Rinderzucht im Amazonas: Treiber und Folgen
Cattle Ranching in the Amazon: Drivers and Impacts
Wissenschaftsdisziplinen
Geowissenschaften (15%); Wirtschaftswissenschaften (85%)
Keywords
- Causal Inference,
- Deforestation,
- Pollution,
- Human Health,
- Beef Demand
Der Amazonas-Regenwald ist eines der wichtigsten Ökosysteme der Erde und erbringt zentrale Ökosystemleistungen. Er speichert große Mengen Kohlenstoff, beeinflusst das globale Klima, beherbergt eine außergewöhnliche Biodiversität und ist Lebensraum für Millionen von Menschen. Dennoch schreitet seine Entwaldung in alarmierendem Tempo voran. In Brasilien ist die extensive Rinderhaltung einer der zentralen Treiber dieser Entwicklung, der überwiegende Teil der neu gerodeten Flächen wird in Weideland umgewandelt. Dieses Forschungsprojekt untersucht ökonomischen und institutionellen Faktoren, die die Ausbreitung der Rinderhaltung im brasilianischen Amazonasgebiet antreiben, sowie die ökologischen und gesundheitlichen Folgen dieser Ausbreitung. Im Gegensatz zu rein deskriptiven oder korrelativen Studien verwendet das Projekt detaillierte räumliche Daten und moderne statistische Methoden, um kausale Zusammenhänge zu identifizieren und deren Ausmaße präzise zu bestimmen. Der erste Projektteil analysiert den Zusammenhang zwischen steigender Rindfleischproduktion und Abholzung. Veränderte Ernährungsgewohnheiten im In- und Ausland haben die Nachfrage nach brasilianischem Rindfleisch in jüngeren Jahren deutlich erhöht. Diese Nachfrage wird über eine Ausweitung der Rinderbestände und Weideflächen gestillt, womit sich der Druck auf Waldflächen erhöht. Gleichzeitig werden Rinder im Amazonasgebiet häufig als Vehikel genutzt, um öffentliches Land illegal in Besitz zu nehmen und Besitzansprüche zu stellen. Der erste Teil des Projekts unterscheidet diese Motive empirisch und quantifiziert, welcher Anteil der Entwaldung tatsächlich auf den Produktionskanal zurückzuführen ist. Zudem wird untersucht, inwieweit eine Intensivierung bestehender Weideflächen Abholzung reduzieren könnte. Der zweite Projektteil befasst sich mit den Umwelt- und Gesundheitsfolgen der Rindfleischindustrie, im speziellen der Rolle von Schlachthöfen. Deren Eröffnung kann zu zusätzlicher Entwaldung und einem Anstieg von Waldbränden (z.B. für Brandrodungen) führen mit entsprechend einhergehender Luftverschmutzung. Gleichzeitig benötigt der Betrieb von Schlachthöfen große Mengen an Wasser und kann zur Kontamination von Gewässern führen. Mithilfe von detaillierten Gesundheits- und Verschmutzungsdaten wird untersucht, ob die Eröffnung von Schlachthöfen zu messbaren Umweltverschlechterungen führen und ob die Gesundheit der umliegenden Bevölkerung insbesondere im Hinblick auf Atemwegs- und wasserübertragene Erkrankungen beeinträchtigt wird. Die Ergebnisse des Projekts sollen eine fundierte Grundlage für politische Maßnahmen in den Bereichen Landwirtschaft, Umwelt- und Gesundheitspolitik liefern. Ziel ist es, wirtschaftliche Entwicklung und Umweltschutz besser in Einklang zu bringen und irreversible Schäden am Amazonas- Ökosystem zu verhindern.
- Fundação Getúlio Vargas, 18 Monate, Rafael Araujo
- Wirtschaftsuniversität Wien , 9 Monate
- Nikolas Kuschnig, Wirtschaftsuniversität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in