Autobiographie oder Genre-(in)-Trouble. Zur Rhetorik von Gender und Genre und der tropologischen Verfaßtheit von Identität
Autobiography or Genre-(in)-Trouble
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (10%); Rechtswissenschaften (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (70%)
Keywords
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AUTOBIOGRAPHY,
GENRE,
GENDER,
RHETORIC,
IDENTITY,
DECONSTRUCTION
Der Begriff der Autobiographie, ihrer Tropen und Figuren erweist sich in dieser Arbeit als Ausgangspunkt und Fokus zentraler Problemkreise und paradigmatischer Debatten einer zeitgenössischen Literatur- und Kulturwissenschaft. `Autobiographie` wird nicht im Sinne eines traditionellen Text- und Disziplinenverständnisses interpretiert, sondern als Modus in dem und durch den Texte Subjektivität/Identität produzieren. Basierend auf diesem Befund wird die Gattung oder das Genre mit der Kategorie Gender korreliert. Das gegenseitige Angewiesensein und Eingeschriebensein dieser Kategorien will das Projekt in verschiedenen Varianten verhandeln. Zentral ist dabei die kritische Auseinandersetzung mit den Fragen nach der Möglichkeit von Referenz und den Modalitäten von Repräsentation und Identität. Im Abschnitt 1 wird die Entwicklung der Theoretisierung der weiblichen/feministischen Autobiographie nachgezeichnet, die von Theorien der Differenz zu Theorien der Peformanz führen und kritisch auf das Zusammenspiel. von Gender/Genre hinterfragt werden. Als diesbezüglich konturierter Forschungsstand, der in dieser Form noch Desiderat ist, dient dieser Abschnitt als Grundlage dafür, neue Entwicklungen vorzuschlagen, die zu einer verstärkten Wahrnehmung dekonstruktivistischer Positionen im Bereich der Autobiographieforschung beitragen sollen. Im Abschnitt 2 wird über eine allgemeine theoretische Reflexion auf die Autobiographie als Genre einen Nexus zur Kategorie Gender herstellt. Fokussiert wird das Projekt einer `autobiographical performativity`, welches das Phänomen autobiographisch verfaßter Geschlechts- Identität als rhetorisch und performativ herausstellt und über eine Aneignung autobiographischer rhetorischer Modi eine Umschrift des Genrebegriffs per se unternimmt. In Kapitel 3 wird über eine genealogisch-dekonstruktive Lektüre eine Theorie der Tropen der Autobiographie inauguriert, die als eine Theorie von deren Re/Signifkationen zu bezeichnen ist und von deren Ergebnissen ausgehend eine Verbindung zur `performativen Geschlechtsidentität` hergestellt wird dies auf der Basis der Lektüre von Texten rhetorischer Theoriebildung und autobiographischer Texte. Abschnitt 4 befragt die Opposition Stimme/Schrift als Modus autobiographischer Subjektkonstitution auf der Folie dekonstruktivistischer Theoreme. Dabei rückt zum einen die Stimmhaftigkeit der Trope der Autobiographie, der Prosopopeiia, ins Zentrum. Zum anderen wird der widersprüchlichen Einsetzung von Stimme und Schrift als Herrschaftsinstrument auf den Grund gegangen, diese neu perspektiviert. Im Abschnitt 5 erfahren `die Memoria` und ihre Tropen, zentral für das `Verstehen` von Autobiographie, eine Neudeutung als `auswendige Performance einer geschlechtlichen Norm`. Dabei wird den gemeinsamen Funktionen der Begriffe `wiederholen, erinnern, lesen` nachgegangen, und zwar als Frage nach der erinnerten, gelesenen und wiederholten Geschlechtsidentität. Im Abschnitt 6 wird die Einsetzung eines Neologismus erprobt, nämlich der `Auto-prosopo-bio-graphie`. Dabei wird der Modellierung des Lacanschen Unbewußten nachgegangen, und zwar als Relektüre der für die feministische Autobiographieforschung zentralen Texte Lacans. Dabei wird auf eine Formation des `Ego` bzw. auf eine Vorstellung von einer `Ganzheit` verwiesen, die sich innerhalb einer `prosopo-bio-graphischen Zuschrift` generiert.
- University of California Berkeley - 100%
- Universität Wien - 10%