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Imago Noctis. Die Nacht in der Kunst des Abendlandes

Imago Noctis. Die Nacht in der Kunst des Abendlandes

Brigitte Borchhardt (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/D3495
  • Förderprogramm Buchpublikation
  • Status beendet
  • Projektbeginn 07.10.2002
  • Projektende 07.10.2012
  • Bewilligungssumme 33.627 €

Wissenschaftsdisziplinen

Kunstwissenschaften (100%)

Abstract

Erstmals in der Kunstgeschichtsschreibung liegt eine systematische Übersicht über die Darstellung der Nacht in ihren vielfältigen Erscheinungsformen, Attributen und Verknüpfungen im Zeitraum vom Alten Orient über Ägypter, Griechen, das römische Weltreich, Frühchristentum, Mittelalter und Renaissance bis zum Barock vor. Eine Fortsetzung, die von der Aufklärung und Romantik bis zur Moderne reicht, ist geplant. Trotz der Gliederung in historische Abschnitte nach deren zeitlicher Reihenfolge mußte der methodischen Vielfalt durch fachübergreifende und gründliche Studien von Einzelphänomenen Rechnung getragen werden. Deshalb sind auch Gesichtspunkte aus vielen Nachbarwissenschaften berücksichtigt. Nachtdarstellungen sind weit über ihre ästhetische Funktion hinaus mit religiösen, philosophischen, astrologischen und theologischen Vorstellungen verbunden, z.B. wurde die Nacht in der Antike als das - weibliche - Urprinzip verstanden, aus welchem der männliche Tag entsprang. Mannigfach wie ihre Erscheinungsformen sind auch ihre Farben. Die Barockzeit sah die Nacht nicht wie frühere Epochen blau oder schwarz, sondern braun. Die Nacht kann als Personifikation erscheinen oder als "natürliche" Nacht, etwa in Form einer Mondlandschaft. Das älteste bisher bekannte "Nachtstück" in Gestalt eines Fischerboots auf einem See mit Schilfrohr und Mondsichel ziert ein vorbabylonisches Siegel aus dem frühen 3.Jahrtausend v.Chr. Nacht kann positive Aspekte des Lebens meinen, steht aber auch für bedrohliche Mächte (Tod, Hexenkunst, Alptraum) und niedere Triebe (primitive Erotik). Mitunter kann - wie beim Schlaf - auch beides zutreffen. Nacht und Licht gehören zusammen. Indem der durch eine Lichtquelle in nachtdunklem Raum erzeugte Schatten nachgezeichnet wurde, entstand nach altem Glauben die bildende Kunst. Zu den neu erarbeiteten Erkenntnissen gehört vor allem der in der Renaissance als Bildthema beliebte Nachtfleiß, das nächtliche Schaffen von Fürsten, Künstlern und Wissenschaftlern, die sich damit über die gewöhnliche Masse erheben. Zahlreiche Werke bedeutender Künstler sind nicht nur überblicksmäßig geordnet, sondern nach Kategorien untersucht und erläutert, u.a. Michelangelo ("...ich bin ein Kind der Nacht"), Raffael, El Greco, Rubens und Caravaggio. Darüber hinaus erweitern etliche bisher wenig oder nicht bekannte Gemälde, Graphiken und Bildhauerarbeiten den Blickwinkel. Während die Forschungsarbeiten zum Projekt noch im Gang waren, ergab sich die Möglichkeit zu Kooperation bei einschlägigen Ausstellungen und Rundfunksendungen. In den Katalogbeiträgen von B.Borchhardt ("Die Nacht", München 1998; "Nightscapes", Ulm 2001) sind wichtige Erkenntnisse in kurzer Form zusammengefaßt.

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