Nachhaltige Restaurierung von semi-natürlichen Habitaten (FRESHH)
Farmer acceptable Restoration of Habitats (FRESHH)
weitere EU-Initiativen: BiodivERsA
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (70%); Geowissenschaften (20%); Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (10%)
Keywords
- Weed Seed Regulation,
- Herbicide,
- Aquatic Biodiversity,
- Sustainability,
- Stake Holder,
- Agriculture
Der Einsatz von Pestiziden und die Intensivierung der Landwirtschaft haben die biologische Vielfalt und Landschaften beeinträchtigt. Parallel dazu ist die Vielfalt naturnaher Lebensräume stark zurückgegangen. Diese sind jedoch für die für die biologische Vielfalt wichtig, nicht zuletzt deshalb, weil Tiere, welche für die biologische Bekämpfung von Unkraut und Schädlingen auf den Feldern sorgen, dort Rückzugsräume finden. Darüber hat der verstärkte Transport von Chemikalien nachteilige Auswirkungen auf den ökologischen Zustand und die Vielfalt der angrenzenden aquatischen Lebensräume. Im Rahmen dieses Projekts soll untersucht werden, ob man durch die Verringerung des Einsatzes von Chemikalien und die Wiederherstellung naturnaher Lebensräume im ländlichen Raum erreichen kann, dass die natürliche Biodiversität sowohl in den landwirtschaftlichen Flächen als auch in den Gewässern wiederhergestellt werden. Die Reduktion des Pestizideinsatzes stellt für Landwirte ein Risiko dar und Aspekte wie die Renaturierung von Landschaft und Gewässern wird oftmals nicht entsprechend berücksichtigt. Das führt dazu, dass die mangelnde Akzeptanz der Landwirte ein wesentliches Hindernis für die Erhaltung der ökologischen Qualität der Agrarlandschaft und der Binnengewässer darstellt. Daher konzentriert sich dieses Projekt auf ein transdisziplinäres Verständnis der Entscheidungsfindung der Landwirte und Ihrer Akzeptanz hinsichtlich der Übernahme von Bewirtschaftungsoptionen an der Schnittstelle von Sozioökonomie, Agronomie und Ökologie. Dafür werden bestehende transnationale Netzwerke von Landwirten und Feldern, die im bereits im Rahmen des ERA-NET C-IPM BioAWARE-Projekts aufgebaut wurden, wieder weiter ausgebaut. Im Laufe des Projekts werden wir bereits vorhandene Daten experimentell ergänzen, indem wir: i) die Veränderungen hinsichtlich der Biodiversität von Laufkäfern, der Vegetation und in den Gewässern über die Landschaftsgradienten der bereits vorhandenen Lebensräume hinweg bewerten und ii) sozioökonomische und agronomische Untersuchungen innerhalb der Netzwerke der Landwirte durchführen. Der Schwerpunkt dieses Projekts liegt auf der Ökosystemleistung der Laufkäfer im Hinblick auf die Regulation von Unkrautsamen. Frühere Forschungen innerhalb dieses Konsortiums haben nämlich gezeigt, dass Laufkäfer die Samen vieler der schädlichen Unkräuter auf landwirtschaftlichen Nutzflächen verzehren und damit zur Unkrautregulation beitragen können. Darüber hinaus werden die im Rahmen des BioAWARE-Projekts erstellten transdisziplinären Arbeitspläne und die Wiederverwendung von Daten und Ressourcen (Netzwerke von Landwirten usw.) dazu beitragen, dass die Forschungsfragen des Projekts beantwortet werden.
Landwirtschaftlich geprägte Ökosysteme vereinen terrestrische und aquatische Lebensräume, darunter Kulturpflanzen, naturnahe Lebensräume (SNH) und Süßwassersysteme, die eng miteinander verbunden sind. Veränderungen in der Bewirtschaftung wirken sich daher sowohl auf die terrestrische als auch auf die aquatische Biodiversität aus. Der intensive Einsatz von Pestiziden hat diese Landschaften stark geschädigt und zu einem erheblichen Verlust an Biodiversität sowie zu einer Verringerung der Ökosystemleistungen geführt, wie beispielsweise der biologischen Bekämpfung von Unkraut und Schädlingen. Die zentrale Idee hinter FRESHH war, dass an Ackerflächen angrenzende SNHs den Abfluss von Pestiziden in nahegelegene Gewässer auffangen und gleichzeitig natürliche Gegenspieler von Pflanzenschädlingen und Unkräutern auf den Feldern fördern könnten, wodurch sich der Bedarf an Pestiziden potenziell verringern ließe. Die Landwirt:innen sind jedoch nach wie vor nicht von den Vorteilen der SNHs überzeugt, da es nur eingeschränkte Beweise für deren Nutzen gibt, Befürchtungen vor negativen Folgen bestehen und die Kosten für die Anlage und Pflege solcher Lebensräume hoch sind. FRESHH ging diesem Problem nach, indem es eine europaweite Feldstudie durchführte, um Zusammenhänge zwischen naturnahen Lebensräumen, biologischer Unkrautbekämpfung, Chemikalieneinsatz und der DNA-Signatur der Biodiversität im Wasser zu untersuchen, und gleichzeitig mit Landwirt:innen zusammenarbeitete, um die sozioökonomischen Hindernisse für die Einführung dieser Lebensräume zu verstehen. Wie erwartet führte ein erhöhter SNH-Anteil in der Landschaft in Verbindung mit einer geringeren landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsintensität zu einer Zunahme der terrestrischen Biodiversität auf Ackerflächen und der aquatischen Biodiversität in nahegelegenen Bächen. Darüber hinaus trug eine erhöhte SNH in der Landschaft zu einer verbesserten biologischen Unkrautbekämpfung innerhalb der Kulturen bei, wobei die Widerstandsfähigkeit dieser Ökosystemleistung von der landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsintensität auf den Ackerflächen beeinflusst wurde. Auf der Grundlage eines quantitativen Diskreten-Wahl-Experiments (DCE), an dem über 1.000 Landwirt:innen aus fünf Ländern teilnahmen, konnten wir zwei Hauptgruppen von Landwirt:innen identifizieren. Die erste Gruppe, die etwa zwei Drittel der Befragten umfasste, zeigte großes Interesse an den ökologischen Vorteilen von SNH und war offen für deren Einführung, während die zweite Gruppe, die ein Drittel der Befragten umfasste, sich gegen Veränderungen sträubte und sich finanzielle Entschädigungen wünschte, um ihre derzeitige Situation zu ändern. Politische Empfehlungen im Zusammenhang mit SNH: SNH in Agrarlandschaften sollte gefördert werden, da es sowohl die terrestrische als auch die aquatische Biodiversität sowie die biologische Unkrautbekämpfung unterstützt und einigen der negativen Auswirkungen intensiver landwirtschaftlicher Bewirtschaftung entgegenwirken kann; Landwirt:innen benötigen jedoch Informationen und Anreize für das Anlegen von SNH. Anreize zur Förderung der Einführung von SNH sollten der gesteigerten Heterogenität der ladnwirtschaftlichen Flächen führen. Politische Maßnahmen sollten sich daher auf gezielte, profilbezogene Strategien stützen und nicht auf einheitliche Programme nach dem "One-size-fits-all"-Prinzip. Es wäre von großer Bedeutung, den Landwirt:innen gezielte Informationen über die Vorteile von SNH für ihr eigenes Wohl zur Verfügung zu stellen und dabei auch deren Bedenken auszuräumen zu können.
- Universität Innsbruck - 100%
- David Bohan, Institut National de la Recherche Agronomique - Frankreich
- Der Werf Wopke Van, Wageningen University - Niederlande, Projektpartner:in
- Mattias Jonsson, Lincoln University - Schweden, Projektpartner:in
- Pavel Saska, Crop Research Institute - Tschechien, Projektpartner:in
Research Output
- 3 Publikationen
- 13 Disseminationen
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2024
Titel Functional redundancy of weed seed predation is reduced by intensified agriculture. DOI 10.1111/ele.14411 Typ Journal Article Autor Daouti E Journal Ecology letters Link Publikation -
2025
Titel Variation in weed seed DNA detectability among arable carabids with different trophic specialization DOI 10.1007/s11829-024-10122-0 Typ Journal Article Autor Neidel V Journal Arthropod-Plant Interactions Link Publikation -
2023
Titel Secondary predation by omnivores: Cereal aphid consumption bears no risk of misinterpretation in DNA -based diet analysis DOI 10.1111/jen.13105 Typ Journal Article Autor Neidel V Journal Journal of Applied Entomology Link Publikation
-
2023
Link
Titel Die Presse Article: zum Projekt "Laufkäfer: Allesfresser für mehr Artenvielfalt (04.02.2023) Typ A magazine, newsletter or online publication Link Link -
2024
Titel Projektpresentation Lehrgang Naturschutzpraktiker:in in Westösterreich 2024 by BioAustria Typ A talk or presentation -
2022
Link
Titel Standard Article via Susanne Strnadl "Laufkäfer können Spritzmittel ersetzen" (22.08.2022). Typ A magazine, newsletter or online publication Link Link -
2022
Titel Information leaflet for farmers explaining the content and objectives of the project Typ A magazine, newsletter or online publication -
2022
Titel Informational Workshop for Austrian Farmers in Tyrol Typ Participation in an activity, workshop or similar -
2022
Titel Article presenting the 'Project of the Week' on the FWF's SciLog "Laufkäfer für eine nachhaltige Lebensmittelversorgung" Typ A magazine, newsletter or online publication -
2024
Link
Titel Webinar for members of the Farmer association Boden.leben Typ A talk or presentation Link Link -
2026
Titel Final Report on the project for Biodiversa+ and presentation Typ A talk or presentation -
2023
Link
Titel Film: Servus TV forPM Wissen (published Mai 2023) Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press) Link Link -
2025
Titel Farmer Workshops Typ Participation in an activity, workshop or similar -
2022
Link
Titel UIBK Newsroom Laufkäfer für nachhaltige Lebensmittel Typ A magazine, newsletter or online publication Link Link -
2023
Titel Informational Film for farmers Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press) -
2024
Titel Individualized reports for participating farmers Typ A magazine, newsletter or online publication