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Dynamik und Kontrolle des Drogenkonsums

Dynamics and control of illicit drug consumption

Gustav Feichtinger (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P14060
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2000
  • Projektende 31.08.2004
  • Bewilligungssumme 159.085 €

Wissenschaftsdisziplinen

Mathematik (70%); Wirtschaftswissenschaften (30%)

Keywords

    DRUG EPIDEMICS, PREVENTION, TRAETMENT, ENFORCEMENT, DYNAMIC COST-BENEFIT ANALYSIS, OPTIMAL CONTROL & DYNAMIC GAMES, MULTI-STATE MODELS, SOCIAL NETWORK

Abstract Endbericht

Forschungsprojekt P 14060Dynamik und Kontrolle des DrogenkonsumsGustav FEICHTINGER11.10.1999 Für viele Länder - schaffen der Handel und der Konsum illegaler Drogen zunehmende Probleme. In strategischer Hinsicht stellt sich die Drogenpolitik als Ressourcen-Allokationsproblem dar: Wie sollen knappe Ressourcen auf konkurrierende Programme zur Drogenkontrolle aufgeteilt werden? Bei der Erstellung des `optimal mix` der Instrumente sind zeitliche Aspekte wichtig: je nach der erreichten Stufe in einer Drogenepidemie ergeben sich spezifische Feedback-Effekle und Wirksamkeiten der Kontrollinstrumente. Die erwarteten Resultate sind nicht nur von wissenschaftlichem sondern auch von politischern Interesse. In methodischer Hinsicht handelt es sich um den Bau von Planungsmodellen des Operations Research, welche mit dem Pont aginschen Maximumprinzip gelöst werden. Für das Europäische Beobachtungszentrum für Drogen und Drogensucht in Lissabon zählt ein verbessertes Verständnis der Initiation des Drogengebrauchs zu den Top-Problemen der Drogenforschung. Im Weltdrogenbericht (1997, p. 204) des Internationalen Drogen-Kontrollprogramms der Vereinten Nationen (UNCDP) wird festgestellt "[.. ...] the longer that initiation into drug use can be delayed the less likely it is to begin or, if it does begin, to become compulsive [ ... ]". Das vorliegende Projekt plant, die Initiation zurn Drogenkonsum. mit einem `Sozialen Netzwerk-Zugang` auf Mikro-Niveau zu untersuchen. Im Laufe der Zeit kann der Drogengebrauch abschreckend auf potentielle Neuanfdnger wirken. Ehemalige Schwersüchtige können vom Drogengebrauch abschrecken, wenn sie über ihre damaligen physischen, psychischen und finanzeillen Problemen sprechen. Wenn die "schlechte Reputation" einer Droge durch allmähliches Verschwinden ehemaliger Drogenkonsumenten schwindet, kann die Epidemie von neuem starten. Musto (1987) hat dies im Zusammenhang mit wiederkehrenden Zyklen (Drogenepidemien) so ausgedrückt: `Those who forget the past are condemned to repeat it.` Wir wollen ein Kontrollmodell mit drei Zustandsvariablen untersuchen. Eine inherente Vermutung besteht darin, daß kurzsichtige Gesellschaften - das sind solche mit einer hohen Zeitpräferenzrate, welche die Vergangenheit rasch vergessen und sich wenig um die Zukunft kümmern - anfällig für rekursive Drogenepidemien sind. In einer ersten Näherung kann man zwischen `gelegentlichen` und regelmäßigen` Konsumenten unterschieden, wobei letztere mindestens einmal wöchentlich Drogen konsumieren. Diese Form der Heterogenität bietet ein Beispiel für ein allgemeines Paradigma., Betrachten wir zwei Stufen abweichenden Verhaltens, eine "leichte" und eine "schwere". "Leichte Delinquenten" verursachen zwar weniger Schilden, können aber zu "schweren Jungs" eskalieren, die deutlich höhere soziale Kosten verursachen. Angenommen, es existieren für jede der beiden Populationen spezifische Kontrollinstrumente, in welcher Kombination sollen sie im Zeitablauf eingesetzt werden? Die Frage nach dem `optimal mix` der Instrumente zur Minimierung der totalen sozialen Kosten einer heterogenen Delinquenten-Population ist nicht nur von wissenschafflichem sondern auch von sozial- und wirtschaftspolitischem Interesse. Beispiele für die Problematik sind "großzügige Steuerabscbreibung" versus "schwerer Steuerbetrug", "rüde Kommentare" versus "sexuelle Belästigung" und "leichter Vandalismus" versus "ausufernd". Zahlt es sich für die Behörden aus, eine harte Linie zu verfolgen und auch schon geringe Gestzes-Abweichungen zu bestrafen um die Eskalation zu schwerer Delinquenz einzudämmen? Oder sollte man ein Auge zudrücken, da es sich um ein "Kavaliersdelikt" handelt, welches zur Zeit ohnehin nur geringen Schaden verursacht? Das Risiko liegt in der Möglichkeit zur Ausweitung. Wir beabsichtigen, derartige Problemstellungen im Rahmen dynamischer Optimierungsmodelle mit Methoden der Kontroll- und Spieltheorie zu untersuchen.

Der Konsum illegaler Drogen verursacht erhebliche Probleme für viele Länder und stellt ein schwieriges Managementproblem dar. Aus strategischer Sicht kann Drogenpolitik als ein Ressourcenallokationsproblem gesehen werden: Wie sollten knappe Ressourcen unter konkurrierenden Kontrollinstrumenten aufgeteilt werden? Diese Thematik hat eine beachtliche Aufmerksamkeit erlangt, aber bis vor kurzem waren die Antworten statisch, d.h. sie gaben Auskunft über die relative Effizienz der Interventionen ohne Bezug auf das Stadium einer Drogenepidemie. Drogenprobleme sind aber dynamisch, d.h. sie entwickeln sich über die Zeit unter erheblichen Feedback-Effekten. Daher ist es nahelegend anzunehmen, dass ein optimaler Mix von Drogenkontrollinstrumenten sich über die Zeit verändert. Die im Rahmen des vorliegenden Projektes durchgeführte Forschungsarbeit konzentrierte sich auf mehrere verschiedene Fragen des Managements. Beispielsweise untersuchten wir, wie sich die relative Effizienz verschiedener Formen von Prävention im Verlauf einer Drogenepidemie verändert; wir untersuchten die optimalen Ausgaben für Drogensubstitutionsprogramme in einem "epidmiologischen" Modell, welches sowohl Drogenkonsum als auch damit einhergehende Infektionen wie Hepatitis C oder HIV berücksichtigt; wir erweiterten traditionelle dynamische Ein- und Mehrzustandsmodelle durch explizite Berücksichtigung der Altersverteilung von Drogenkonsumenten. Die erhaltenen Resultate hatten einen signifikanten Effekt auf die Denkweise von politischen Entscheidungsträgern in von Drogenkonsum betroffenen Ländern, sogar in so entfernten Plätzen wie Australien. Methodisch betrachtet demonstrieren sie den Nutzen einer Kombination von optimaler Kontrolltheorie mit innovativen Modellansätzen, um praktische Probleme des Management zu untersuchen, die sonst nicht beschrieben und schon gar nicht im Rahmen eines strengen mathematischen Rahmenwerks untersucht werden könnten. Dieses Projekt hat parallele Forschungsinnovation in anderen Bereichen angeregt, wie z.B. nicht-drogenbedingten Verbrechen, Kontrolle der Ausbreitung von ansteckenden Krankheiten wie HIV und HCV, Terrorismusbekämpfung, und - interessanterweise - Marketing legaler Güter. Es hat auch zu methodischen Fortschritten geführt, wie z.B. bei Problemen mit mehrfachen Gleichgewichten und sogenannten DNS-Kurven, aber auch neuen Lösungsmethoden für altersstrukturierte Kontrollsysteme (inkl. ihrer Implementierung am Computer für die numerische Lösung).

Forschungsstätte(n)
  • Technische Universität Wien - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Gernot Tragler, Technische Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in

Research Output

  • 48 Zitationen
  • 3 Publikationen
Publikationen
  • 2005
    Titel History-dependence in a rational addiction model
    DOI 10.1016/j.mathsocsci.2004.12.001
    Typ Journal Article
    Autor Gavrila C
    Journal Mathematical Social Sciences
    Seiten 273-293
  • 2004
    Titel Age-structured optimal control in population economics
    DOI 10.1016/j.tpb.2003.07.006
    Typ Journal Article
    Autor Feichtinger G
    Journal Theoretical Population Biology
    Seiten 373-387
  • 2004
    Titel MAXIMUM PRINCIPLE FOR AGE AND DURATION STRUCTURED SYSTEMS: A TOOL FOR OPTIMAL PREVENTION AND TREATMENT OF HIV
    DOI 10.1080/08898480490422301
    Typ Journal Article
    Autor Feichtinger G
    Journal Mathematical Population Studies
    Seiten 3-28

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