Versteckte Minderheiten zwischen Zentral- und Südosteuropa
Hidden Minorities between Central Europe and the Balkans
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (60%); Soziologie (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (20%)
Keywords
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CENTRAL EUROPE,
SOUTHEAST EUROPE,
ETHNICITY,
ETHNIC MINORITIES,
PLURAL IDENTITIES,
LANGUAGE
Die geplante schrittweise Erweiterung der Europäischen Union wird eine Vielzahl von Nationen und ethnischen Gruppen zusammenführen. Dieser Prozeß birgt implizit die Gefahr in sich, daß dabei Denk- und Verhaltensmuster, die durch Vorstellungen von Uniformität gekennzeichnet sind, vorherrschend sein werden. Darin könnte eine Bedrohung für die kulturelle und sprachliche Vielfalt sowie für die damit verbundene Vielzahl ethnischer Identitäten liegen. Der Aktualität dieses Problems entspricht auch die wachsende Zuwendung, die der Erforschung von ethnischen Minderheiten und Identitäten zuteil wird. Die bisher erzielten Ergebnisse stellen erst den Beginn für künftige Grundlagenforschung dar. Die Forschung sieht sich zudem mit dem Problem konfrontiert, daß Migrationen kontinuierlich neue Minderheiten schaffen. Einige dieser Gruppen können als versteckte Minderheiten bezeichnet werden. Dieser Terminus trifft aber auch auf jene autochthonen ethnischen Minderheiten zu, die, meist an Staatsgrenzen lebend, von der Forschung bisher negiert wurden oder nicht zum Kanon der Minderheitenforschung gehörten. Dies geschah unter anderem aus dem Grund, weil die Frage ihrer rechtlichen Anerkennung entweder noch nicht gelöst ist oder gar nicht auf der Tagesordnung steht. Weit mehr als anerkannte Minderheiten sind versteckte Minderheiten darum bemüht, ihre spezifischen kulturellen Verhaltensmuster zu verbergen. Einige Minderheiten wurden erst zu versteckten Minderheiten auf Grund eines langen Assimilationsprozesses oder auf Grund von Verfolgung und Liquidierung. Für das Projekt wurden fünf ethnische Gruppen ausgewählt: die bulgarischen Gärtner in Österreich, die steirischen Slowenen in der Soboth im Südwesten der Steiermark, einige ehemals mehrheitlich deutsche Dörfer im Abstaller Feld im Nordosten Sloweniens, einige serbische Dörfer in der Bela krajina im Süden Sloweniens sowie die katholischen Serben in Dubrovnik. Jede dieser Gruppen repräsentiert verschiedene Aspekte versteckter Minderheiten und wurde bisher von der Forschung unzureichend behandelt. Der gewählte geographische Raum kann als "Überlappungszone" von verschiedenen Kulturräumen zwischen Zentral- und Südosteuropa angesehen werden. Dies verleiht dem Vergleich der einzelnen Fallstudien zusätzliche Relevanz. Ziel des Projektes ist es, jene vielfachen Codes und Symbole zu interpretieren, durch die die Besonderheiten der ausgewählten Gruppen im Kontext ihrer Lebenswelten zum Ausdruck kommen. Die Fokussierung wird dabei auf mögliche plurale Identitäten gerichtet sein, die nicht nur ein Charakteristikum von versteckten Minderheiten sind, sondern auch ein Konzept darstellen, Denk- und Verhaltensmuster von ethnischer Exklusivität zu überwinden. Zur Durchführung der theoretischen und empirischen wird ein multidisziplinärer Ansatz gewählt. Das Team besteht daher ausWissenschafterInnen der Fachdisziplinen Geschichte, Ethnologie, Kulturwissenschaften und Linguistik.
- Universität Graz - 100%