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Bankett und Grab

Banquet and grave

Petra Amann (ORCID: 0000-0002-7753-0785)
  • Grant-DOI 10.55776/P20953
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.02.2009
  • Projektende 31.12.2013
  • Bewilligungssumme 381.716 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (65%); Soziologie (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (5%)

Keywords

    Banquet, Iconography, Symposion, Social History, Funerary cult, Ancient Mediterranean

Abstract Endbericht

Inhalt und Ziele: Das Motiv des Banketts bzw. Trinkgelages spielt in vielen Gebieten der antiken Mittelmeerwelt eine zentrale Rolle in der Sepulkralkunst. Es ist anzunehmen, daß die Häufigkeit des Motivs im funerären Rahmen, seine verschiedenen typologischen Ausformungen und die Kombination mit anderen Bildmotiven einen unmittelbaren Bezug zur jeweiligen soziopolitischen Struktur der betreffenden Gemeinschaft bzw. Kulturgruppe haben. Das Projekt hat die systematische, umfassende und nach Landschaften gegliederte Untersuchung aller im funerären Zusammenhang stehenden Bankett- und Gelageszenen im italischen, griechischen, klein- und vorderasiatischen Raum im 1. Jt.v.Chr. (Schwerpunkt 8/7.-3. Jh.v.Chr.) zum Inhalt. Eigentliches Ziel und absolutes Desiderat in der modernen Forschung ist es, auf der Basis von Regionalanalysen einen gesamtmittelmeerischen Vergleich vorzunehmen, der vor allem auch den soziopolitischen- und religionshistorischen Hintergrund miteinbezieht und in seiner Bedeutung erkennt. Die sich dabei ergebenden Fragen nach Kulturtransfer bzw. Parallelentwicklung sollen beantwortet werden. Arbeitsweise: Zu Beginn des Projekts steht die einheitlichen Kriterien folgende Erfassung des gesamten relavanten Materials im etrusko-italischen und griechisch-kleinasiatischen Raum. Hierbei handelt es sich um die Kernbereiche des Projekts. Eine entsprechende Datenbank soll angelegt werden. Um ursprüngliche Konzeptionen des Bildthemas und mögliche Entwicklungslinien verfolgen zu können, müssen auch die vorderasiatisch-levantinische Evidenz des späten 2. und 1. Jts.v.Chr. bearbeitet und die entsprechenden Befunde in Ägypten miteinbezogen werden. Es folgen die umfassende, auch andere Lebensbereiche berücksichtigende regionale Analyse und der abschließende überregionale Vergleich. Vorhandenes Personal: Die Antragstellerin Univ.-Ass. Mag. Dr. Petra Amann (Universität Wien, Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde, Papyrologie und Epigraphik, Fachgebiet: Etruskologie und Italische Altertumskunde) und der nationale Forschungspartner Mag. Dr. Peter Ruggendorfer (Österreichische Akademie der Wissenschaften, Institut für Kulturgeschichte, Fachgebiet: Kleinasien) sind Angestellte der jeweiligen Institution, die jeweils auch die Infrastruktur usw. zur Verfügung stellt. Beantragtes Personal: Zwei Dienstverträge post doc: Mag. Tina Mitterlechner (100%, 3 Jahre, besonders Bearbeitung und Analyse des etrusko-italischen Materials) und Mag. Anne Lykke (100%, 2 Jahre 7 Monate, besonders Bearbeitung und Analyse des griechisch-kleinasiatischen Materials). Auf der Basis von Werkverträgen ist die Bearbeitung des vorderasiatisch-levantinischen (PD Dr. Ellen Rehm) und ägyptischen (N.N.) Materials vorgesehen.

Inhalt des Projekts war die auf den Funerär- bzw. Sepulkralbereich konzentrierte Untersuchung von Bankett- und Gelageszenen im antiken Mittelmeerraum zwischen dem 8. und 3.-2. Jh.v.Chr. Dabei stand neben dem griechisch-kleinasiatischen Raum erstmals gleichrangig auch der Bereich der gesamten Apenninhalbinsel im Vordergrund. Um ältere Entwicklungen und eventuelle ikonographische Vorläufer besser beurteilen zu können, wurden der altägyptische und der altorientalisch-vorderasiatische Raum ebenfalls in die Untersuchung miteinbezogen. Der Fokus auf den Sepulkralbereich mit seinem stark repräsentativen Charakter erlaubte einen gezielten Blick auf die zugrundeliegenden sozialen Strukturen der jeweiligen Kulturlandschaften. Aufgrund einer einheitlichen Bildanalyse, die bestimmten bildimmanenten Kriterien (wie z.B. Anzahl, Geschlecht und Position der teilnehmenden Personen) folgte, gelang es, verschiedene Banketttypen zu definieren: Einzelbankett, Paarbankett, Familienbankett, Kollektivbankett. Diese Typen vermitteln im Hinblick auf Selbstrepräsentation und Ideologie ganz unterschiedliche Botschaften: Das Einzelbankett wirft den Fokus auf den Grabherrn als sphärisch überhöhte Figur, das Paarbankett fügt dieser Überhöhung die weibliche Komponente hinzu, kreist also letztlich um Aspekte der Fruchtbarkeit und den Zyklus von Leben und Tod. Das Familienbankett mit der Darstellung von Kindern betont den geordneten Oikos und die konkrete Rolle des Grabherrn als Familiengründer und -vorstand, während das in verschiedensten Varianten mögliche Kollektivbankett die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe, die ganz unterschiedlich definiert sein kann, demonstriert. Wichtig ist vor allem die im Zuge des Projekts gewonnene Erkenntnis, dass die Häufigkeit dieser Typen in einer Kulturlandschaft mit den jeweiligen sozialen Strukturen und dem soziopolitischen Hintergund korreliert. Dies erklärt ähnliche Entwicklungen in geographisch weit voneinander entfernten Gebieten, macht aber auch Unterschiede sehr deutlich (wie z.B. zwischen Etrurien in Mitteliatlien und Lykien im südwestlichen Kleinasien). Bankett und Gelage symbolisierten in der Antike ganz generell einen positiv besetzten, friedlichen und erstrebenswerten Seinszustand, der eine gewisse ökonomische Basis voraussetzt. Das Bildthema konnte mit unterschiedlichen ideologischen Botschaften aufgeladen werden, war also multifunktional, was seine große Beliebtheit in der Antike erklärt. Im funerär-sepulkralen Rahmen hatte das Bildmotiv in vorhellenistischer Zeit nur in den sog. Randgebieten der griechischen Welt große Bedeutung: Seit dem 7.-6. Jh.v.Chr. in Etrurien, wo das Motiv im Spulkralbereich zwischen 7. und 3. Jh.v.Chr. mit Abstand am häufigsten belegt ist, und Zypern, ab dem späteren 6. Jh.v.Chr. im nicht-griechischen Kleinasien (besonders in den nördlichen persischen Satrapien, wie z.B. Daskyleion, und in Lykien), ab dem 4. Jh. zudem vereinzelt im monarchisch organisierten Makedonien sowie in Thrakien. Im Gegensatz dazu setzte die vorhellenistische griechische Welt, und zwar besonders Ionien und Athen, das Motiv im Sakral- und Votivbereich sowie in der Alltagskunst der Vasenmalerei ein. Die oben definierten Banketttypen erlauben auch hier neue Ansätze in der inhaltlichen Analyse, z.B. bei der Frage der attischen Heroenmahlreliefs (in der älteren Literatur irreführend als Totenmahlreliefs bezeichnet).

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Peter Ruggendorfer, Österreichische Akademie der Wissenschaften , assoziierte:r Forschungspartner:in

Research Output

  • 2 Publikationen
Publikationen
  • 2012
    Titel Das Bankett, ein zentrales Bildthema der antiken Sepulkralkunst - dargestellt an den Fallbeispielen Etrurien und Lykien.
    Typ Book Chapter
    Autor G. Danek - I. Hellerschmid (Eds.)
  • 2014
    Titel Private Denkmäler für die Ewigkeit. Stelen und Statuen aus den nordsyrisch-südostanatolischen Kleinstaaten.
    Typ Book Chapter
    Autor Rehm E

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