Müll in Jugoslawien: Eine historische politische Ökologie
Waste in Yugoslavia: A Historical Political Ecology
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
- Yugoslavia,
- Political Ecology,
- Environmental History,
- Waste Disposal,
- Pollution
Müll und Müllentsorgung sind hochaktuelle Themen, die angesichts der zunehmenden Verschmutzung weltweit immer mehr Aufmerksamkeit erhalten. Über die Umwelt hinaus erzählt Müll viel über Wirtschaftssysteme, menschliche Beziehungen zur Natur, soziale Ungleichheiten und kulturelle Werte. Die Untersuchung, wie Gesellschaften über Müll sprechen und ihn bewältigen, bietet tiefere Einblicke in gesellschaftliche und ökologische Veränderungen. Dieses Forschungsprojekt beleuchtet Müll und dessen Entsorgung im sozialistischen Jugoslawien aus historischer und anthropologischer Perspektive. Es hinterfragt zwei gängige Vorstellungen vom Sozialismus: einerseits als verschwenderisches System, andererseits als Gesellschaft, in der Müll durch Recycling praktisch nicht existierte. Stattdessen untersucht die Studie die komplexe Realität des Mülls in Jugoslawien und stellt Fragen wie: Welche Arten von Müll galten als Umweltproblem? Wer prägte die Diskussionen darüber? Und wie beeinflusste Müll das Leben der Menschen und die Umwelt? Das Projekt konzentriert sich dabei auf die Themen: Diskurse und Praktiken der Müllentsorgung, Orte der Müllentsorgung und die Erfahrungen der Menschen, die in deren Nähe lebten. Ziel ist es, zu verstehen, wie Müll definiert, politisch behandelt und gesellschaftlich kommuniziert wurde und welche Auswirkungen dies auf Menschen und Umwelt hatte. Um diese Forschungsthemen zu untersuchen und Antworten auf die Forschungsfragen zu finden, kombiniert das Projekt historische und anthropologische Quellen und Methoden. Anhand von schriftlichen und visuellen Quellen wie Dokumente, Zeitungen, Fernsehsendungen und Bildungsmaterialien wird untersucht, wie Abfall in der Vergangenheit diskutiert und behandelt wurde. Darüber hinaus werden Feldforschung, Interviews und partizipatives Filmemachen eingesetzt, um die menschlichen Erfahrungen mit Müll und dessen Auswirkungen auf Gemeinschaften zu erfassen. Der innovative Ansatz des Projekts verbindet Umweltgeschichte, politische Ökologie und Anthropologie, um die politischen und menschlichen Faktoren von Müll und dessen Entsorgung in der Vergangenheit zu beleuchten. Damit bietet es eine neue Perspektive auf Müll als Linse, durch die kulturelle, soziale und politische Dynamiken sichtbar werden. Die Nutzung von Film als Forschungsinstrument fügt eine kreative Dimension hinzu, die die Ergebnisse einem breiteren Publikum zugänglich macht. Durch seinen interdisziplinären Ansatz lädt das Forschungsprojekt dazu ein, Müllverschmutzung, Nachhaltigkeit und die Möglichkeiten, unsere Beziehung zur Umwelt zu überdenken und über die verborgenen Geschichten des Mülls und seine tiefgreifenden Auswirkungen auf unsere Welt nachzudenken. Mit Blick auf die Vergangenheit sollen Herausforderungen der Gegenwart besser verstehbar und eine sauberere, nachhaltigere Zukunft denkbar werden.
- Universität Graz - 100%
- Heike Karge, Universität Graz , Mentor:in
- Ger Duijzings, Universität Regensburg - Deutschland
- Sanja Bojanic, University Rijeka - Kroatien
- Stefan Dorondel, Ludwig Maximilians-Universität München - Rumänien
- Michaela Schäuble, University of Bern - Schweiz