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Disreputable Bodies: Explorations into Renaissance Natural Philosophy

Disreputable Bodies: Explorations into Renaissance Natural Philosophy

Sergius Kodera (ORCID: 0000-0003-3119-2749)
  • Grant-DOI 10.55776/D4202
  • Förderprogramm Buchpublikation
  • Status beendet
  • Bewilligungssumme 14.000 €

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (20%); Philosophie, Ethik, Religion (50%); Soziologie (30%)

Keywords

    Early Modern Philosophy, Gender Studies, History of Science, Natural Philosophy, Theory of Metaphors, History of Medicine

Abstract

Dieses Buch untersucht die prekäre Stellung des Körpers in der Philosophie der Renaissance mittels eines close reading wenig erforschter Texte: Es zeigt, inwiefern abstrakte metaphysische Konzepte sich in engster Verbindung mit Metaphern entwickelten, die die politische, kulturelle und wissenschaftliche Praxis der Frühen Neuzeit prägten. In diesem Zusammenhang kommt der Kategorie Gender eine entscheidende Rolle bei der Konstruktion neuer Perspektiven innerhalb des Diskurses über die sinnliche Welt zu. Disreputable Bodies stellt den Einfluss des Neuplatonismus auf die Naturphilosophie, die Magie, und die Metaphysik der Renaissance dar; die frühneuzeitliche Funktion und Wahrnehmung des Körpers wird durch die Analyse der Schriften einflussreicher Philosophen erörtert: Marsilio Ficino, Giovanni Pico della Mirandola, Leone Ebreo, Alessandro Piccolomini, Agrippa von Nettesheim, Bernardino Telesio, Giambattista della Porta und Giordano Bruno. Das Buch eröffnet hier insofern neue Zugänge, als es Funktion und Interaktion innovativer zeitgenössischer Technologien (Optik und Destillation, Kap. 2 und 5) sowie der Populärkultur (Magie und nicht-akademische Medizin, Epilog) untersucht und ihre Beziehungen zu jenen wieder entdeckten Texten der griechischen und römischen Klassik darstellt, welche viele Intellektuelle der Renaissance intensiv beschäftigten. Die vorliegende Studie zeigt, inwiefern diese Auseinandersetzungen zur Schaffung neuer kultureller Praktiken beitrugen: etwa die chirurgische Intervention in den menschlichen Körper in der Absicht einer moralischen Verbesserung (Kap. 8) oder medizinischer Vampirismus zur Lebensverlängerung (Kap 3). Derartige Verfahrensweisen sind gleichzeitig ein Index für jene Widersprüche, die sich in der Konzeption des sexuierten Körpers ergeben, und die am erstaunlichen Metaphernreichtum, den dieser Diskurs hervorgebracht hat, ablesbar sind. Diese Sprachbilder wurden eingesetzt, um die paradoxe Natur der Körper beschreibbar zu machen, denn im zeitgenössischen Diskurs bewegte sich ihr metaphysischer Staus zwischen Gottes erster Schöpfung und dem Abschaum des Universums, zwischen widerständiger, klobiger Materie und jenen unbestimmten, volatilen Entitäten, die zwischen den niedrigsten und den höchsten Sphären des Universums vermitteln. Bezeichnenderweise entwickelten die von den Philosophen zur Erklärung der natürlichen Welt des Werdens und Vergehens gebrauchten Bilder oftmals eine Eigenmächtigkeit und trugen dabei zur Entwicklung einer neuartigen Konzeption bei, die ihrerseits den Diskurs über die Körper veränderte. Diese frühmodernen Körperbilder tendierten dazu, mehr oder weniger explizite Repräsentationen unerlaubter sexueller Beziehungen zu sein: Prostituierte (Kap. 1), Vampire (Kap. 3), in Hälften geteilte Menschen (Kap. 6), Zuhälter, oder Schönheitschirurgen (Epilog) um nur einige Beispiel zu nennen. Die vorliegende Studie beschreibt anhand acht verschiedener Fallbeispiele, wie solche eindringlichen Metaphern für die schwer fassbare physische Welt in neuen Wahrnehmungen der Natur resultierten. Dieses Buch verbindet daher einen ideengeschichtlichen Fokus mit einer literaturwissenschaftlichen Analyse darüber, wie Metaphern in der Frühen Neuzeit dazu verwendet wurden, die physischen Aspekte der Welt zu beschrieben. Solche Ideen formierten sich in der Epoche in elliptischen und markant selbstrefenziellen Diskursen. Viele der in dieser Studie behandelten Philosophen projizierten genderspezifische Differenzen auf einen universellen Schirm von kosmischen Dimensionen, die als Unterscheidungen in die Beziehungen zwischen Männern und Frauen wieder eingeschrieben wurden, und dabei gleichzeitig eine Geschlechterasymmetrie konstruierten und verfestigten. Als Tropus einer männlichen Rede wird der weiblich verschriftete Körper zu jenem Feld, in dem sich nicht nur die sozialen Spielregeln für reale Frauen eingeschrieben finden, sondern in dem auch eine spezifische Metaphysik der Seele ihre anschauliche Bestätigung sucht und findet (Kap. 4, 6). In diesem Prozess der Aneignung und Ausgrenzung erweist sich die oft heftige Kritik aristotelischer Lehrsätze als wichtiger Faktor der Veränderung. Insbesondere zeigt die vorliegende Studie, inwiefern zahlreiche Texte aus dem (Neu-) Platonismus zur Erosion der peripatetischen Tradition entscheidend beitrugen, und eine (männliche) Kultur der gelehrten Magie förderten, die in signifikanter Weise eine veränderte Wahrnehmung der Physis mit sich brachte.

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