Die Initiative „Plan S“ wird 2021 in Kraft treten und den freien Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen ermöglichen. Nach einem intensiven Konsultationsprozess wurden nun die überarbeiteten Prinzipien und Richtlinien veröffentlicht. Zusammen mit einer Reihe von international renommierten Förderungsorganisationen unterstützt der FWF die Initiative und ist für die Umsetzung gut vorbereitet.

Warum Open Access?

Die Offenheit und der freie Zugang (Open Access) zu Forschungsergebnissen ist der normative Anspruch der Wissenschaft an sich selbst. Erst so können Forschungsergebnisse nachvollzogen, kritisiert und für wissenschaftliche oder praktische Anwendungen weiterentwickelt werden. Open Access zu wissenschaftlichen Publikationen im Internet ist daher eine wichtige Voraussetzung für eine Wissenschaft, die in all ihren Arbeitszyklen so viel Offenheit und Transparenz wie möglich schaffen will (Stichwort: Open Science).

Darüber hinaus haben die Wissenschaftsgemeinschaft als Produzent und Qualitätssicherer sowie die Gesellschaft als Förderer von Forschungsergebnissen einen ökonomischen und ethischen Anspruch auf einen offenen Zugang zu Forschungserbnissen und eine transparente Übersicht über die damit verbundenen Kosten.

Was ist Plan S von cOAlition S?

Die cOAlition S, ein Zusammenschluss von derzeit 20 internationalen Förderungsorganisationen, will mit Plan S alle qualitätsgeprüften (Peer Review) Publikationen, die aus ihren Förderungen hervorgehen, ab 2021 frei zugänglich machen.

Dazu wurden im September 2018 Prinzipien und im November 2018 Ausführungsrichtlinien vorgeschlagen und zu einem weltweiten Feedback-Prozess eingeladen. Nach Auswertung von über 600 Inputs ist nunmehr die finale Version von Plan S publiziert worden.

Darüber hinaus werden alle eingegangenen Inputs sowie eine Erklärung veröffentlicht, wie cOAlitions S auf Anregungen, Kritikpunkte und Bedenken eingegangen ist.

Unterstützt wird cOAlition S von einer Gruppe renommierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Fachdisziplinen, die als „Botschafter/innen“ von Plan S fungieren.

Was bedeutet die finale Version von Plan S für vom FWF geförderte Wissenschaftler/innen?

Unter Berücksichtigung der Feedbacks und Inputs zu Plan S werden entsprechende Übergangsfristen und Anpassungsoptionen eingeräumt. Das bedeutet u.a.:

  • Plan S gilt für alle Forschungsprojekte des FWF, die ab dem 1.1.2021 eingereicht werden. Wissenschaftliche Artikel mit Peer Review, die aus diesen Projekten hervorgehen, müssen ohne Zeitverzögerung Open Access gestellt werden. Das wird für die ersten durch den FWF geförderten Projekte etwa ab Ende 2021 oder Anfang 2022 zutreffen. Für andere Publikationsformate wie v.a. Monographien und Sammelbände wird eine verbindliche Richtlinie bis Ende 2021 formuliert werden.
  • Open Access kann dabei auf drei Wegen erfolgen: 1) Publikation in einer Open Access Zeitschrift/Plattform (Gold Open Access) oder 2) Archivierung der Publikation in einem frei zugänglichen Repositorium ohne Embargofristen sowie Verbleib des Copyright bei den AutorInnen (Green Open Access). Den Bedingungen wird auch dann entsprochen, wenn es 3) zwischen den Forschungsstätten bzw. Förderungsgebern und den Verlagen ein Abkommen (transformative agreement) gibt, das den Autorinnen und Autoren erlaubt, Open Access zu publizieren.
  • Wie bereits seit über 15 Jahren wird sich der FWF an der Finanzierung zur Umsetzung von Open Access in Österreich aktiv beteiligen und dort, wo es notwendig ist, seine Förderungen erweitern.


Wie gut sind die österreichischen Forschungsstätten und der FWF auf Plan S vorbereitet?

Die österreichischen Forschungsstätten und der FWF haben in enger Kooperation in den letzten Jahren bereits viele Voraussetzungen geschaffen, die die Umsetzung von Plan S enorm erleichtern:

  • Es gibt eine Reihe von Abkommen, die es schon jetzt ermöglichen, dass Autor/innen in einer Vielzahl von Zeitschriften Open Access zu transparenten Kosten publizieren können.
  • Der FWF unterstützt seit 2004 die Finanzierung von Publikationskosten im Rahmen der Programme Referierte Publikationen (Zeitschriftenartikel) und Selbstständige Publikationen (Monographie und andere Formate). Zusammen genommen sind das, gemessen am Budget, die höchsten Ausgaben einer Förderungsorganisation für Open Access weltweit.
  •  Zusätzlich fördern der FWF und viele österreichische Forschungsstätten alternative Publikationsmodelle wie zum Beispiel SciPost oder Open Library of Humanities. Darüber hinaus werden Infrastrukturen wie das Directory of Open Access Journals (Registrierung von Open-Access-Zeitschriften), OAPEN (Repositorium für Open-Access-Monographien) und Europe PubMedCentral (Repositorium für Artikel in den Lebenswissenschaften) unterstützt.
  • Die österreichischen Forschungsstätten verfügen über ein Reihe von international registrierten Repositorien, in denen Publikationen frei zugänglich und nachhaltig archiviert werden können. Dort, wo keine institutionellen Repositorien zur Verfügung stehen, gib es Angebote für alle Wissenschaftsdisziplinen etwa von ZENODO.


Bis 2024 wird cOAlition S eine Zwischenevaluation durchführen, um ggf. Anpassungen vorzunehmen und neuere Entwicklungen berücksichtigen zu können.

Der FWF wird in den nächsten Monaten Antragsrichtlinien und Förderungsangebote so überarbeiten, dass alle Wissenschaftler/innen frühzeitig vor dem 1.1.2021 klare Vorgaben und Unterstützungen erhalten sowie ein breites Angebot an Publikationsmöglichkeiten offensteht. Im Vorfeld der Umsetzung der neuen Richtlinien wird der FWF auch Informationsveranstaltungen anbieten.

Für alle Projekte, die bis zum 31.12.2020 gefördert werden, ist die bis zu diesem Zeitpunkt gültige Open Access Policy in Kraft.

Kontakt:

Für Rückfragen stehen Ihnen Falk Reckling und Katharina Rieck aus der Abteilung "Strategie - Policy, Evaluation, Analyse" zur Verfügung. 

Falk Reckling

Katharina Rieck

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