Ohne Wasser wäre ein Leben auf der Erde nicht möglich. Wie sich Klimawandel und wachsender Konsum auf unsere wichtigste Ressource auswirken, diskutierten der Gletscherforscher Georg Kaser und der Politikwissenschafter Thomas Bernauer im Rahmen der Veranstaltungsreihe AM PULS des Wissenschaftsfonds FWF.

Prof. Dr. Georg Kaser, Moderatorin Mag.a Birgit Dalheimer, Prof. Dr. Thomas Bernauer

Für redaktionelle Zwecke bei Nennung der Quelle kostenfrei. © FWF/Michèle Pauty

 

Kapstadt, März 2018: Nach einer dreijährigen Dürre bereitet die Stadtverwaltung die Bewohner der südafrikanischen Metropole auf den „Day Zero“ vor. An diesem Tag würde die Wasserversorgung aufgrund der beinahe leeren Trinkwasserreservoire abgeschaltet werden. Ende Juni dann die Entwarnung: Day Zero ist vorerst abgesagt. Die Bewohner Kapstadts werden jedoch aufgefordert, ihren täglichen Wasserverbrauch auf 50 Liter zu reduzieren. Zum Vergleich: In Ländern wie Österreich werden pro Kopf durchschnittlich 200 Liter Wasser täglich verbraucht.

Kooperation statt Konflikte

„Hier handelt es sich ganz klar um politisches Versagen der Behörden“, sagt Thomas Bernauer vom Departement für Geistes-, Sozial- und Staatswissenschaften an der ETH Zürich. „Die Situation in Kapstadt ist ein Symbol für den weltweiten unvernünftigen Wasserkonsum, verbunden mit einem ungebremsten Bevölkerungswachstum.“ Gegensteuern ließe sich mit besserer staatlicher Koordination, etwa in Form von Steuern. „Wasser ist zu billig, es gibt keinen Anreiz, es zu schützen.“

Dennoch ergeben die Studien des Professors für Internationale Politik bis dato keine nennenswerten kriegerischen Konflikte rund um Wasser. Im Gegenteil gäbe es vermehrt Kooperation zwischen potenziellen Konfliktparteien. Als Beispiel nennt Bernauer den Syr Darya, einen Fluss in Zentralasien, der durch Kirgistan und Usbekistan fließt. Nach der Auflösung der Sowjetunion gab es dort Konflikte rund um den Staudamm Kambarata, die jedoch durch 120 lokale grenzüberscheitende Abkommen beigelegt werden konnten. Oft geht es bei solchen und ähnlichen Konflikten um große Infrastrukturprojekte an Flüssen, etwa wegen der Wasserverschmutzung durch ein Kraftwerk. In Westeuropa gäbe es hierzu die Wasserrahmenrichtlinie für große Flüsse wie Donau oder Rhein, erklärt Bernauer.

Globaler Wasserkreislauf

Georg Kaser vom Institut für Atmosphären- und Kryosphärenwissenschaften an der Universität Innsbruck gewährt in seinem Kurzvortrag einen Einblick in den globalen Wasserkreislauf und die Veränderungen durch den Klimawandel. „Durch einen Temperaturanstieg von einem Grad haben sich bereits die Niederschläge verändert: Trockene Gebiete werden noch trockener und feuchte Gebiete noch wasserreicher“, erklärt der Klimaforscher, der unter anderem als Leitautor am Klimabericht des Weltklimarats (IPCC) mitarbeitet. Bei einem maximalen Temperaturanstieg von 1,5 Grad, wie im aktuellen Pariser Klimaabkommen angestrebt, würden 40 Prozent der Gletscher verloren gehen und der Meeresspiegel um 15 Zentimeter steigen; bei einem Temperaturanstieg von zwei Grad käme es zu einem Verlust von 60 Prozent der Gletscher sowie zu einem Meeresspiegelanstieg um 10 Zentimeter mehr als bei 1,5 Grad. Rund um Grönland oder Patagonien würde der Meeresspiegel jedoch sinken, wie Kaser erklärt: „Die Eismasse in diesen Gebieten übt eine Anziehungskraft auf das umliegende Wasser aus, sodass der Meeresspiegel steigt; wenn das Eis schmilzt, zieht sich auch das Meerwasser vom Ufer zurück.“ Laut Kaser nimmt die Versalzung der Meere insbesondere am Äquator durch die Klimaerwärmung zu; der Salzgehalt in der Nähe der Pole hat hingegen deutlich abgenommen. Grund dafür ist der veränderte globale Zyklus aus Verdunstung, Niederschlag und Wasserzirkulation innerhalb der Ozeane.

Auswirkungen des Klimawandels auf den Menschen

Der Klimawandel wirkt sich nicht nur auf die Natur aus, sondern auch auf die Menschen: Aufgrund des steigenden Meeresspiegels verlassen die Einwohner von kleinen Inseln im Südpazifik bereits ihre Heimat. „Drei Millionen Menschen werden aus dem Irrawaddy Delta in Myanmar Richtung Indien wandern“, warnt Georg Kaser. Durch den steigenden Meeresspiegel wird zunehmend auch Grundwasser versalzen, vor allem in armen Ländern wie Bangladesch, die besonders vom Klimawandel betroffen sind, oder auch entlang des Nils. In Indien etwa sei Grundwasser nicht erneuerbar, erklärt Kaser. Aber auch hierzulande könne Grundwasser verdunsten, wie der Forscher am Beispiel des extrem heißen Sommers 2003 erläutert.

Doch während weltweit der Meeresspiegel steigt, ist das Tote Meer von der Austrocknung bedroht: Die Nutzung des Wassers aus dem Jordan durch Israel hat dazu geführt, dass der Meeresspiegel des Toten Meeres jedes Jahr durchschnittlich um einen Meter sinkt. Gegensteuern soll das Red Sea Project: Ein rund 180 Kilometer langer Kanal soll künftig das Rote Meer mit dem Toten Meer verbinden. Ziel ist, die Trinkwasserversorgung in der Region sicher zu stellen und gleichzeitig den Pegel des Toten Meeres anzuheben.

 

Peak Water

Ähnlich wie beim Erdöl gibt es auch beim Wasser die Befürchtung, dass die Verfügbarkeit von Wasser mit den Jahren abnimmt. Sichtbar wird das vor allem bei der Gletscherschmelze, wie Kaser erläutert: Von insgesamt 200.000 Gletschern weltweit hätte rund ein Viertel den „Peak Water“ bereits überschritten. „Durch das Schmelzen der Gletscher ist zwar vorübergehend mehr Wasser da, aber langfristig gesehen fehlt es.“ Vor allem in den Alpen und den peruanischen Anden sei die Gletscherschmelze bereits weit fortgeschritten.

Eines der Hauptprobleme bei der Wasserverschwendung sehen beide Experten im wachsenden Konsum weltweit, vor allem im Baumwollanbau oder beim Fleischkonsum: „Nirgendwo sonst wird so viel Wasser verbraucht wie in der industriellen Tierhaltung“, betont Thomas Bernauer. Würden Länder wie Indien oder China hier dem westlichen Beispiel folgen, sähe es schlecht für die Wasserversorgung aus. „Wir alle sollten unsere Ernährungsgewohnheiten umstellen und weniger Fleisch essen“, ist der Schweizer Politikwissenschafter überzeugt.

Im Dialog mit der Öffentlichkeit

Die Veranstaltungsreihe AM PULS ist eine Initiative des Wissenschaftsfonds FWF. Das Wissenschaftsformat lädt seit 2007 die Bevölkerung zum Dialog mit der Wissenschaft. Renommierte Forscherinnen und Forscher berichten bei AM PULS aus ihrem Arbeitsalltag, über neue Methoden und Erkenntnisse und vermitteln dabei die Bedeutung der Wissenschaft für die Gesellschaft. Die Themen der Reihe spiegeln die Vielfalt der vom FWF geförderten Projekte aus der Grundlagenforschung wider und reichen von der Weltraumforschung über Krebstherapie bis zu Datenschutz und Archäologie.

 

Terminvorschau

Die nächste AM-PULS-Veranstaltung zum Thema „Das Essen der Zukunft“ findet am 22. November 2018 im Theater Akzent in Wien statt. Der Eintritt ist frei. Anmeldungen an bauder(at)prd.at.

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