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Ex 1-2 in patristischer und rabbinischer Interpretation

Exo 1-2 in Patristic and Rabbinic Interpretation

Agnethe Siquans (ORCID: 0000-0003-1105-7152)
  • Grant-DOI 10.55776/P28441
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2016
  • Projektende 30.06.2019
  • Bewilligungssumme 133.240 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Philosophie, Ethik, Religion (85%); Sprach- und Literaturwissenschaften (15%)

Keywords

    Exodus, Patristic Exegesis, Rabbinic Exegesis, Jewish-Christian relations, Reception History, Biblical Hermeneutics

Abstract Endbericht

Das Projekt befasst sich mit der patristischen und rabbinischen Interpretation von Ex 1-2, der Erzählung über Geburt, Jugend und zweifache Rettung des Mose (Ex 2,1-22) sowie über die Ereignisse, die unmittelbar zu dieser Situation führen (Ex 1). Das Buch Exodus enthält die Ursprungsgeschichte von Juden und Christen. Seine Auslegung war daher bedeutend für die Diskussionen um jüdische und christliche Identität in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung. Ex 1-2 sind die Eingangskapitel der gesamten Exoduserzählung und daher wichtig für die Einführung der Figur des Mose, der als Retter des Gottesvolkes die Hauptperson des Buches darstellt. Bibelauslegungwurde zu einemUnterscheidungsmerkmal christlichen undjüdischen Selbstverständnisses, neben anderen Faktoren, wie religiöse Praxis, Beschneidung u. a. Dieser Diskurs über die Bibel führte zu Dialog auf der einen Seite und oftmals scharfer Polemik auf der anderen Seite. Spuren davon finden sich in der patristischen und rabbinischen Bibelauslegung. Das Projekt soll sich auf drei wichtige Texte konzentrieren, die die ausführlichsten erhaltenen rabbinischen und patristischen Interpretationen von Ex 1-2 darstellen: den Midrasch Shemot Rabbah und seine früheren Quellen, die ersten beiden Exodus-Homilien des Origenes und den Exoduskommentar Ephräms des Syrers. Zuerst sollen die Texte hinsichtlich ihrer jeweiligen Interpretation von Ex 1-2 untersucht werden. Thematische Schwerpunkte sind Ermächtigung und Entmächtigung, Strukturen von Macht und Geschlecht, die Definition von Identität und Anderssein, metaphorische Auslegung und ihre Implikationen, Raum und Zeit als strukturierende Elemente der Texte. Der zweite Schritt ist die Untersuchung der sozialen, kulturellen und religiösen Kontexte der Interpretationen. Danach soll eine vorsichtige vergleichende Wertung versucht werden. Zuletzt können hypothetische Überlegungen über mögliche Abhängigkeiten angestellt werden. Das primäre Ziel des Projekts ist die Auswertung der unterschiedlichen Texte in ihren jeweiligen Kontexten sowie ein darauf basierender Vergleich dieser Texte. Die jeweiligen Auslegungen sollen vor den jeweiligen hermeneutischen und sozio-kulturellen sowie theologischen Hintergründen ihrer Autoren beleuchtet werden. Im Zentrum stehen die unterschiedlichen Interpretationen bestimmter Themen des biblischen Textes. Insgesamt soll das Projekt zu einem umfassenderen Bild früher jüdischer und christlicher Bibelauslegung sowie der christlich-jüdischen Beziehungen in den ersten Jahrhunderten beitragen, die die Grundlage für spätere positive und negative Entwicklungen dieses Verhältnisses bilden.

Das Projekt untersuchte wichtige patristische und rabbinische Interpretationen von Exodus 12, der Erzählung über die Unterdrückung der Israeliten in Ägypten und Moses Geburt, Rettung, Jugend und seine Zeit in Midian. Die christlichen (patristischen) Hauptquellen, die analysiert wurden, waren die ersten beiden Exodushomilien des Origenes (3. Jh.) und der Exoduskommentar Ephräm des Syrers (4. Jh.). Origenes' Auslegung ist von Philo von Alexandriens allegorischer Bibelinterpretation beeinflusst. Ephräm gehört zu einer Auslegungstradition, die sich später in den Midraschim widerspiegelt. Er verwendet aber auch Philos "Leben des Mose". Beide christlichen Autoren kannten also jüdische Interpretationen und adaptieren sie für ihren christlichen Kontext. Die Auslegung des Origenes war die Basis für viele spätere christliche Interpretationen. Die wichtigsten jüdischen (rabbinischen) Quellen waren eine exegetische Passage im Babylonischen Talmud (bSota 11a13a; 6. Jh., mit älterem Material), der Midrasch Tanhuma (5.7. Jh.) und die Mechilta (3. Jh.). Neben Traditionen, die mehrere jüdische Auslegungen gemeinsam haben, gibt es auch Unterschiede innerhalb der rabbinischen Tradition. So ergänzt z.B. der Talmud Traditionen über die Frauen und verstärkt damit ihre Bedeutung. Der Midrasch Tanhuma dagegen ignoriert die Frauen in Exodus 12 fast gänzlich, sondern konzentriert sich auf die Patriarchen und die Stämme Israels. Direkte Polemik gegen Christen fehlt in rabbinischen Texten weitgehend. Dennoch gibt es einige Aspekte, die als Reaktionen auf christliche Entwicklungen gedeutet werden können: die zunehmende Betonung der Beschneidung, die reduzierte Rolle des Heiligen Geistes und die Tradition über die schmerzfreie Geburt des Mose durch Jochebed im Talmud (als Antwort auf die christlichen Traditionen über Maria). Zusätzliche jüdische und christliche Quellen wurden herangezogen, um das Bild der Auslegung von Exodus 12 zu vervollständigen. Die Texte wurden zuerst jeweils für sich analysiert und anschließend die Ergebnisse verglichen, um nach möglichen Kontakten zwischen jüdischen und christlichen Auslegern zu suchen, seien diese persönlich, über literarische Abhängigkeit oder mündliche Tradition. Dieser Vergleich machte die Parallelen und Unterschiede zwischen den Texten ebenso wie Entwicklungslinien im Laufe der Zeit deutlich. Jüdische und christliche Bibelausleger waren Teil der spätantiken Mittelmeerkultur. Mit dieser teilen sie dieselben Interpretationstechniken, bestimmte Aspekte der Hermeneutik und eine Reihe von Vorstellungen bezüglich ihrer Sicht der Welt und der menschlichen Gesellschaft. Darüber hinaus finden sich Gemeinsamkeiten zwischen jüdischen und christlichen Interpreten, insbesondere in Bezug auf Religion und Bibel. Zudem gab spezifisch jüdische beziehungsweise christliche Vorstellungen. Alle diese Elemente trugen zu der Vielfalt an patristischen und rabbinischen Auslegungen von Exodus 12 bei.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

Research Output

  • 3 Publikationen
  • 3 Disseminationen
Publikationen
  • 2018
    Titel Macht und Geschlecht in Ex 1-2 in der Auslegung von Origenes und Exodus Rabbah; In: Macht und Machtkritik. Beiträge aus feministisch-theologischer und befreiungstheologischer Perspektive. Dokumentation des 4. internationalen Workshops "Kontextuelle befreiende Theologien"
    Typ Book Chapter
    Autor Siquans A.
    Seiten 124-134
  • 2018
    Titel Geschlecht und Handlungsmacht: Die Geburtsgeschichte des Mose und ihre Transformation in patristischen und rabbinischen Texten
    Typ Journal Article
    Autor Siquans A.
    Journal Journal of the European Society of Women in Theological Research
    Seiten 17-33
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Nach Ägypten, in Ägypten, aus Ägypten: Die Funktion von "Räumen" in der Exodusauslegung des Origenes und deren ekklesiologische Dimension
    Typ Journal Article
    Autor Siquans A.
    Journal Protokolle zur Bibel
    Seiten 136-154
    Link Publikation
Disseminationen
  • 2018 Link
    Titel Blog contribution
    Typ Engagement focused website, blog or social media channel
    Link Link
  • 2019
    Titel Newspaper article
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
  • 2019
    Titel Newspaper interview
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview

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