras in dynamic oligopolies with memory DOI 10.1016/j.ijindorg.2003.07.001 Typ Journal Article Autor Alós-Ferrer C Journal International Journal of Industrial Organization Seiten 193-217