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Gender Cage - revisted: Zur Rekonfiguration von Geschlechterdifferenzierungen

Gender Cage - revisted: reconfiguration of gender differences

Regine Bendl (ORCID: 0000-0003-1077-9276)
  • Grant-DOI 10.55776/I1043
  • Förderprogramm Einzelprojekte International
  • Status beendet
  • Projektbeginn 02.04.2013
  • Projektende 01.03.2017
  • Bewilligungssumme 222.044 €
  • Projekt-Website

DACH: Österreich - Deutschland - Schweiz

Wissenschaftsdisziplinen

Soziologie (100%)

Keywords

    Gender, Organization, Human Resource Management (HR)

Abstract Endbericht

Mit der Transformation moderner Industriegesellschaften sind auch die Geschlechterverhältnisse in Bewegung geraten. Im Fokus des Projekts steht die Organisation, die als zentrale Instanz der Moderne nicht nur an der Herstellung des "Rationalitätsmythos Hierarchie" beteiligt ist, sondern auch an der De-Thematisierung von Geschlechterhierarchien. Der Titel des Projekts wurde daher in Analogie zur klassischen Veröffentlichung von DiMaggio/Powell von 1983 "The Iron Cage revisited" gewählt. Das Projekt will, anknüpfend an dieses Bild, einen weiteren Schritt zur Entschlüsselung des komplexen, wechselseitigen und widersprüchlichen Zusammenhangs von "Organisation, Geschlecht und Gesellschaft" unternehmen und aufzeigen, welche Rolle die Organisation in der gesellschaftlichen Re- und Neukonstituierung von Geschlechterdifferenzierungen spielt. Ausgegangen wird sowohl von einer Dynamik gesellschaftlicher Erwartungen, die sich in einem Umbau von Geschlechterregimen widerspiegelt, als auch von einer Dynamik in den Bedingungen organisationaler Funktionserfüllung (etwa in Form des Umbaus von Hierarchiemodellen), die sich wiederum als ein Katalysator für den Wandel von Geschlechterdifferenzierungen in Organisationen erweist, denn Restrukturierungen sind immer mit einer Infragestellung "alter" Ordnungen (Strukturen, Handlungsmuster, Leitbilder) verbunden. Bislang haben es Organisationen nicht nur verstanden, Hierarchien zu legitimieren, sondern auch "Gleichheitsfassaden" zu erzeugen, hinter der eine Vielzahl von Praktiken der Diskriminierung verborgen geblieben ist. In Anbetracht aktueller Wandlungsprozesse stellt sich allerdings die Frage nach dem unsichtbaren "Gender Cage" erneut. Formiert er sich ganz neu? Lösen sich die Gitterstäbe auf? Untersucht werden soll, wie Organisationen den seit einiger Zeit zunehmenden gesellschaftlichen Gleichstellungsdruck bearbeiten. Dazu soll ein neues Beobachtungs- und Analyseinstrumentarium entwickelt werden, um innerbetriebliche Verarbeitungsformen und Transformationen gesellschaftlicher Erwartungen zu erfassen. Ziel ist es, auf der Basis einer Mehrebenenanalyse und einem Mix aus qualitativen und quantitativen Methoden ausgewählte Organisationstypen entlang der Dimensionen (formale) Hierarchie und Geschlechterdifferenz in Deutschland, Österreich und der Schweiz einer vergleichenden Analyse zu unterziehen und Wandlungsprozesse der Geschlechterverhältnisse in Organisationen zu identifizieren.

Mit der Transformation moderner Industriegesellschaften sind auch die Geschlechter-verhältnisse in Bewegung geraten. Geschlechtergleichstellung und Anti-Diskriminierung sind vom Rand ins Zentrum moderner Gesellschaften gerückt. Organisationen kommt eine bedeutende Rolle zu, Fortschritte in Sachen Geschlechtergleichstellung zu erzielen. Tragen sie dazu bei, dass sich der Gender Cage, der für traditionelle Geschlechternormen und -strukturen steht, auflöst? Das Projekt Gender Cage - revisited: Zur Rekonfiguration von Geschlechterdifferenzierungen in Organisationen postmoderner Gesellschaften, durchgeführt von einem internationalen Forschungskonsortium, untersuchte organisationale Strategien und Praktiken von Organisationen, mit diesem gesellschaftlichen Druck in Richtung Gleichberechtigung umzugehen. Die Forschung leistet einen weiteren Schritt zur Entschlüsselung dieser komplexen, wechselseitigen und widersprüchlichen Zusammenhänge von Organisation, Geschlecht und Gesellschaft. Innerorganisational wurden insbesondere die Wirkungsmechanismen zur Re- und Neukonstituierung von Geschlechterdifferenzierungen beleuchtet. Basierend auf einer Mehrebenen-Analyse und einem multi-methodischen Zugang wurden unterschiedliche Organisationsformen mit Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz untersucht. Unsere Ergebnisse zeigen: Der Gleichstellungsdruck kommt nicht notwendigerweise bzw. ausschließlich von außen, d.h. von der gesellschaftlichen Umwelt. Erwartungsdruck wird zu einem hohen Teil auch aus dem Inneren der Organisation wahrgenommen, und zwar sowohl von individuellen als auch kollektiven Akteur_innen (u.a. Kolleg_innen und Vorgesetzte, Betriebsrät_innen). Es zeigte sich eine vielfältige Bandbreite an Treibern von Gleichstellung. Zu nennen sind hier insbesondere öffentlich-normativer Druck (dies zeigt sich u.a. in freiwilligen Selbstverpflichtungen, in CSR Initiativen, Employer Branding, Awards, Zertifizierungen) sowie gesetzlicher Druck (u.a. Einführung von Frauen-Quotenregelungen, Antidiskriminierungsgesetzen). Ein erheblicher Teil des Gleichstellungsdrucks resultiert auch aus Konzernstrukturen und deren transnationalen Verflechtungen. So bestehen Spannungen zwischen Zielvorgaben in Sachen Gleichstellung durch die Zentrale und Umsetzung bzw. Akzeptanz durch (nationale) Standorte. Allerdings zeigten sich nicht nur Homogenitäten sondern auch Varianzen im Umgang mit Gleichstellungserwartungen. Der Gleichstellungsdruck wird entlang der in den Organisationen jeweils dominierenden Legitimitätslogik verarbeitet. Diese orientiert sich am anerkannten Organisationszweck bzw. der Kernaufgabe der Organisation. Der Vergleich zwischen Profit und Non-Profit Organisationen erlaubte eine ausdifferenzierte Beschreibung dieser Orientierungen. So entfalten sich durchaus mehrere Leitorientierungen in einer Organisation, was sich empirisch im Auftreten von Widersprüchen zeigt. Um die Wirksamkeit von Maßnahmen zur Gleichstellung von Frauen und Männern zu verbessern, wurden organisationsspezifische Interventionen in allen sechzehn Profit und Non-Profit Organisationen durchgeführt.

Forschungsstätte(n)
  • Wirtschaftsuniversität Wien - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Edeltraud Hanappi-Egger, Wirtschaftsuniversität Wien , ehemalige:r Projektleiter:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Maria Funder, Universität Marburg - Deutschland
  • Nathalie Amstutz, Fachhochschule Nordwestschweiz - Schweiz

Research Output

  • 34 Zitationen
  • 20 Publikationen
  • 8 Disseminationen
Publikationen
  • 2015
    Titel Routinierte Vergeschlechtlichung: Zur (Re-)Produktion von Gesch lechtstypisierungen und impliziten Rollenerwartungen im Management
    DOI 10.1007/978-3-658-11194-6_4
    Typ Book Chapter
    Autor Eberherr H
    Verlag Springer Nature
    Seiten 115-137
  • 2015
    Titel Divers, intersektional und/oder queer? Multiparadigmatische Perspektiven in der Organisationsforschung
    DOI 10.1007/978-3-658-08606-0_2
    Typ Book Chapter
    Autor Bendl R
    Verlag Springer Nature
    Seiten 37-54
  • 2015
    Titel Chapter 9: Inclusion and exclusion processes in the executive search business: an intersectional approach
    DOI 10.4337/9781782547709.00017
    Typ Book Chapter
    Autor Bendl R
    Verlag Edward Elgar Publishing
    Seiten 140-157
  • 2017
    Titel Organisationen unter Druck? Zum Chancengleichheitsversprechen des Leistungsprinzips; In: Leistung und Gerechtigkeit. Das umstrittene Versprechen des Kapitalismus
    Typ Book Chapter
    Autor Eberherr H.
    Verlag BeltzJuventa
    Seiten 265-281
  • 2017
    Titel Embedded Agency und Degendering. Zur (Ohn)Macht von Akteur_innen im Neo-Instituionalismus; In: Neo-Instituionalismus - Revisited. Bilanz und Weiterentwicklungen aus der Sicht der Geschlechterforschung. Ein Handbuch
    Typ Book Chapter
    Autor Eberherr H.
    Verlag Nomos
    Seiten 265-282
  • 2017
    Titel Neo-Institutionalismus - Revisited: Bilanz Und Weiterentwicklungen Aus Sicht Der Geschlechterforschung
    Typ Book
    Autor Funder Maria
    Verlag Nomos Verlagsgesellschaft
  • 2014
    Titel Intersektionalität aus der Organisationsperspektive
    DOI 10.5771/9783845244617-369
    Typ Book Chapter
    Autor Eberherr H
    Verlag Nomos Verlag
    Seiten 369-386
  • 2014
    Titel Diversity Management: Interventionsstrategie im rechtlich-politischen, wirtschaftlichen und organisationsdynamischen Kontext
    DOI 10.5771/9783845244617-343
    Typ Book Chapter
    Autor Amstutz N
    Verlag Nomos Verlag
    Seiten 343-368
  • 2014
    Titel Die Mainstream-Organisationsforschung – Reflexionen aus einer Genderperspektive
    DOI 10.5771/9783845244617-27
    Typ Book Chapter
    Autor Funder M
    Verlag Nomos Verlag
    Seiten 27-57
  • 2014
    Titel Doing/Undoing Differences: Die Sicht der prozessorientierten Organisationstheorien
    DOI 10.5771/9783845244617-225
    Typ Book Chapter
    Autor Hanappi-Egger E
    Verlag Nomos Verlag
    Seiten 225-244
  • 2014
    Titel Neo-Institutionalismus: Geschlechtergleichheit als Egalitätsmythos?
    DOI 10.5771/9783845244617-193
    Typ Book Chapter
    Autor Funder M
    Verlag Nomos Verlag
    Seiten 193-224
  • 2018
    Titel Routinized Practices. Using the documentary method to research incorporated knowledge; In: Handbook of 'Research Methods in Diversity Management, Equality and Inclusion at Work'
    Typ Book Chapter
    Autor Eberherr H.
    Verlag Edward Elgar Publishing
    Seiten 413-429
  • 2018
    Titel Gendered Fields; In: Geschlecht als widersprüchliche Institution. Zum Gender-Cage in Organisationen
    Typ Book Chapter
    Autor Brand O.
    Verlag Nomos
    Seiten 139-164
  • 2018
    Titel Geschlecht als Institution: polymorph und widersprüchlich; In: Geschlecht als widersprüchliche Institution. Zum Gender-Cage in Organisationen
    Typ Book Chapter
    Autor Eberherr H.
    Verlag Nomos
    Seiten 43-66
  • 2018
    Titel Kopplungs- und Entkopplungsprozesse: Reflexionen zur organisationalen Verarbeitung von Gleichstellungserwartungen; In: Geschlecht als widersprüchliche Institution. Zum Gender-Cage in Organisationen
    Typ Book Chapter
    Autor Vöhringer H.
    Verlag Nomos
    Seiten 165-188
  • 2018
    Titel Magie der Meritokratie. Hindernisse transformativer Geschlechterpolitik in Organisationen; In: Chancen und Grenzen der Nachhaltigkeitstransformation
    Typ Book Chapter
    Autor Bendl R.
    Verlag Springer Gabler
    Seiten 185-199
  • 2018
    Titel Zur Verarbeitung von Gleichstellungserwartungen in Organisationen: Eine vergleichende Analyse im Non-Profit und For-Profit Sektor. In: Gmür M., Andeßner R., Greiling D., Theuvsen L. (Ed.), Wohin entwickelt sich der Dritte Sektor? Konzeptionelle und empirische Beiträge aus der Forschung
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Eberherr H.
    Konferenz Tagungsband zum 13. Internationalen NPO Forschungscolloquium an der Universität Fribourg/Freiburg 19. und 20. April 2018. Freiburg: VMI
    Seiten 65-72
  • 2018
    Titel Geschlecht als widersprüchliche Institution: Neo-institutionalistische Implikationen zum Gender Cage in Organisationen
    Typ Book
    Autor Amstutz N.
    editors Amstutz N., Eberherr H., Funder M., Hofmann R.
    Verlag Nomos
  • 0
    Titel Diversity nutzen - Zum Nutzen von Diversity. Begründungs- und Legitimationsdiskurse im organisationalen Vergleich; In: Celebrate Diversity!? - Diversity (Management) und seine Deutung(skämpfe) in Deutschland und Europa (i.E.)
    Typ Book Chapter
    Autor Eberherr H.
  • 0
    Titel Interdependente Machtverhältnisse: Epistemologische Reflexionen zu Paradoxien intersektionaler Zugänge; In: Intersektionalität, Arbeit und Organisation. Sammelband in der in der Reihe "Arbeitsgesellschaft im Wandel" (i.E.)
    Typ Book Chapter
    Autor Eberherr H.
    Verlag Verlag Beltz Juventas
Disseminationen
  • 2018
    Titel Eberherr, Helga (2018). Tagung Wert der Arbeit. AK OÖ und JKU Linz. Workshop: Diversity-Management und Leistungsgerechtigkeit
    Typ A talk or presentation
  • 2016
    Titel Vorstellung der Ergebnisse und Diskussion mit den StudienteilnehmerInnen
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
  • 2016
    Titel Eberherr, Helga (2016). Diversität im Handwerk. Round Table Diskussion. Handwerkskammer Berlin, WU Wien, 05.10.2016.
    Typ A formal working group, expert panel or dialogue
  • 2016
    Titel Eberherr, Helga (2016). Generation 50+: Zur Wirkung stereotyper Altersbilder in der Personalauswahl. 14. EUCUSA Sommergespräche, WU Wien, 31.08.2016.
    Typ A talk or presentation
  • 2017
    Titel Organisation Tagung: Das Unternehmen Gleichbehandlung und Diversität, Wirtschaftsuniversität Wien, Österreich, 11.05.2017 (gemeinsam mit der Gleichbehandlungsanwaltschaft des Bundes/Österreich)
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
  • 2016
    Titel Praxistagung: "Walk the Talk. Zwischentöne organisationaler Gleichstellung", 9.-10.06.2016, FHNW Olten, Schweiz
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
  • 2016
    Titel Eberherr, Helga (2016). "Über den Jahresrand hinaus". Ein Aufklärungsabend zum Thema sexuelle Orientierung als wirtschaftsrelevante Dimension. Diskussionsleitung und Moderation, Wirtschaftskammer Wien, 13.12.2016.
    Typ A formal working group, expert panel or dialogue
  • 2016
    Titel Eberherr, Helga (2016). Ergebnispräsentationen in 4 Unternehmen/Organisationen.
    Typ A talk or presentation

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