Um die besten und kreativsten wissenschaftlichen Talente zu gewinnen, auszubilden und zu halten, bedarf es der gezielten Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Das Programm doc.funds des FWF zur Förderung von Doktorandinnen und Doktoranden im Rahmen einer exzellenten, an internationalen Standards orientierten, strukturierten Doktoratsausbildung, stellt hier einen wichtigen Baustein zur Qualifizierung und Sicherung optimaler Karrierechancen dar.

doc.funds-Projekte sollen – wie auch schon die FWF-Doktoratskollegs – Qualitätsstandards in der Doktoratsausbildung setzen, an denen sich vergleichbare Programme orientieren können. Durch die konkrete Finanzierung von Doktorand/inn/en-Stellen leistet das doc.funds-Programm zudem einen wichtigen Beitrag zur Stärkung des Forschungsraums und seiner Humanressourcen.

doc.funds vergibt Förderungen für strukturierte Doktoratsprogramme, die bereits seit mindestens zwei Jahren an einer Forschungsstätte bestehen. Diese zweite Ausschreibung wurde ebenfalls aus Mitteln der Nationalstiftung kofinanziert.

doc.funds 2019

Mit Ausschreibungsende Mitte Mai 2018 langten 28 Anträge mit einem Antragsvolumen von rund 45 Millionen Euro beim FWF ein. Auf Basis der bewährten schriftlichen Begutachtung durch internationale Expertinnen und Experten wurden 13 sehr gut bis exzellent begutachtete Konsortien zu einem Hearing Ende Februar 2019 vor der doc.funds-Jury eingeladen.

Die Jury setzt sich aus elf renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem europäischen und außereuropäischen Ausland zusammen, um eine bestmögliche Objektivierung der Entscheidung sicherzustellen. Die Vorsitzführung lag bei Rick Rylance, bis 2015 Vorsitzender des UK Arts and Humanities Research Council und derzeit Vice Chancellor (Research) und Dean of the School of Advanced Study, University of London.

Auf Basis der Hearings sowie der internationalen Fachgutachten erstellte die doc.funds-Jury in ihrer Sitzung Anfang März 2019 eine klare Entscheidungsempfehlung, der sich das FWF-Kuratorium in seiner 72. Kuratoriumssitzung anschloss. Damit können 56 Doktorand/inn/en-Stellen finanziert werden. Gemeinsam mit den von den Forschungsstätten zusätzlich zur Verfügung gestellten Stellen sind es sogar mehr als 70 neue Doktorandinnen und Doktoranden, die für einen Zeitraum von vier Jahren gefördert werden können.


Die doc.funds-Projekte im Detail

Die mit insgesamt rund 11 Millionen Euro geförderten sechs doc-funds-Projekte sind an der Technischen Universität Graz, der Universität Graz, der Universität Wien sowie der Medizinischen Universität Wien angesiedelt.

Technische Universität Graz
Universität Graz
CATALOX – CATalytic mechanisms and AppLications of Oxidoreductases
Koordinator: Robert Kourist


Die doc.funds-Initiative CATALOX bringt 10 junge Forscherinnen und Forscher zusammen, um gemeinsam die Mechanismen und Anwendungen sogenannter Oxidoreduktasen zu untersuchen. Diese Biokatalysatoren bilden die größte Klasse an Enzymen und spielen eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel. Das zugehörige Doktoratsprogramm ist Teil einer Zusammenarbeit zwischen der TU Graz und der Universität Graz im Rahmenprogramm „NaWI Graz“. Im Rahmen der wissenschaftlichen Ausbildung profitieren die Doktorandinnen und Doktoranden vom internationalen Ansehen der beteiligten Arbeitsgruppenleiterinnen und -leiter sowie von den fokussierten Forschungsprojekten. Die engen Zusammenarbeit mit dem Austrian Centre of Industrial Biotechnology (ACIB) stellt einen zusätzlichen Mehrwert für die Doktorandinnen und Doktoranden dar, insbesondere im Hinblick auf mögliche Anwendungsbereiche der gewonnenen Erkenntnisse. Der interdisziplinäre Ansatz bietet den Nachwuchsforscherinnen und Nachwuchsforschern die Möglichkeit, sich auf attraktive Karriereoptionen in Forschung und Entwicklung vorzubereiten. Das einzigartige Umfeld erlaubt es, detailliertes Wissen in den Kerngebieten der Biokatalyse und Biotechnologie – von der organischen Synthese, mechanistischen Enzymologie, Enzym Engineering, Strukturbiologie bis hin zur Prozesstechnik – zu erwerben.

Doctoral School of Molecular Biosciences and Biotechnology

 

Universität Graz
Molecular Metabolism
Koordinatorin: Monika Oberer


„Molekularer Metabolismus“ ist ein internationales und interdisziplinäres Ausbildungsprogramm für Doktoratsstudierende der Molekularen Biowissenschaften an der Universität Graz. Das Trainingsprogramm wird von zehn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern getragen, die Veränderungen des Stoffwechsels bedingt durch Alterung, Ernährung und bakterielle Infektionen untersuchen. Ein besonderes Merkmal ist dabei die Möglichkeit, dass junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Forschungsfragen mit einem großen Spektrum verschiedener Modellorganismen behandeln können. Die untersuchten Fragestellungen haben hohe wissenschaftliche und gesellschaftliche Relevanz, da die untersuchten metabolischen Prozesse mit vielen Krankheitsbildern assoziiert sind. Das Programm zielt darauf ab, Absolventinnen und Absolventen die beste Ausbildung zu bieten, damit sie zu führenden Expertinnen bzw. Experten in einer wissensbasierten Gesellschaft werden. Ein Rotationsschema der Studierenden in verschiedene Labore, eine breite Auswahl an Weiterbildungsmöglichkeiten und eine Stärkung der internationalen Sichtbarkeit in Form von Publikationen und Auslandsaufenthalten tragen darüber hinaus zum Mehrwert für die Doktoratsstudierenden bei.

doc.funds "Molecular Metabolism" (MOBILES)

 

Universität Wien
PhD Program Cultural Mobility Studies
Koordinatorin: Alexandra Ganser-Blumenau


Die interdisziplinäre Forschungsplattform „Mobile Kulturen und Gesellschaften“ der Universität Wien wurde 2014 ins Leben gerufen. Die sieben an der Plattform beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der philologisch-kulturwissenschaftlichen, der geowissenschaftlichen und der Fakultät für Sozialwissenschaften befassen sich im Rahmen dieses Forschungs- und Ausbildungsprogramm mit den Querverbindungen zwischen Diskursen und Praktiken der Mobilität und der Immobilität, ihren ästhetischen Repräsentationen in Medien und anderen kulturellen Formen. Im Kern steht dabei die Auseinandersetzung mit globalen Prozessen gesellschaftlicher und kultureller Verschiedenheit. Fallstudien gehen der Frage nach, wie und mit welchen Auswirkungen Erfahrung und Bedeutung von Mobilität und Beharrung zum Ausdruck gebracht und streitbar verhandelt werden. Das einzigartige und interdisziplinäre Forschungs- und Ausbildungsprogramm richtet sich dabei an Doktorandinnen und Doktoranden, die den Weg in die Wissenschaft und in die öffentliche Debatte suchen. Dieses Modell einer Doktoratsschule, getragen von hochqualifizierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie internationalen Mentorinnen und Mentoren, ermöglicht begabten Nachwuchsforscherinnen und -forschern die Aufnahme einer internationalen Karriere sowohl innerhalb wie außerhalb der Wissenschaftswelt.

Mobile Cultures and Societies

 

Medizinische Universität Wien
International PhD Program in Translational Oncology (IPPTO)
Koordinator: Gergely Szakacs


Das internationale PhD-Programm in „Translational Oncology” (IPPTO)“ am Institut für Krebsforschung der MedUni Wien basiert auf der Zusammenarbeit von vierzehn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit breiter und sich ergänzender Expertise im Feld der onkologischen Forschung. Die geplanten IPPTO-Projekte umschließen drei Forschungsschwerpunkte: zelluläre Resistenzfaktoren, Plastizität des Tumors und Krebs-Mikroenvironment. Damit soll das bereits gut etablierte thematische PhD-Programm „Malignant Diseases (MADI)“ an der MedUni Wien verbessert und stärker fokussiert werden. Die IPPTO-Studentinnen und -Studenten profitieren dabei von der Kohärenz der Projekte, dem bestehenden Kooperationsnetzwerk der Fakultätsmitglieder, dem interdisziplinären Ansatz, dem verbesserten Ressourcen-Zugang und der Betreuung auf Teamebene. Das Commitment der beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Ausbildung exzellenter Forscherinnen und Forscher stellt, neben individualisierten Weiterbildungsmaßnahmen und der Möglichkeit der aktiven Teilnahme an nationalen und internationalen Meetings und Kongressen, das Fundament des Programms dar. Langfristiges Ziel ist die Verstärkung des Potenzials der Krebsforschung in ganz Österreich und die Unterstützung der Überführung von wissenschaftlichen Erkenntnissen in eine verbesserte Behandlung von Krebspatientinnen und -patienten.

PhD-Programm Malignant Diseases

 

Universität Wien
Microbial symbioses in dynamic environments: Metabolic interplay and novel interactions (MAINTAIN)
Koordinator/Koordinatorin: Matthias Horn, Jillian Petersen

Alle höheren Lebewesen, der Mensch eingeschlossen, sind auf Mikroorganismen angewiesen, die vielfältige und teils überlebenswichtige Funktionen übernehmen. Im Zentrum des Doktoratsprogramms “Mikrobielle Symbiosen in dynamischen Ökosystemen (MAINTAIN)” steht die Frage, wie mikrobiellen Symbiosen im Verlauf der Evolution entstanden sind, wie sie funktionieren und wie sie sich einer sich ständig verändernden Umwelt anpassen. Die Auseinandersetzung mit diesen Forschungsfragen in einer Reihe unterschiedlicher Modellsysteme ermöglicht den Studierenden einen einzigartig breiten Einblick in die aktuelle Symbioseforschung. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Doktoratsprogramms arbeiten in 14 Projekten mit renommierten Forscherinnen und Forschern aus den Bereichen Mikrobiologie, Molekularbiologie, Bioinformatik und chemische Analytik. Das interdisziplinäre Umfeld des MAINTAIN-Programms und die thematisch fokussierten Forschungsthemen in einem hochaktuellen Themengebiet der Lebenswissenschaften bieten einzigartige Chancen für junge, talentierte Nachwuchsforscherinnen und -forscher. Ein internationales Curriculum mit diversen Möglichkeiten zum Austausch mit etablierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie ein umfassendes Betreuungs- und Monitoringkonzept stellen dabei die Qualität der Ausbildung sicher.

PhD Program in Microbial Symbioses

 

Universität Wien
SCORPION: Stem Cells, Tissues, Organoids – Dissecting Regulators of Potency and Pattern Formation
Koordinator: Florian Raible

Die wissenschaftliche Arbeit dieses doc.funds-Konsortiums kreist um grundlegende molekulare und mechanistische Fragen der Stammzellbiologie: Welche Mechanismen sind verantwortlich dafür, dass Stammzellen sich in spezialisierte Zellen verwandeln? Wie können diese Mechanismen umgekehrt werden, etwa während Regenerationsprozessen, in denen spezialisierte Zellen erneut zu Stammzellen werden? Und wie kommunizieren Stammzellen miteinander, um schließlich ganze Organe zu erzeugen? Das Konsortium umfasst Forscherinnen und Forscher der Universität Wien, des Institutes für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie des Instituts für Molekulare Pathologie (IMP), die ein Spektrum an Modellsystemen untersuchen, von Seeanemonen und Meeresringelwürmern bis hin zu Schwanzlurchen, Mäusen und menschlichen Organoiden. Die geförderten Doktorandinnen und Doktoranden werden im internationalen Vienna BioCenter PhD-Programm beheimatet sein, das bereits seit 30 Jahren über die Institutionen hinweg innovative Grundlagenforschung fördert. Neben der Heranführung an die Forschungsarbeit erhalten die Doktorandinnen und Doktoranden dabei auch ein intensives Training in experimentellen und bioinformatischen Methoden, Bioethik, und Konzepten der Stammzellforschung.

Vienna Biocenter PhD Programme

 

FWF Der Wissenschaftsfonds

Der FWF ist Österreichs zentrale Einrichtung zur Förderung der Grundlagenforschung sowie der künstlerisch-wissenschaftlichen Forschung. Er unterstützt – nach internationalen Qualitätsmaßstäben – herausragende Forschungsprojekte sowie exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich der Gewinnung, Erweiterung sowie Vertiefung wissenschaftlicher Erkenntnisse widmen.

Kontakt:

Marc Seumenicht
Leiter Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaftskommunikation
scilog.fwf.ac.at | @FWF_at | @FWFOpenAccess

Zurück zur Übersicht