Mit 1067 (700 mittelalterlichen) Handschriften besitzt die UB Innsbruck einen wertvollen Bestand an Dokumenten
der mittelalterlichen Buchkultur, der bisher nur unzulänglich erschlossen gewesen war, ein wissenschaftlicher,
heutigen Ansprüchen genügender Katalog in gedruckter Form war seit langem ein Desiderat gewesen. Nach
umfangreichen Vorarbeiten wurde im Rahmen der Kommission für Schrift- und Buchwesen des Mittelalters der
Österreichischen Akademie der Wissenschaften ein nach den Richtlinien dieser Kommission erstellter Katalog in
Angriff genommen, von welchem bisher drei Bände (Bd. 1 und 2: 1987 bzw. 1991, Cod. 1-200, bearbeitet von der
Handschriftenabteilung der UB Innsbruck, Band 3: 1999, Cod 201-300, wie der vorliegende vierte Band im
Rahmen eines vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung in Österreich getragenen
Projektes) erschienen sind. Entsprechend den genannten Richtlinien wurden auch bei diesem vierten Band alle
Aspekte einer Handschrift, formale wie inhaltliche, berücksichtigt. Auf Grund der Anordnung des Kataloges nach
Signaturen bietet der Katalog ein formal wie inhaltlich buntes Bild. Bei der Darstellung des Äußeren erfolgen
genaue Angaben zum Aufbau der Handschrift, zum Beschreibstoff, zur Schrift, zur künstlerischen Ausstattung und
zum Einband. Die anhand der einschlägigen Literatur vorgenommene inhaltliche Beschreibung ermöglichte bei
vielen in den Handschriften anonym überlieferten Texten eine Zuordnung an einen Autor, viele Texte werden
erstmals vorgestellt. Insgesamt ist der Katalog für die Quellenkunde und Literaturgeschichte mehrerer
Wissensdisziplinen interessant. Entsprechend der Herkunft des größten Teiles der Handschriften aus Tiroler
Klöstern steht die Theologie im Vordergrund. Darüber hinaus umfasst der Bestand auch Werke der
Rechtsgeschichte, zur klassischen und mittellateinischen Philologie, Germanistik, aber auch zur Geschichte der
Naturwissenschaften, ferner einige bedeutende illuminierte Handschriften (z. B. Cod. 301, Schnalser Evangelistar,
Cod. 325, Martial mit Florentiner Buchmalerei, Cod. 330, romanisches Psalterium). Ansonsten überwiegen
theologische Gebrauchshandschriften des 13. und 14. Jh., u.a. unedierte Sammlungen von Sermones, Werke der
Scholastik und Exzerpthandschriften. Beachtung verdienen einige Codices mit Werken der Grammatik und eine in
dieser Form noch unbekannte Sammlung von Kaiser- und Papstbriefen (Cod. 400). Wie bei den früheren Bänden
wurde auf Grund der unterschiedlichen Vorbesitzer großes Gewicht auf die Darstellung der Geschichte jeder
Handschrift und auf bibliotheksgeschichtliche Zusammenhänge als Baustein für eine noch ausstehende
Bibliotheksgeschichte Tirols gelegt. Zwei Register (Register der Textanfänge, Kreuzregister für Autoren, Titel und
Sachen), ein umfangreicher Abbildungsteil und mehrere Anhänge erleichtern die Benützung des Kataloges. Das
Gesamtwerk ist auf ca. zehn Bände angelegt, der fünfte Band ist in Bearbeitung.